dunklerengel11
28.06.2004, 11:59
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I. Die Anfangstage des Rock'n'Roll
Will man den Ursprung des Heavy Metals erforschen, so muss man zwangsläufig bis zu dem Zeitpunkt zurückblicken, wo die elektrisch betriebenen Musikinstrumente ihren Einzug gehalten haben. Das dürfte so Anfang der Zwanziger Jahre gewesen sein, als der Swing groß in Mode kam. Natürlich hat das mit der heutigen Form des Heavy Metal nichts mehr gemein, allerdings muss man bedenken, dass sich daraus der Rock'n'Roll entwickelt hat, der unumstritten Pate für den Metal stand.
Jener Rock'n'Roll entwickelte sich aus verschiedenen Einflüssen von Swing, Blues und Jazz. Pioniere des R'n'R sind Menschen wie Chuck Berry, Little Richard oder Fats Domino, die allesamt den (nicht nur damaligen) Nachteil hatten, dass sie von dunkler Hautfarbe waren. Zur Begründung lässt sich nur folgendes Mutmaßen: die schwarze Bevölkerung in Amerika wollte sich die Unterdrückung der Weißen nicht mehr gefallen lassen, so wurde der Rock'n'Roll zur Musik der Befreiung und der Rebellion verstanden; nicht zuletzt wegen den - für damalige Verhältnisse - aggressiven Gitarren und Texten.
Mitte der Fünfziger Jahre wurde dann der Rock'n'Roll im weitesten Sinne gesellschaftsfähig. Auch die weiße Bevölkerung nahm Anteil an der lauten und aggressiven Art Musik zu machen. Sicher gab es damals wie heute Menschen, die nichts damit anfangen konnten und den Rock'n'Roll als Teufelswerk und den Untergang der Jugend bezeichneten. Komischerweise wurden in diesen Jahren nicht die Musiker angeprangert, sondern der Musikstil. Das kam einfach dadurch zustande, weil es nun mehr weiße Musiker gab, die ebenfalls den teuflischen Klängen verfallen waren. Bill Haley , Jerry Lee Lewis und nicht zuletzt Elvis Presley prägten eine ganze Generation von amerikanischen Kids.
Ab den Sechzigern ging es dann Schlag auf Schlag. Bands wie THE BEATLES (1962), THE ROLLING STONES (1964) oder THE WHO (1965) brachten ihre Debüt-Alben auf den Markt und präsentierten den Rock'n'Roll nicht nur musikalisch, sondern auch optisch sehr rebellisch. Das waren die Pilzköpfe der BEATLES ebenso wie das zerlegte Schlagzeug eines Keith Moon (THE WHO). Zudem waren diese Bands außergewöhnlich laut, was ab sofort eine Art Leistungsmerkmal wurde. Spätestens Mitte der 60er gab es dann keine musikalischen Konventionen mehr und so wurde JIMI HENDRIX verehrt wie ein Gott, als er mit den Zähnen seine 6-saitige bearbeitete. Andere wieder richteten sich an charismatischen Köpfen wie Jim Morrison (THE DOORS) auf.
II. Die Wurzeln
Es dürfte das Jahr 1969 gewesen sein, als der Hardrock - und somit eigentlich auch der Heavy Metal - erfunden wurde. In diesem Jahr veröffentlichten LED ZEPPELIN ("I"), DEEP PURPLE ("Shades Of Deep Purple"`) und vor allem BLACK SABBATH ("Black Sabbath") ihre Debüt-Alben. Diese waren aggressiver und lauter als alles, was die Menschen zuvor gehört hatten. Und noch etwas hob diese Bands von der Norm ab: die langen Haare. Diese wurden zu einer Art Markenzeichen "unserer" Musik und sind bei dem wahren, traditionsbewussten Metaller immer noch Pflicht. Zurück zur Historie. Auch wenn vor allem die beiden Erstlingswerke von BLACK SABBATH und "In Rock" von DEEP PURPLE die Tür zum Heavy Metal weit aufstießen, so waren die 70er doch eher geprägt vom Hard- und Art-Rock. Da gab es Schockrocker wie ALICE COOPER oder KISS, die mit opulenten, blutigen Shows die Gemüter erregten, die Bombastkönige QUEEN, so unterschiedliche Hardrocker wie die folkloristisch angehauchten THIN LIZZY, die glamourösen AEROSMITH oder die SCORPIONS und eben die Art-Rocker mit Songs fern jedes Mainstream wie RUSH, GENTLE GIANT oder GENESIS, die dem heutigen progressiven Rock und Metal Pate standen.
Parallel dazu entwickelte sich, inspiriert von Bands wie MC5 oder den STOOGES, ab etwa 1977 - wieder mal in England - die Punk-Bewegung, deren wohl wichtigsten Vertreter die SEX PISTOLS waren. Mit politisch engagierten, links orientierten Texten und kurzen, heftigen und simplen Songs sollten sie auch auf den Heavy Metal einen nicht zu unterschätzenden Einfluss haben.
