gegenfrage
01.07.2004, 17:52
„ Hinsetzen, Christina!“ zischte Herr Trapp.
„ Nein!“ erwiderte ich entschlossen und blieb stehen.
„ Gut, dann fühle ich mich gezwungen dir einen Verweis erteilen zu müsse!“
„ Weil sie einen Mitschüler verteidigt hat oder was?“, mischte sich Tom, der ebenfalls aufgesprungen war, ein.
„ Wow, der Kleine traut sich was! Hätte ich ihm gar nicht zugetraut.“, dachte ich mir.
„ Du... sie.. ihr... ich... “ Herr Trapp stotterte zunehmend nervöser, die ganze Klasse folgte dem Geschehen gespannt.
Unser Deutschlehrer wurde von allen Schülern gehasst. Er mochte keine Ausländer und machte besonders dem Neuen, Giovanni, dem Italiener der erst seit 3 Jahren in Deutschland war, schwer zu schaffen. Eigentlich konnte dieser recht ordentlich Deutsch, aber er hatte panische Angst vor Herrn Trapp und brachte während der Deutschstunden keinen einzigen halbwegs vernünftigen Satz heraus.
„ TOM! CHRISTINA! HINSETZEN!“ schrie uns der Lehrer an, der endlich die Sprache wieder gefunden hatte.
„ Nein.“ Kam es wie aus einem Mund von uns beiden.
Dadurch dass Tom auch aufgestanden war wurde ich selbstbewusster.
„ Sie können ihm keine Strafarbeit aufbrummen, nur weil er Ausländer ist!“ empörte ich mich.
„ Was ich zu tun und was ich zu lassen habe ist immer noch mir überlassen! HINSETZEN!“
Tom ergriff das Wort: „ Wir bleiben solange stehen, bis sie ihre Strafarbeit zurückgenommen haben!“
„ Das werde ich niemals tun!“ , jetzt schrie Herr Trapp schon fast.
„ Tja, dann werden wir eben stehen bleiben!“ sagte ich, sicherer geworden durch Toms Unterstützung.
„ Ich werde noch Mittel finden.. ich treibe euch diese Flausen schon noch aus,... ich.. na wartet!“ damit stürmte er aus dem Klassenzimmer.
Die ganze Klasse atmete erleichtert auf und klatschte begeistert, den jedem tat der Neue leid, doch gegen Herrn Trapp traute sich keiner etwas zu sagen.
Tom und ich schauten uns erleichtert und lächelnd an.
„Danke!“ sagte Giovanni in diesem Moment leise zu mir. Ich umarmte ihn kurz und meinte dann, dass ich nicht daran geglaubt hätte dass es so ausgehen würde.
Auf einmal gongte es auch schon zum Ende der letzten Stunde, Schule aus!
Die ganze Klasse ging fröhlich schwatzend und niemand dachte mehr an unseren Deutschlehrer.
Tom und ich warteten noch im Pausenhof auf Ronja, die dritte in unserer „Bande“, wie sie unsere Mütter bezeichnen zu pflegten.
Da kam sie uns auch schon entgegengerannt.
„Ich hab gehört dass ihr beide es geschafft habt dass Herr Trapp heulend aus dem Klassenzimmer gerannt ist?“
Wir mussten lachen.
„Naja, fast hätte er geheult!“
Wir setzten und hin und erzählten ihr die Geschichte.
„ Hey Tom, das hätte ich nicht von dir gedacht!“ meinte Ronja erstaunt.
„ Ich auch nicht!“ fügte ich hinzu.
„ Ich glaub am wenigstens zugetraut hab ich mir das selber, aber als ich Christina so kurz vor den Verweis stehen sah, musste ich doch etwas tun!“ Tom zuckte mit den Schultern.
Ich sah dass ihm leichte Röte ins Gesicht stieg, umarmte ihn kurz und flüsterte „ Danke!“
Er wurde noch röter und wendete sich ab.
„ Ich muss. Meine Mum macht sich bestimmt schon Sorgen“ murmelte er, stand auf, nahm seine Büchertasche und ging.
„ Was hat er denn? „ fragte Ronja mich.
„ Keine Ahnung, ich geh ihm mal nach. Ciao wir sehn uns dann bei ICQ heut Nachmittag?“ fragte ich.
„ Jo, bis dene.“
Ich lief durchs Tor hinaus und sah Tom an der Ampel stehen.