III. Die Geburtsstunde des Heavy Metal ("NWoBHM")
Der Heavy Metal wie wir ihn heute kennen, dürfte seine Geburtsstunde irgendwann im Jahre 1980 gehabt haben. Zwar wurde der Begriff im Zusammenhang mit Songs wie "Born To Be Wild" (STEPPENWOLF) oder Alben wie "Sad Wings Of Destiny" von JUDAS PRIEST schon früher verwendet, doch ändert dies nichts an der Tatsache, dass die "New Wave Of British Heavy Metal" wohl einer maßgeblichen Definition deutlich am nächsten kommt. Die "NWoBHM" entwickelte sich in den späten 70ern parallel zum Punk.Angeführt von Bands wie ANGEL WITCH, SAMSON und IRON MAIDEN spielte man rohen, harten Metal und erschütterte damit - die einen mehr, die anderen etwas weniger - die Musikwelt wie ein Erdbeben der Stärke 7. Begleitet von MOTÖRHEAD ("Ace Of Spades"), AC/DC ("Back In Black") und JUDAS PRIEST ("British Steel") wurde die Welt im Sturm genommen. Das Debüt der eisernen Jungfrauen schaffte es 1980 auf Platz 4 der UK-Charts und wurde auch weltweit ein Riesenerfolg. Ab sofort schossen Heavy Metal Bands wie Pilze aus den Boden. In Deutschland veröffentlichten ACCEPT mit "Restless & Wild" wohl den Klassiker der deutschen Metalgeschichte, in den USA waren es bspw. RIOT mit "Fire Down Under", die sich dem Edelstahl widmeten und von Down Under kamen ROSE TATTOO ("Rock'n'Roll Outlaw") mit ihrer Version des rotzigen Rock daher. Die Szene florierte in einem Maße, welches man sich heute nicht mehr wirklich vorstellen kann. Jede Band klang neu, unverbraucht, frisch. Der Markt war voll mit Klassikern und es wurde ein Rekord nach dem anderen aufgestellt. IRON MAIDEN avancierten mit "The Number Of The Beast" 1982 zu DEM Topact des Heavy Metals, während VENOM mit "Black Metal" einem ganzen Genre den Stempel aufdrückte.
IV. The Golden 80s
Um die Sucht der Maniacs nach neuem Material zu stillen, gründeten sich ab etwa 1983 diverse Fanzines (u.a. die Vorläufer des "Rock Hard" von den Herren Stratmann und Kühnemund) und es baute sich so eine erste kleine Medienlandschaft auf. Doch auch das Tapetrading war in diesen Tagen in seiner Blüte. Heute ist es mittlerweile fast unvorstellbar, dass man Bands schon Jahre vor der ersten offiziellen Veröffentlichung durch diverse Demos und Live-Tapes kennt, so wie es bei Bands wie EXODUS z.B. der Fall war, die schon mehrere Tausend Tapes in Deutschland verscherbelt hatten und im Underground mächtig angesagt waren, bevor "Bonded By Blood" auch nur in die Nähe eines Plattenladens kam. Aber ich schweife ab. Auch in den USA wurde dem Heavy Metal vermehrt Aufmerksamkeit zuteil, welche sich in neuen Kreativitätsschüben entlud. So wurden 1983 mit "Heavy Metal Maniac" von EXCITER, "Kill'em All" von METALLICA und "Show No Mercy" von SLAYER neue Geschwindigkeitsrekorde erreicht. Der Speed-Metal war geboren.
Während EXCITER ihrem Stil treu blieben, gründete sich mit METALLICA an der Spitze der sog. BayArea-Thrash, der Mitte der 80er Bands wie EXODUS, TESTAMENT, FORBIDDEN, DEATH ANGEL oder HEATHEN hervorbrachte, die allesamt mit Killer-Alben über den Teich schipperten. Bahnbrechend war hier natürlich "Reign In Blood". Was die Totschläger in nur 29 Minuten runterholzten, war das schnellste, härteste, brutalste, was es bis dato gegeben hatte. Doch auch der Power Metal hatte seine Blüte erreicht und war innovativ wie selten. METAL CHURCH, CULPRIT, HEIR APPARENT, die progressiven QUEENSRYCHE und später SANCTUARY etablierten Seattle im positiven Sinne auf der Landkarte des Metal, während die Ostküste in OVERKILL und ANTHRAX ihre zugkräftigsten Pferde hatte. Überhaupt konnte man den Bands quasi anhören, woher sie kamen, ohne dass sie irgendwie ähnlich klangen. Dies ist z.B. deutlich an den Texanern HELSTAR und WATCHTOWER zu erkennen, die Mitte der 80er mit sehr technischem und hocheigenständigen Metal faszinierten. Weiter im Südosten - sprich Florida - waren es dann Acts wie SAVATAGE oder CRIMSON GLORY, welche die volle Aufmerksamkeit der Hörerschaft aus Europa bekamen. Doch auch in Deutschland war der Boom groß und es drängten mehr und mehr Bands auf den Markt. Angeführt von ACCEPT und HELLOWEEN hatte sich der echte 'Teutonen-Stahl' mit Bands wie GRAVE DIGGER oder STEELER schnell etabliert. Doch auch der Thrash gebar Söhne in Deutschland, die auf immer noch klangvolle Namen wie KREATOR, SODOM oder DESTRUCTION hören.