„ Hey Tom, warte doch!“ rief ich ihm zu.
Er drehte sich um und lächelte mich an.
„ Gehen wir zusammen nach Hause?“ fragte ich.
„ Gerne!“
Wir wohnten in der gleichen Straße, daher gingen wir öfters zusammen nach Hause.
„ Warum hast du Giovanni unterstützt?“
„ Weiß nicht, er tat mir leid.“
„ Willst du eigentlich immer noch was von dem?“ Wir hatten in unserer „Bande“ keine Geheimnisse voreinander, und so wusste er dass ich in Giovanni war.
Ich zuckte mit den Schultern.
Wir schwatzten noch ein bisschen, da waren wir auch schon bei meiner Haustüre angelangt.
„ Gehst du heut noch an Computer?“
„ Ja, wir können dann ja noch ein wenig chatten... “
„ Tschüss“
„ Ciao“
Ich schloss die Haustüre auf, schaute in den Briefkasten –nur Werbung- und ging in unsre Wohnung.
Gleich in mein Zimmer, Computer an, Mozilla gestartet, Mails gecheckt, nichts brauchbares.
Ich schaute nach was wir auf hatten. Nur Latein, das schreib ich dann morgen schnell von Tom ab, dachte ich mir.
„ Ah-oh!“, machte es.
„ Oh, Tom is schon on!
Tom:
„ Hi! Hast du heut schon was vor?“
Ich:
„ Nö, wenn du mich morgen Latein abschreiben lässt..“
Tom:
„ Lass ich dich, wie immer. Hättest du Lust mit mir Eis essen zu gehen?“
Ich:
„ Zu „Tony“ oder wohin? Wenn wir zu Tony gehen, dann mit Inlinern, OK?“
Tom:
„ Ja, gerne zu Tony. Da gibt’s immer noch das beste Eis. Inlinern is auch OK.“
Ich:
„ Gut, dann ist das abgemacht. Wann treffen wir uns wo?“
Tom:
„ Sagen wir in einer halben Stunde am Lottototto? Ich muss vorher nämlich noch kurz zur Bank.“
Ich:
„ OK bis dann.“
Ich ging off und Tom haute es – dummes ICQ – natürlich auch raus.
„ Mensch ich bin ja schon ewig nicht mehr Inliner gefahren. Hoffentlich kann ich’s noch einigermaßen.“ dachte ich während der Inlinersuche.
Ah, da waren sie ja.
Ich legte sie in den Flur und ging ins Bad, um mich fertig zu machen.
„ Wäh meine Haare, furchtbar. Und diese Zähne! Und diese...., ähm, was denk ich da? Ich mach mir um mein Aussehen Sorgen, wenn ich mich mit TOM treffe? Seit wann den das? Komisch...“
Ich machte mir aber keine weiteren Gedanken, ging in mein Zimmer und packte meinen Rucksack, der immer mit musste.
„Hmmm, Geldbeutel, Handy, Milky-way (wozu bitte das, aber egal), CD-Player, CD`s Ohrstecker, ....“
Es kam noch einiges dazu, wie meine Digitalcamera die ich endlich wiedergefunden hatte.
Oh, ich musste los.
Vor der Haustüre schnell die Inliner angezogen und aufgestanden.
Wahhh! War das schon immer so schlimm? Was für ein ungewohntes Gefühl, ich war eindeutig schon zu lange nicht mehr Inliner gefahren. Aber bei dem schönen Wetter fiel einem nichts besseres ein..
Ich fuhr – oder besser gesagt eierte – ein Stück und wurde mit der Zeit sicherer.
Ich bog um ein Eck und sah schon Tom vor den Lottototto auf mich warten.
Als er mich sah, lächelte er und fuhr mir entgegen.
Wow kann der Kleine das gut!
„ Hey!“
„ Hi“
„ Du, ich muss mich mal hinsetzten, meine Inliner drücken so furchtbar.“
Ich setzte mich auf eine Bank und Tom setzte sich neben mich.
„ Ah verdammt ich muss die weiter stellen. Kannst du mir helfen die gehen so schwer..“
„ Geb mal her!“
Er stellte sie mir passend, ich zog sie an, stellte mich hin – und konnte es wieder!
„ Auf zu Tony!“ sagte ich in einem Ton, der sehr seltsam klang und wir mussten beide lachen.
„ OK, Ladys first!“ erwiderte Tom in demselben Ton und wir mussten schon wieder lachen.
Am Anfang war die Strecke zur Eisdiele für mich noch recht einfach zu bewältigen, doch dann kam eine Strecke mit Kopfsteinpflaster vor der ich schon von weitem Bammel hatte.
Tom bemerkte das und lächelte mir aufmuntern zu.
Ich fasste neuen Mut und bewältigte die Strecke ohne größere Schwierigkeiten.
„ Super!“
Da sahen wir auch schon den Eisbären der vor Tony stand.
Tom fuhr vor und alberte mit diesem herum, umarmte ihn, schüttelte ihm die Hand und was weiß ich noch alles.
Ich musste schon wieder lachen und holte meine Kamera raus um ein paar Bilder zu machen.
Das auf den meisten der Eisbär kaum zu sehen war und ich hauptsächlich nur Toms alberne Grimassen fotografierte, fiel mir erst hinterher auf.
Wir setzten uns an einem Tisch und schauten uns die Eiskarte an.
„ Hmmm, wie währe es mit dem Becher „Tiamo?““ Schlug ich vor.
Wir mussten kichern.
„ Gute Idee eigentlich..“ lachte Tom..
Wir redeten noch einigen Unsinn, als plötzlich eine Stimme ertönte:
„ Bitte schön, einmal „ Tiamo“ für das junge Paar!“ meinte der Kellner während ein wunderschöner Eisbecher auf unserem Tisch landete.
„Hm, wir hatten ihn zwar nicht bestellt aber wir nehmen ihn!“ kicherte ich.
„ Na dann geht der aufs Haus!“
„ Danke!“
„ Ich hoffe es gibt wenigstens zwei Löffel“ meinte Tom.
„ Was währe wenn nicht?“
„ Hmmm, das währe dann auch egal.“
Aber es gab - zum Glück? - zwei Löffel.
Wir aßen schweigend und genossen die Sonne.
Als wir fertig waren fragte Tom: „ Du, ich kenne da ne total schöne Stelle am Bach, wollen wir hinfahren?“
„ Wenn da nicht zu viel Kopfsteinpflaster ist, ich habe ärztlich anerkannte Kopfsteinpflasterphobie.“
„ Nicht dass ich wüsste, und wenn mal Kopfsteinpflaster kommt dann trag ich dich meinetwegen..“
Wir mussten wieder lachen.
Komisch, dachte ich mir, so viel gelacht hab ich schon lange nicht mehr...
Wir fuhren also zum Bach und wirklich, kein Kopfsteinpflaster.
Obwohl ich während der Strecke immer wieder gehofft hatte auf welches zu stoßen....
„ Du, ab jetzt müssen wir barfuss laufen.“ Sagte Tom als wir an einen Schotterweg ankamen.
Wir zogen also unsere Inliner aus und legten sie in unsere Rucksäcke, was mich wunderte, bei all dem Schmarn der in meinem schon drin war.
Es machte Spaß barfuss durch das Gras zu laufen.
Wirklich eine wundervolle Stelle, an die mich Tom da geführt hatte.
Eine kleine Lichtung durch die ein kleiner Bach führte, umgeben von Wald, man hörte das Wasser plätschern, Grillen zirpten, Vöglein sangen .... hör auf so poetisch zu denken mahnte ich mich innerlich und musste lächeln.
„ Was ist?“
„ Nichts, es is nur so wunderschön hier.“
Wir setzten uns nebeneinander ans Bachufer und Tom lies Steine über das Wasser hüpfen.
Nach einer Weile holte ich mir meinen Rucksack als Kopfkissen und legte meinen Kopf darauf.
„ Is das nicht etwas unbequem so auf den Inlinern zu liegen?“
„ Schon, aber wo soll ich mich denn sonst hinlegen?“
„ Ich wüsste da was..“
„ Wenn du meinst..“ sagte ich und legte meinen Kopf auf seinen Schoss.
Ich schloss die Augen, die Gedanken überschlugen sich in meinem Kopf, doch ich befahl mir mal kurz das Denken auszuschalten und einfach zu genießen.
Ein leichter, kühler Wind kam auf und wehte mir das Haar ins Gesicht.
„ He ich will dich doch sehen!“ flüsterte Tom während er mir zärtlich die Haare aus dem Gesicht strich.