V. Death Is Just The Beginning
1985 legten POSSESSED mit "Seven Churches" den Grundstein zu dem, was 1987 Chuck Schuldiner und DEATH mit "Scream Bloody Gore" auslösen sollten. Der Grunzgesang war geboren und schnell wurde Florida zur Zentrale des Death Metal. Egal, ob OBITUARY oder MORBID ANGEL, die Gewalt der Musik war fast beängstigend und die Fans waren fasziniert. Wie eine Heuschreckenplage befielen die Grunzer die Szene. In jeglicher Schattierung von einfach und brutal (BOLT THROWER) über Hochgeschwindigkeitsgeknüppel der Marke NAPALM DEATH bis hin zu technisch bis jazzig angehauchten Vertretern (ATHEIST, CYNIC, NILE) gab es alles, was das Metallerherz erfreute und auch heute noch erfreut. Auch Europa wurde von DM-Welle schnell erfasst und so waren es Bands wie DISMEMBER oder ENTOMBED, die vornehmlich von Schweden aus rübergrunzten. Und obwohl die Hochzeit Anfang der 90er mit Bands wie EDGE OF SANITY, PESTILENCE usw. usf. mittlerweile verebbt ist, haben eine Menge Combos die Zeit überlebt und sind auch heute noch erfolgreich und viel beachtet unterwegs bzw. haben sich von belächelten zu hochangesehen Acts entwickelt (z.B. CANNIBAL CORPSE, KRISIUN etc.).
VI. Crossover is the real thing
Der Begriff Crossover ist wahrscheinlich, der am schwierigsten zu definierende im Genre der harten Musik. Am Anfang standen S.O.D. mit "Speak English Or Die", die bereits 1985 Metal mit Hardcore kreuzten und damit die Szene völlig überrumpelten und die Berührungsängste zwischen den beiden Gruppierungen deutlich minderten. Nicht viel später, waren es Bands wie D.R.I, die neben dem Hardcore auch dem Punk Tribut zollten und hier Grenzen niederrissen. ANTHRAX fanden bei Songs wie "I'm The Man" oder "Bring The Noise" sogar gefallen am Hip-Hop und lebten ihre Vorlieben - bei "Bring The Noise" gar mit Unterstützung von Chuck D. (PUBLIC ENEMY) - hemmungslos aus. Den Begriff Crossover aber etablierten FAITH NO MORE mit ihrem Album "The Real Thing" aus dem Jahre 1989 endgültig. Seit dem steckt man in diese Schublade gerne nicht kategorisierbare Bands unterschiedlichster Couleur, die allesamt Meilensteine der Rockmusik veröffentlichten. Egal, ob dies RAGE AGAINST THE MACHINE, PRIMUS, die RED HOT CHILI PEPPERS oder JANE'S ADDICTION waren. Crossover steht für eine Grenzenlosigkeit, die ein unglaubliches, kreatives Potential zu Tage förderte.
VII. Nevermind
Zeitgleich mit FAITH NO MORE erschienen Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre Bands aus Seattle auf der Bildfläche, die auf die Namen SOUNDGARDEN oder ALICE IN CHAINS hörten und mit ihren Alben "Badmotorfinger" und "Facelift" dem Grunge seinen ersten Schub verpassten. Spätestens mit NIRVANA's "Nevermind" und dem Smasher "Smells Like Teen Spirit" im Jahre 1991 wurde Grunge zu einem generationsprägenden Stil. Fettige Haare, Schlabberlook und Karohemden waren das modische und Alben wie "Ten" von PEARL JAM oder das unbetitelte TEMPLE OF THE DOG-Werk das musikalische Nonplusultra und machten Seattle zum Mekka der Rockmusik. Eine schier unaufhaltsame Flut an Veröffentlichungen ließen in dieser Zeit auch den traditionellen Metal stark leiden, der Anfang der 90er nur noch eine Nebenrolle spielte.
Die Nebenrolle des Metal war zwar unbefriedigend, konnte aber wenigstens durch einige 'Oscars' gekrönt werden. PRIEST's "Painkiller" (1990), das ambitionierte "Streets - A Rock Opera" von SAVATAGE (1991), der Prog-Meilenstein "Images And Words" von DREAM THEATER (1992) oder das technisch, thrashige Meisterwerk "Screams And Whispers" von ANACRUSIS (1993) seien an dieser Stelle genannt.
Doch wie jeder Trend lief sich auch der Grunge, kurz nach dem Freitod von NIRVANA-Kopf Kurt Cobain Mitte der 90er, tot und erlebt erst heute mit musikalisch ähnlich gelagerten Vertretern wie CREED oder NICKELBACK einen Wiederaufschwung.
VII. Ist der Metal tot?
Diese Frage prangte Anfang 1996 auf dem Rock Hard. Zwar flaute der Boom des Grunge, des Crossover und des Death Metal schon langsam wieder ab, aber große Innovationen gab es ebenfalls nicht. Zudem gingen die Absätze aller großen Bands zurück und Chartnotationen wurden immer seltener. Die Szene schien ausgeblutet zu sein. Und das schon seit etwa 1993.
Lediglich der Black Metal konnte sich in dieser Zeit aus dem Underground befreien und wurde durch zwei Arten von Vertretern dieser Musik populär. Da waren zum einen die Fanatiker des 'Inner Circle', die nicht nur durch Musik, sondern vor allem durch abgefackelte Kirchen und leider auch abgestochene Menschen in die Schlagzeilen gerieten. Zum anderen gab es da aber auch innovative Vertreter wie die Schweizer SAMAEL oder EMPEROR, die diesen Stil zu neuen Ufern trieben.