„ Na meinetwegen...“
Wir mussten grinsen und ich sah in seine wunderbaren, braune Augen.
„ Willst du jetzt eigentlich immer noch was von Giovanni?“
Ich hätte in jedem anderen Moment wahrscheinlich ja gesagt, aber nachdem was ich heute mit Tom erlebt hatte, hatte ich ein ganz anderes Bild von meinem besten Kumpel bekommen, und so kam mir Giovanni unwichtig und dumm vor.
Also schüttelte ich den Kopf. Tom kam immer näher zu mir herunter, flüsterte mir ins Ohr :
„ Kluge Entscheidung!“ und dann... nein ihr denkt schon zuweit! .
Jetzt kommt nicht, „ Und plötzlich spürte ich seine wunderbar weichen Lippen auf meinen..“
So eine Schnulze passiert mir nicht.
Zurück zur Geschichte:
Und dann gab er mir einen „Bussi“ auf die Wange.
Ich lächelte und wollte mich gerade zu ihm umdrehen, um, nunja, ihr wisst schon, die Geschichte zur Schnulze umzuwandeln, als er auf einmal stotterte: „ Sorry, ich will unsere Freundschaft nicht zerstören.. tut mir leid.. vergiss das eben...“
Ich sah ihn erstaunt-fragend an, doch er drehte sich weg und ging..
Ich blieb ein paar Minuten geschockt sitzen.
Doch dann rief ich ihm sauer zu:: „ Ach, macht sich deine Mutter wohl wieder Sorgen?“
Aber er konnte mich nicht mehr hören, da er schon seine Inliner angezogen und davongefahren war.
Nun stand auch ich auf, holte eine Inliner aus meinem Rucksack, ging über den Schotterweg bis zur Straße und zog sie dort an.
„ Können Jungs nicht einmal beende was sie angefangen haben??“ dachte ich wütend, während ich nach Hause fuhr.
Mein Zorn und meine Enttäuschung waren so groß, dass ich selbst das Kopfsteinpflaster ignorierte und einfach so nach Hause raste.
soweit bin ich im moment... ab hier dürft ihr schreiben.[size=small]
[Editiert durch gegenfrage ein Sonntag, August 8, 2004 @ ][/size]
„ Nein!“ erwiderte ich entschlossen und blieb stehen.
„ Gut, dann fühle ich mich gezwungen dir einen Verweis erteilen zu müsse!“
„ Weil sie einen Mitschüler verteidigt hat oder was?“, mischte sich Tom, der ebenfalls aufgesprungen war, ein.
„ Wow, der Kleine traut sich was! Hätte ich ihm gar nicht zugetraut.“, dachte ich mir.
„ Du... sie.. ihr... ich... “ Herr Trapp stotterte zunehmend nervöser, die ganze Klasse folgte dem Geschehen gespannt.
Unser Deutschlehrer wurde von allen Schülern gehasst. Er mochte keine Ausländer und machte besonders dem Neuen, Giovanni, dem Italiener der erst seit 3 Jahren in Deutschland war, schwer zu schaffen. Eigentlich konnte dieser recht ordentlich Deutsch, aber er hatte panische Angst vor Herrn Trapp und brachte während der Deutschstunden keinen einzigen halbwegs vernünftigen Satz heraus.
„ TOM! CHRISTINA! HINSETZEN!“ schrie uns der Lehrer an, der endlich die Sprache wieder gefunden hatte.
„ Nein.“ Kam es wie aus einem Mund von uns beiden.
Dadurch dass Tom auch aufgestanden war wurde ich selbstbewusster.
„ Sie können ihm keine Strafarbeit aufbrummen, nur weil er Ausländer ist!“ empörte ich mich.
„ Was ich zu tun und was ich zu lassen habe ist immer noch mir überlassen! HINSETZEN!“
Tom ergriff das Wort: „ Wir bleiben solange stehen, bis sie ihre Strafarbeit zurückgenommen haben!“
„ Das werde ich niemals tun!“ , jetzt schrie Herr Trapp schon fast.
„ Tja, dann werden wir eben stehen bleiben!“ sagte ich, sicherer geworden durch Toms Unterstützung.
„ Ich werde noch Mittel finden.. ich treibe euch diese Flausen schon noch aus,... ich.. na wartet!“ damit stürmte er aus dem Klassenzimmer.
Die ganze Klasse atmete erleichtert auf und klatschte begeistert, den jedem tat der Neue leid, doch gegen Herrn Trapp traute sich keiner etwas zu sagen.
Tom und ich schauten uns erleichtert und lächelnd an.
„Danke!“ sagte Giovanni in diesem Moment leise zu mir. Ich umarmte ihn kurz und meinte dann, dass ich nicht daran geglaubt hätte dass es so ausgehen würde.
Auf einmal gongte es auch schon zum Ende der letzten Stunde, Schule aus!
Die ganze Klasse ging fröhlich schwatzend und niemand dachte mehr an unseren Deutschlehrer.
Tom und ich warteten noch im Pausenhof auf Ronja, die dritte in unserer „Bande“, wie sie unsere Mütter bezeichnen zu pflegten.
Da kam sie uns auch schon entgegengerannt.
„Ich hab gehört dass ihr beide es geschafft habt dass Herr Trapp heulend aus dem Klassenzimmer gerannt ist?“
Wir mussten lachen.
„Naja, fast hätte er geheult!“
Wir setzten und hin und erzählten ihr die Geschichte.
„ Hey Tom, das hätte ich nicht von dir gedacht!“ meinte Ronja erstaunt.
„ Ich auch nicht!“ fügte ich hinzu.
„ Ich glaub am wenigstens zugetraut hab ich mir das selber, aber als ich Christina so kurz vor den Verweis stehen sah, musste ich doch etwas tun!“ Tom zuckte mit den Schultern.
Ich sah dass ihm leichte Röte ins Gesicht stieg, umarmte ihn kurz und flüsterte „ Danke!“
Er wurde noch röter und wendete sich ab.
„ Ich muss. Meine Mum macht sich bestimmt schon Sorgen“ murmelte er, stand auf, nahm seine Büchertasche und ging.
„ Was hat er denn? „ fragte Ronja mich.
„ Keine Ahnung, ich geh ihm mal nach. Ciao wir sehn uns dann bei ICQ heut Nachmittag?“ fragte ich.
„ Jo, bis dene.“
Ich lief durchs Tor hinaus und sah Tom an der Ampel stehen.
„ Hey Tom, warte doch!“ rief ich ihm zu.
Er drehte sich um und lächelte mich an.
„ Gehen wir zusammen nach Hause?“ fragte ich.
„ Gerne!“
Wir wohnten in der gleichen Straße, daher gingen wir öfters zusammen nach Hause.
„ Warum hast du Giovanni unterstützt?“
„ Weiß nicht, er tat mir leid.“
„ Willst du eigentlich immer noch was von dem?“ Wir hatten in unserer „Bande“ keine Geheimnisse voreinander, und so wusste er dass ich in Giovanni war.
Ich zuckte mit den Schultern.
Wir schwatzten noch ein bisschen, da waren wir auch schon bei meiner Haustüre angelangt.
„ Gehst du heut noch an Computer?“
„ Ja, wir können dann ja noch ein wenig chatten... “
„ Tschüss“
„ Ciao“
Ich schloss die Haustüre auf, schaute in den Briefkasten –nur Werbung- und ging in unsre Wohnung.
Gleich in mein Zimmer, Computer an, Mozilla gestartet, Mails gecheckt, nichts brauchbares.
Ich schaute nach was wir auf hatten. Nur Latein, das schreib ich dann morgen schnell von Tom ab, dachte ich mir.
„ Ah-oh!“, machte es.
„ Oh, Tom is schon on!
Tom:
„ Hi! Hast du heut schon was vor?“
Ich:
„ Nö, wenn du mich morgen Latein abschreiben lässt..“
Tom:
„ Lass ich dich, wie immer. Hättest du Lust mit mir Eis essen zu gehen?“
Ich:
„ Zu „Tony“ oder wohin? Wenn wir zu Tony gehen, dann mit Inlinern, OK?“
Tom:
„ Ja, gerne zu Tony. Da gibt’s immer noch das beste Eis. Inlinern is auch OK.“
Ich:
„ Gut, dann ist das abgemacht. Wann treffen wir uns wo?“
Tom:
„ Sagen wir in einer halben Stunde am Lottototto? Ich muss vorher nämlich noch kurz zur Bank.“
Ich:
„ OK bis dann.“
Ich ging off und Tom haute es – dummes ICQ – natürlich auch raus.