Mit Bands wie DIMMU BORGIR, IMMORTAL und CRADLE OF FILTH wurde der Black Metal spätestens Ende der 90er dann gar absolut massenkompatibel und tauchten diese Combos gar in höheren Chartgefilden auf.
Über die Frage, was denn nun der 'echte' Black Metal ist, sollen sich andere streiten.
VIII. The Hammer Will Fall
Der am Boden liegende Heavy Metal in seiner Ursprungsform aber lässt sich ja nicht unterkriegen und so war es das Debüt von HAMMERFALL "Glory To The Brave" im Jahr 1997, welche das Interesse an den Heavy Metal wieder aufblühen ließ. Bands wie ICED EARTH, STRATOVARIUS oder GAMMA RAY konnten ihre Verkaufszahlen deutlich steigern und füllen mittlerweile stellenweise gar 2.000er Hallen. Chartnotationen in den Top20 werden zur Regel und BLIND GUARDIAN schafften es mit den letzten beiden Alben gar in die Top10 der deutschen Charts und können auch weltweit Erfolge aufweisen, wie sie seit den SCORPIONS wohl keine harte, deutsche Band mehr hatte. Dabei war und ist die Musik nicht einmal besonders innovativ, dafür aber frisch und unverbraucht und so genau das, was der Fan sich offenbar gewünscht hatte. Im Zuge dessen kam es zu unzähligen Re-Unionen, die meist ziemlich elendig verliefen, zumal die Bands häufig schon in den 80ern nur Untergrundstatus inne hatten, und zur totalen Marktüberschwemmung, die Hunderte von HELLOWEEN-Kopien nach sich zog. Doch auch dieser Trend läuft sich wieder tot und schon bald dürfte sich auch hier die Spreu vom Weizen trennen.
IX. German Rocks!
1994 erschien mit "Eisenkopf" von den SCHWEISSERN eines der ersten, ernstzunehmenden, deutschsprachigen Metalalben. Doch so richtig populär wurde die deutsche Sprache erst mit dem RAMMSTEIN-Debüt "Herzeleid", das sich ab Ende 1995 eine ewige Zeit lang in den deutschen Verkaufscharts hielt und die sich 1997 mit dem Single-Hit "Engel" zum etablierten Act mauserten. Dabei waren und sind RAMMSTEIN aufgrund ihrer Symbolik und den derben Texten eigentlich alles andere als massenkompatibel. Im Zuge des größeren oder kleineren Erfolges dieser beiden Bands, wurde auch die deutsche Sprache in der Musik zum häufig und gern benutzten Stilmittel. Bands wie RICHTHOFEN, WEISSGLUT oder MEGAHERZ strömten auf den Markt, um mit mehr oder weniger starken Alben auf sich aufmerksam zu machen. Während sich die SCHWEISSER nach einem missglückten Pop-Album auflösten, sind von den Bands der 'Neuen Deutschen Härte' nur noch RAMMSTEIN wirklich erfolgreich. Dies allerdings weltweit.
X. Is This Nu?
NuMetal (oder New Metal) nennt sich der derzeitige Trend in der Rockmusik, der vor allem die Charts und Clubs in seinen Fittichen hat. Dabei sind Vorreiter wie KORN bereits Mitte der 90er mit Adidas-Outfit und tiefer gestimmten Gitarren aufgekreuzt. Neu waren hier neben dem Gitarrensound vor allem das im Vordergrund stehende Psycho-Image, welches von KORN-Fronter Jonathan Davis in Perfektion vorgelebt wurde. Auch dieser Stil hat neben genannten psychotischen Vertretern, eine Art Mainstream-Fraktion, die derzeit von LINKIN PARK und den Saubermännern von P.O.D. angeführt wird. Erfolgreich sind aber auch innovative, politische Bands wie SYSTEM OF A DOWN oder skandalumwitterte Combos wie LIMP BIZKIT, die ihre Fans gerne mal verarschen. Ob sich diese Richtung den Stempel "New" verdient hat, lassen wir jetzt mal dahingestellt.
XI. Right Now!
Wie steht es um die harte Rockmusik heute?
Nun, sieht man sich die harte Musiklandschaft an, so fällt auf, dass es eine stilistische Ausgeglichenheit gibt, die alle Extreme von flauschig bis brutal bzw. von frickelig bis straight befriedigen dürfte. Innovative, im Wortsinne progressive Bands wie TOOL, OPETH oder PAIN OF SALVATION sind ebenso vertreten wie traditioneller Metal von MANOWAR, BLIND GUARDIAN, ICED EARTH u.ä. Und auch extreme Spielarten wie der Death- und Black Metal sind mit Bands wie SIX FEET UNDER, MORTICIAN, ARCTURUS oder DIMMU BORGIR vertreten. In den Charts finden sich in höchsten Platzierungen gerade vor allem alternativer Rock wie NICKELBACK oder CREED und der sog. Nu Metal mit KORN, SYSTEM OF A DOWN oder LIMP BIZKIT wieder.