„ Mensch ich bin ja schon ewig nicht mehr Inliner gefahren. Hoffentlich kann ich’s noch einigermaßen.“ dachte ich während der Inlinersuche.
Ah, da waren sie ja.
Ich legte sie in den Flur und ging ins Bad, um mich fertig zu machen.
„ Wäh meine Haare, furchtbar. Und diese Zähne! Und diese...., ähm, was denk ich da? Ich mach mir um mein Aussehen Sorgen, wenn ich mich mit TOM treffe? Seit wann den das? Komisch...“
Ich machte mir aber keine weiteren Gedanken, ging in mein Zimmer und packte meinen Rucksack, der immer mit musste.
„Hmmm, Geldbeutel, Handy, Milky-way (wozu bitte das, aber egal), CD-Player, CD`s Ohrstecker, ....“
Es kam noch einiges dazu, wie meine Digitalcamera die ich endlich wiedergefunden hatte.
Oh, ich musste los.
Vor der Haustüre schnell die Inliner angezogen und aufgestanden.
Wahhh! War das schon immer so schlimm? Was für ein ungewohntes Gefühl, ich war eindeutig schon zu lange nicht mehr Inliner gefahren. Aber bei dem schönen Wetter fiel einem nichts besseres ein..
Ich fuhr – oder besser gesagt eierte – ein Stück und wurde mit der Zeit sicherer.
Ich bog um ein Eck und sah schon Tom vor den Lottototto auf mich warten.
Als er mich sah, lächelte er und fuhr mir entgegen.
Wow kann der Kleine das gut!
„ Hey!“
„ Hi“
„ Du, ich muss mich mal hinsetzten, meine Inliner drücken so furchtbar.“
Ich setzte mich auf eine Bank und Tom setzte sich neben mich.
„ Ah verdammt ich muss die weiter stellen. Kannst du mir helfen die gehen so schwer..“
„ Geb mal her!“
Er stellte sie mir passend, ich zog sie an, stellte mich hin – und konnte es wieder!
„ Auf zu Tony!“ sagte ich in einem Ton, der sehr seltsam klang und wir mussten beide lachen.
„ OK, Ladys first!“ erwiderte Tom in demselben Ton und wir mussten schon wieder lachen.
Am Anfang war die Strecke zur Eisdiele für mich noch recht einfach zu bewältigen, doch dann kam eine Strecke mit Kopfsteinpflaster vor der ich schon von weitem Bammel hatte.
Tom bemerkte das und lächelte mir aufmuntern zu.
Ich fasste neuen Mut und bewältigte die Strecke ohne größere Schwierigkeiten.
„ Super!“
Da sahen wir auch schon den Eisbären der vor Tony stand.
Tom fuhr vor und alberte mit diesem herum, umarmte ihn, schüttelte ihm die Hand und was weiß ich noch alles.
Ich musste schon wieder lachen und holte meine Kamera raus um ein paar Bilder zu machen.
Das auf den meisten der Eisbär kaum zu sehen war und ich hauptsächlich nur Toms alberne Grimassen fotografierte, fiel mir erst hinterher auf.
Wir setzten uns an einem Tisch und schauten uns die Eiskarte an.
„ Hmmm, wie währe es mit dem Becher „Tiamo?““ Schlug ich vor.
Wir mussten kichern.
„ Gute Idee eigentlich..“ lachte Tom..
Wir redeten noch einigen Unsinn, als plötzlich eine Stimme ertönte:
„ Bitte schön, einmal „ Tiamo“ für das junge Paar!“ meinte der Kellner während ein wunderschöner Eisbecher auf unserem Tisch landete.
„Hm, wir hatten ihn zwar nicht bestellt aber wir nehmen ihn!“ kicherte ich.
„ Na dann geht der aufs Haus!“
„ Danke!“
„ Ich hoffe es gibt wenigstens zwei Löffel“ meinte Tom.
„ Was währe wenn nicht?“
„ Hmmm, das währe dann auch egal.“
Aber es gab - zum Glück? - zwei Löffel.
Wir aßen schweigend und genossen die Sonne.
Als wir fertig waren fragte Tom: „ Du, ich kenne da ne total schöne Stelle am Bach, wollen wir hinfahren?“
„ Wenn da nicht zu viel Kopfsteinpflaster ist, ich habe ärztlich anerkannte Kopfsteinpflasterphobie.“
„ Nicht dass ich wüsste, und wenn mal Kopfsteinpflaster kommt dann trag ich dich meinetwegen..“
Wir mussten wieder lachen.