Letztlich scheint es wie ein Kreislauf zu sein, wo alles wiederkehrt, vergeht, wiederkehrt usw. Aber eines ist klar: Aussterben wird der Heavy Metal in jeglicher Form wohl nie.[/color]
I. Die Anfangstage des Rock'n'Roll
Will man den Ursprung des Heavy Metals erforschen, so muss man zwangsläufig bis zu dem Zeitpunkt zurückblicken, wo die elektrisch betriebenen Musikinstrumente ihren Einzug gehalten haben. Das dürfte so Anfang der Zwanziger Jahre gewesen sein, als der Swing groß in Mode kam. Natürlich hat das mit der heutigen Form des Heavy Metal nichts mehr gemein, allerdings muss man bedenken, dass sich daraus der Rock'n'Roll entwickelt hat, der unumstritten Pate für den Metal stand.
Jener Rock'n'Roll entwickelte sich aus verschiedenen Einflüssen von Swing, Blues und Jazz. Pioniere des R'n'R sind Menschen wie Chuck Berry, Little Richard oder Fats Domino, die allesamt den (nicht nur damaligen) Nachteil hatten, dass sie von dunkler Hautfarbe waren. Zur Begründung lässt sich nur folgendes Mutmaßen: die schwarze Bevölkerung in Amerika wollte sich die Unterdrückung der Weißen nicht mehr gefallen lassen, so wurde der Rock'n'Roll zur Musik der Befreiung und der Rebellion verstanden; nicht zuletzt wegen den - für damalige Verhältnisse - aggressiven Gitarren und Texten.
Mitte der Fünfziger Jahre wurde dann der Rock'n'Roll im weitesten Sinne gesellschaftsfähig. Auch die weiße Bevölkerung nahm Anteil an der lauten und aggressiven Art Musik zu machen. Sicher gab es damals wie heute Menschen, die nichts damit anfangen konnten und den Rock'n'Roll als Teufelswerk und den Untergang der Jugend bezeichneten. Komischerweise wurden in diesen Jahren nicht die Musiker angeprangert, sondern der Musikstil. Das kam einfach dadurch zustande, weil es nun mehr weiße Musiker gab, die ebenfalls den teuflischen Klängen verfallen waren. Bill Haley , Jerry Lee Lewis und nicht zuletzt Elvis Presley prägten eine ganze Generation von amerikanischen Kids.
Ab den Sechzigern ging es dann Schlag auf Schlag. Bands wie THE BEATLES (1962), THE ROLLING STONES (1964) oder THE WHO (1965) brachten ihre Debüt-Alben auf den Markt und präsentierten den Rock'n'Roll nicht nur musikalisch, sondern auch optisch sehr rebellisch. Das waren die Pilzköpfe der BEATLES ebenso wie das zerlegte Schlagzeug eines Keith Moon (THE WHO). Zudem waren diese Bands außergewöhnlich laut, was ab sofort eine Art Leistungsmerkmal wurde. Spätestens Mitte der 60er gab es dann keine musikalischen Konventionen mehr und so wurde JIMI HENDRIX verehrt wie ein Gott, als er mit den Zähnen seine 6-saitige bearbeitete. Andere wieder richteten sich an charismatischen Köpfen wie Jim Morrison (THE DOORS) auf.
II. Die Wurzeln
Es dürfte das Jahr 1969 gewesen sein, als der Hardrock - und somit eigentlich auch der Heavy Metal - erfunden wurde. In diesem Jahr veröffentlichten LED ZEPPELIN ("I"), DEEP PURPLE ("Shades Of Deep Purple"`) und vor allem BLACK SABBATH ("Black Sabbath") ihre Debüt-Alben. Diese waren aggressiver und lauter als alles, was die Menschen zuvor gehört hatten. Und noch etwas hob diese Bands von der Norm ab: die langen Haare. Diese wurden zu einer Art Markenzeichen "unserer" Musik und sind bei dem wahren, traditionsbewussten Metaller immer noch Pflicht. Zurück zur Historie. Auch wenn vor allem die beiden Erstlingswerke von BLACK SABBATH und "In Rock" von DEEP PURPLE die Tür zum Heavy Metal weit aufstießen, so waren die 70er doch eher geprägt vom Hard- und Art-Rock. Da gab es Schockrocker wie ALICE COOPER oder KISS, die mit opulenten, blutigen Shows die Gemüter erregten, die Bombastkönige QUEEN, so unterschiedliche Hardrocker wie die folkloristisch angehauchten THIN LIZZY, die glamourösen AEROSMITH oder die SCORPIONS und eben die Art-Rocker mit Songs fern jedes Mainstream wie RUSH, GENTLE GIANT oder GENESIS, die dem heutigen progressiven Rock und Metal Pate standen.
Parallel dazu entwickelte sich, inspiriert von Bands wie MC5 oder den STOOGES, ab etwa 1977 - wieder mal in England - die Punk-Bewegung, deren wohl wichtigsten Vertreter die SEX PISTOLS waren. Mit politisch engagierten, links orientierten Texten und kurzen, heftigen und simplen Songs sollten sie auch auf den Heavy Metal einen nicht zu unterschätzenden Einfluss haben.
III. Die Geburtsstunde des Heavy Metal ("NWoBHM")
Der Heavy Metal wie wir ihn heute kennen, dürfte seine Geburtsstunde irgendwann im Jahre 1980 gehabt haben. Zwar wurde der Begriff im Zusammenhang mit Songs wie "Born To Be Wild" (STEPPENWOLF) oder Alben wie "Sad Wings Of Destiny" von JUDAS PRIEST schon früher verwendet, doch ändert dies nichts an der Tatsache, dass die "New Wave Of British Heavy Metal" wohl einer maßgeblichen Definition deutlich am nächsten kommt. Die "NWoBHM" entwickelte sich in den späten 70ern parallel zum Punk.Angeführt von Bands wie ANGEL WITCH, SAMSON und IRON MAIDEN spielte man rohen, harten Metal und erschütterte damit - die einen mehr, die anderen etwas weniger - die Musikwelt wie ein Erdbeben der Stärke 7. Begleitet von MOTÖRHEAD ("Ace Of Spades"), AC/DC ("Back In Black") und JUDAS PRIEST ("British Steel") wurde die Welt im Sturm genommen. Das Debüt der eisernen Jungfrauen schaffte es 1980 auf Platz 4 der UK-Charts und wurde auch weltweit ein Riesenerfolg. Ab sofort schossen Heavy Metal Bands wie Pilze aus den Boden. In Deutschland veröffentlichten ACCEPT mit "Restless & Wild" wohl den Klassiker der deutschen Metalgeschichte, in den USA waren es bspw. RIOT mit "Fire Down Under", die sich dem Edelstahl widmeten und von Down Under kamen ROSE TATTOO ("Rock'n'Roll Outlaw") mit ihrer Version des rotzigen Rock daher. Die Szene florierte in einem Maße, welches man sich heute nicht mehr wirklich vorstellen kann. Jede Band klang neu, unverbraucht, frisch. Der Markt war voll mit Klassikern und es wurde ein Rekord nach dem anderen aufgestellt. IRON MAIDEN avancierten mit "The Number Of The Beast" 1982 zu DEM Topact des Heavy Metals, während VENOM mit "Black Metal" einem ganzen Genre den Stempel aufdrückte.
IV. The Golden 80s
Um die Sucht der Maniacs nach neuem Material zu stillen, gründeten sich ab etwa 1983 diverse Fanzines (u.a. die Vorläufer des "Rock Hard" von den Herren Stratmann und Kühnemund) und es baute sich so eine erste kleine Medienlandschaft auf. Doch auch das Tapetrading war in diesen Tagen in seiner Blüte. Heute ist es mittlerweile fast unvorstellbar, dass man Bands schon Jahre vor der ersten offiziellen Veröffentlichung durch diverse Demos und Live-Tapes kennt, so wie es bei Bands wie EXODUS z.B. der Fall war, die schon mehrere Tausend Tapes in Deutschland verscherbelt hatten und im Underground mächtig angesagt waren, bevor "Bonded By Blood" auch nur in die Nähe eines Plattenladens kam. Aber ich schweife ab. Auch in den USA wurde dem Heavy Metal vermehrt Aufmerksamkeit zuteil, welche sich in neuen Kreativitätsschüben entlud. So wurden 1983 mit "Heavy Metal Maniac" von EXCITER, "Kill'em All" von METALLICA und "Show No Mercy" von SLAYER neue Geschwindigkeitsrekorde erreicht. Der Speed-Metal war geboren.
Während EXCITER ihrem Stil treu blieben, gründete sich mit METALLICA an der Spitze der sog. BayArea-Thrash, der Mitte der 80er Bands wie EXODUS, TESTAMENT, FORBIDDEN, DEATH ANGEL oder HEATHEN hervorbrachte, die allesamt mit Killer-Alben über den Teich schipperten. Bahnbrechend war hier natürlich "Reign In Blood". Was die Totschläger in nur 29 Minuten runterholzten, war das schnellste, härteste, brutalste, was es bis dato gegeben hatte. Doch auch der Power Metal hatte seine Blüte erreicht und war innovativ wie selten. METAL CHURCH, CULPRIT, HEIR APPARENT, die progressiven QUEENSRYCHE und später SANCTUARY etablierten Seattle im positiven Sinne auf der Landkarte des Metal, während die Ostküste in OVERKILL und ANTHRAX ihre zugkräftigsten Pferde hatte. Überhaupt konnte man den Bands quasi anhören, woher sie kamen, ohne dass sie irgendwie ähnlich klangen. Dies ist z.B. deutlich an den Texanern HELSTAR und WATCHTOWER zu erkennen, die Mitte der 80er mit sehr technischem und hocheigenständigen Metal faszinierten. Weiter im Südosten - sprich Florida - waren es dann Acts wie SAVATAGE oder CRIMSON GLORY, welche die volle Aufmerksamkeit der Hörerschaft aus Europa bekamen. Doch auch in Deutschland war der Boom groß und es drängten mehr und mehr Bands auf den Markt. Angeführt von ACCEPT und HELLOWEEN hatte sich der echte 'Teutonen-Stahl' mit Bands wie GRAVE DIGGER oder STEELER schnell etabliert. Doch auch der Thrash gebar Söhne in Deutschland, die auf immer noch klangvolle Namen wie KREATOR, SODOM oder DESTRUCTION hören.