Komisch, dachte ich mir, so viel gelacht hab ich schon lange nicht mehr...
Wir fuhren also zum Bach und wirklich, kein Kopfsteinpflaster.
Obwohl ich während der Strecke immer wieder gehofft hatte auf welches zu stoßen....
„ Du, ab jetzt müssen wir barfuss laufen.“ Sagte Tom als wir an einen Schotterweg ankamen.
Wir zogen also unsere Inliner aus und legten sie in unsere Rucksäcke, was mich wunderte, bei all dem Schmarn der in meinem schon drin war.
Es machte Spaß barfuss durch das Gras zu laufen.
Wirklich eine wundervolle Stelle, an die mich Tom da geführt hatte.
Eine kleine Lichtung durch die ein kleiner Bach führte, umgeben von Wald, man hörte das Wasser plätschern, Grillen zirpten, Vöglein sangen .... hör auf so poetisch zu denken mahnte ich mich innerlich und musste lächeln.
„ Was ist?“
„ Nichts, es is nur so wunderschön hier.“
Wir setzten uns nebeneinander ans Bachufer und Tom lies Steine über das Wasser hüpfen.
Nach einer Weile holte ich mir meinen Rucksack als Kopfkissen und legte meinen Kopf darauf.
„ Is das nicht etwas unbequem so auf den Inlinern zu liegen?“
„ Schon, aber wo soll ich mich denn sonst hinlegen?“
„ Ich wüsste da was..“
„ Wenn du meinst..“ sagte ich und legte meinen Kopf auf seinen Schoss.
Ich schloss die Augen, die Gedanken überschlugen sich in meinem Kopf, doch ich befahl mir mal kurz das Denken auszuschalten und einfach zu genießen.
Ein leichter, kühler Wind kam auf und wehte mir das Haar ins Gesicht.
„ He ich will dich doch sehen!“ flüsterte Tom während er mir zärtlich die Haare aus dem Gesicht strich.
„ Na meinetwegen...“
Wir mussten grinsen und ich sah in seine wunderbaren, braune Augen.
„ Willst du jetzt eigentlich immer noch was von Giovanni?“
Ich hätte in jedem anderen Moment wahrscheinlich ja gesagt, aber nachdem was ich heute mit Tom erlebt hatte, hatte ich ein ganz anderes Bild von meinem besten Kumpel bekommen, und so kam mir Giovanni unwichtig und dumm vor.
Also schüttelte ich den Kopf. Tom kam immer näher zu mir herunter, flüsterte mir ins Ohr :
„ Kluge Entscheidung!“ und dann... nein ihr denkt schon zuweit! .
Jetzt kommt nicht, „ Und plötzlich spürte ich seine wunderbar weichen Lippen auf meinen..“
So eine Schnulze passiert mir nicht.
Zurück zur Geschichte:
Und dann gab er mir einen „Bussi“ auf die Wange.
Ich lächelte und wollte mich gerade zu ihm umdrehen, um, nunja, ihr wisst schon, die Geschichte zur Schnulze umzuwandeln, als er auf einmal stotterte: „ Sorry, ich will unsere Freundschaft nicht zerstören.. tut mir leid.. vergiss das eben...“
Ich sah ihn erstaunt-fragend an, doch er drehte sich weg und ging..
Ich blieb ein paar Minuten geschockt sitzen.
Doch dann rief ich ihm sauer zu:: „ Ach, macht sich deine Mutter wohl wieder Sorgen?“
Aber er konnte mich nicht mehr hören, da er schon seine Inliner angezogen und davongefahren war.
Nun stand auch ich auf, holte eine Inliner aus meinem Rucksack, ging über den Schotterweg bis zur Straße und zog sie dort an.
„ Können Jungs nicht einmal beende was sie angefangen haben??“ dachte ich wütend, während ich nach Hause fuhr.
Mein Zorn und meine Enttäuschung waren so groß, dass ich selbst das Kopfsteinpflaster ignorierte und einfach so nach Hause raste.
soweit bin ich im moment... ab hier dürft ihr schreiben.[size=small]
[Editiert durch gegenfrage ein Sonntag, August 8, 2004 @ ][/size]