V. Death Is Just The Beginning
1985 legten POSSESSED mit "Seven Churches" den Grundstein zu dem, was 1987 Chuck Schuldiner und DEATH mit "Scream Bloody Gore" auslösen sollten. Der Grunzgesang war geboren und schnell wurde Florida zur Zentrale des Death Metal. Egal, ob OBITUARY oder MORBID ANGEL, die Gewalt der Musik war fast beängstigend und die Fans waren fasziniert. Wie eine Heuschreckenplage befielen die Grunzer die Szene. In jeglicher Schattierung von einfach und brutal (BOLT THROWER) über Hochgeschwindigkeitsgeknüppel der Marke NAPALM DEATH bis hin zu technisch bis jazzig angehauchten Vertretern (ATHEIST, CYNIC, NILE) gab es alles, was das Metallerherz erfreute und auch heute noch erfreut. Auch Europa wurde von DM-Welle schnell erfasst und so waren es Bands wie DISMEMBER oder ENTOMBED, die vornehmlich von Schweden aus rübergrunzten. Und obwohl die Hochzeit Anfang der 90er mit Bands wie EDGE OF SANITY, PESTILENCE usw. usf. mittlerweile verebbt ist, haben eine Menge Combos die Zeit überlebt und sind auch heute noch erfolgreich und viel beachtet unterwegs bzw. haben sich von belächelten zu hochangesehen Acts entwickelt (z.B. CANNIBAL CORPSE, KRISIUN etc.).
VI. Crossover is the real thing
Der Begriff Crossover ist wahrscheinlich, der am schwierigsten zu definierende im Genre der harten Musik. Am Anfang standen S.O.D. mit "Speak English Or Die", die bereits 1985 Metal mit Hardcore kreuzten und damit die Szene völlig überrumpelten und die Berührungsängste zwischen den beiden Gruppierungen deutlich minderten. Nicht viel später, waren es Bands wie D.R.I, die neben dem Hardcore auch dem Punk Tribut zollten und hier Grenzen niederrissen. ANTHRAX fanden bei Songs wie "I'm The Man" oder "Bring The Noise" sogar gefallen am Hip-Hop und lebten ihre Vorlieben - bei "Bring The Noise" gar mit Unterstützung von Chuck D. (PUBLIC ENEMY) - hemmungslos aus. Den Begriff Crossover aber etablierten FAITH NO MORE mit ihrem Album "The Real Thing" aus dem Jahre 1989 endgültig. Seit dem steckt man in diese Schublade gerne nicht kategorisierbare Bands unterschiedlichster Couleur, die allesamt Meilensteine der Rockmusik veröffentlichten. Egal, ob dies RAGE AGAINST THE MACHINE, PRIMUS, die RED HOT CHILI PEPPERS oder JANE'S ADDICTION waren. Crossover steht für eine Grenzenlosigkeit, die ein unglaubliches, kreatives Potential zu Tage förderte.
VII. Nevermind
Zeitgleich mit FAITH NO MORE erschienen Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre Bands aus Seattle auf der Bildfläche, die auf die Namen SOUNDGARDEN oder ALICE IN CHAINS hörten und mit ihren Alben "Badmotorfinger" und "Facelift" dem Grunge seinen ersten Schub verpassten. Spätestens mit NIRVANA's "Nevermind" und dem Smasher "Smells Like Teen Spirit" im Jahre 1991 wurde Grunge zu einem generationsprägenden Stil. Fettige Haare, Schlabberlook und Karohemden waren das modische und Alben wie "Ten" von PEARL JAM oder das unbetitelte TEMPLE OF THE DOG-Werk das musikalische Nonplusultra und machten Seattle zum Mekka der Rockmusik. Eine schier unaufhaltsame Flut an Veröffentlichungen ließen in dieser Zeit auch den traditionellen Metal stark leiden, der Anfang der 90er nur noch eine Nebenrolle spielte.
Die Nebenrolle des Metal war zwar unbefriedigend, konnte aber wenigstens durch einige 'Oscars' gekrönt werden. PRIEST's "Painkiller" (1990), das ambitionierte "Streets - A Rock Opera" von SAVATAGE (1991), der Prog-Meilenstein "Images And Words" von DREAM THEATER (1992) oder das technisch, thrashige Meisterwerk "Screams And Whispers" von ANACRUSIS (1993) seien an dieser Stelle genannt.
Doch wie jeder Trend lief sich auch der Grunge, kurz nach dem Freitod von NIRVANA-Kopf Kurt Cobain Mitte der 90er, tot und erlebt erst heute mit musikalisch ähnlich gelagerten Vertretern wie CREED oder NICKELBACK einen Wiederaufschwung.
VII. Ist der Metal tot?
Diese Frage prangte Anfang 1996 auf dem Rock Hard. Zwar flaute der Boom des Grunge, des Crossover und des Death Metal schon langsam wieder ab, aber große Innovationen gab es ebenfalls nicht. Zudem gingen die Absätze aller großen Bands zurück und Chartnotationen wurden immer seltener. Die Szene schien ausgeblutet zu sein. Und das schon seit etwa 1993.
Lediglich der Black Metal konnte sich in dieser Zeit aus dem Underground befreien und wurde durch zwei Arten von Vertretern dieser Musik populär. Da waren zum einen die Fanatiker des 'Inner Circle', die nicht nur durch Musik, sondern vor allem durch abgefackelte Kirchen und leider auch abgestochene Menschen in die Schlagzeilen gerieten. Zum anderen gab es da aber auch innovative Vertreter wie die Schweizer SAMAEL oder EMPEROR, die diesen Stil zu neuen Ufern trieben.
Mit Bands wie DIMMU BORGIR, IMMORTAL und CRADLE OF FILTH wurde der Black Metal spätestens Ende der 90er dann gar absolut massenkompatibel und tauchten diese Combos gar in höheren Chartgefilden auf.
Über die Frage, was denn nun der 'echte' Black Metal ist, sollen sich andere streiten.
VIII. The Hammer Will Fall
Der am Boden liegende Heavy Metal in seiner Ursprungsform aber lässt sich ja nicht unterkriegen und so war es das Debüt von HAMMERFALL "Glory To The Brave" im Jahr 1997, welche das Interesse an den Heavy Metal wieder aufblühen ließ. Bands wie ICED EARTH, STRATOVARIUS oder GAMMA RAY konnten ihre Verkaufszahlen deutlich steigern und füllen mittlerweile stellenweise gar 2.000er Hallen. Chartnotationen in den Top20 werden zur Regel und BLIND GUARDIAN schafften es mit den letzten beiden Alben gar in die Top10 der deutschen Charts und können auch weltweit Erfolge aufweisen, wie sie seit den SCORPIONS wohl keine harte, deutsche Band mehr hatte. Dabei war und ist die Musik nicht einmal besonders innovativ, dafür aber frisch und unverbraucht und so genau das, was der Fan sich offenbar gewünscht hatte. Im Zuge dessen kam es zu unzähligen Re-Unionen, die meist ziemlich elendig verliefen, zumal die Bands häufig schon in den 80ern nur Untergrundstatus inne hatten, und zur totalen Marktüberschwemmung, die Hunderte von HELLOWEEN-Kopien nach sich zog. Doch auch dieser Trend läuft sich wieder tot und schon bald dürfte sich auch hier die Spreu vom Weizen trennen.
IX. German Rocks!
1994 erschien mit "Eisenkopf" von den SCHWEISSERN eines der ersten, ernstzunehmenden, deutschsprachigen Metalalben. Doch so richtig populär wurde die deutsche Sprache erst mit dem RAMMSTEIN-Debüt "Herzeleid", das sich ab Ende 1995 eine ewige Zeit lang in den deutschen Verkaufscharts hielt und die sich 1997 mit dem Single-Hit "Engel" zum etablierten Act mauserten. Dabei waren und sind RAMMSTEIN aufgrund ihrer Symbolik und den derben Texten eigentlich alles andere als massenkompatibel. Im Zuge des größeren oder kleineren Erfolges dieser beiden Bands, wurde auch die deutsche Sprache in der Musik zum häufig und gern benutzten Stilmittel. Bands wie RICHTHOFEN, WEISSGLUT oder MEGAHERZ strömten auf den Markt, um mit mehr oder weniger starken Alben auf sich aufmerksam zu machen. Während sich die SCHWEISSER nach einem missglückten Pop-Album auflösten, sind von den Bands der 'Neuen Deutschen Härte' nur noch RAMMSTEIN wirklich erfolgreich. Dies allerdings weltweit.
X. Is This Nu?
NuMetal (oder New Metal) nennt sich der derzeitige Trend in der Rockmusik, der vor allem die Charts und Clubs in seinen Fittichen hat. Dabei sind Vorreiter wie KORN bereits Mitte der 90er mit Adidas-Outfit und tiefer gestimmten Gitarren aufgekreuzt. Neu waren hier neben dem Gitarrensound vor allem das im Vordergrund stehende Psycho-Image, welches von KORN-Fronter Jonathan Davis in Perfektion vorgelebt wurde. Auch dieser Stil hat neben genannten psychotischen Vertretern, eine Art Mainstream-Fraktion, die derzeit von LINKIN PARK und den Saubermännern von P.O.D. angeführt wird. Erfolgreich sind aber auch innovative, politische Bands wie SYSTEM OF A DOWN oder skandalumwitterte Combos wie LIMP BIZKIT, die ihre Fans gerne mal verarschen. Ob sich diese Richtung den Stempel "New" verdient hat, lassen wir jetzt mal dahingestellt.
XI. Right Now!
Wie steht es um die harte Rockmusik heute?
Nun, sieht man sich die harte Musiklandschaft an, so fällt auf, dass es eine stilistische Ausgeglichenheit gibt, die alle Extreme von flauschig bis brutal bzw. von frickelig bis straight befriedigen dürfte. Innovative, im Wortsinne progressive Bands wie TOOL, OPETH oder PAIN OF SALVATION sind ebenso vertreten wie traditioneller Metal von MANOWAR, BLIND GUARDIAN, ICED EARTH u.ä. Und auch extreme Spielarten wie der Death- und Black Metal sind mit Bands wie SIX FEET UNDER, MORTICIAN, ARCTURUS oder DIMMU BORGIR vertreten. In den Charts finden sich in höchsten Platzierungen gerade vor allem alternativer Rock wie NICKELBACK oder CREED und der sog. Nu Metal mit KORN, SYSTEM OF A DOWN oder LIMP BIZKIT wieder.
Letztlich scheint es wie ein Kreislauf zu sein, wo alles wiederkehrt, vergeht, wiederkehrt usw. Aber eines ist klar: Aussterben wird der Heavy Metal in jeglicher Form wohl nie.[/color]