Bismarck
16.11.2004, 19:27
Hallo!
Ich wollte euch fragen, was ihr über die Rechtsgruppe "Landser" denkt. Die sind nämlich seit Dezember 2002 im Gefängnis. Die Gruppe hat mehrere CDs herausgegeben, z.B. "Das Reich kommt wieder", "Rock gegen Oben", "Republik der Strolche". Die Tonträger sind fast in allen Ländern verboten.
Findet ihr, dass solche Lieder nicht verboten sein sollten und dass sie jeder legal kaufen könnte oder seit ihr für den Verbot solcher Lieder? Ich bin eigentlich für die Legalisierung.
Jetzt kommt noch ein Bericht von Heike Kleffner, über den Strafprozess von "Landser".
Die drei Musiker der "Landser"-Musikgruppe werden zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt - als Mitglieder einer "kriminellen Vereinigung"...
Heike Kleffner:
Überraschend verurteilte gestern der Erste Strafsenat des Kammergerichts Berlin die "Neonazigruppe" "Landser" als "kriminelle Vereinigung". Damit wurde erstmals in Deutschland eine "rechtsextreme" Musikgruppe nach Paragraf 129 des Strafgesetzbuches und nicht lediglich wegen Propagandadelikten verurteilt. Drei Jahre und vier Monate Haft verkündete der Vorsitzende Richter Wolfgang Weißbrodt für den Hauptangeklagten und "Rädelsführer", den 38-jährigen Michael R. Mit Bewährungsstrafen kamen R.s Mitangeklagte davon: Der 37-jährige Tischler Andre M. und der 28-jährige Christian W. wurden zu 21 und 22 Monaten Freiheitsstrafe mit vierjähriger Bewährung verurteilt. Das Gericht verkündete, W. und M. müssten zusätzlich 90 Stunden gemeinnützige Arbeit in jüdischen und migrantischen Vereinen. Das Gericht ordnete zudem die Beschlagnahme von jeweils rund 5.000 Euro (10000 Mark) bei allen drei Angeklagten an - Profite aus den letzten beiden CD-Projekten.
Erst durch die sinnliche Wahrnehmung der Musik und der Zuschauer, die beim Abspielen der "Landser"-Lieder im Gerichtssaal stumm mitgesungen hätten, sei dem Senat - der die Paragraf-129-Anklage zunächst abgewiesen hatte - die aufpeitschende Wirkung der Musik deutlich geworden, betonte Richter Weißbrodt. Ziel der Gruppe sei es gewesen, "rechtsradikal propagandistisch auf die Jugend Deutschlands einzuwirken, um Hass und Emotionen zu verbreiten".
Die Bundesanwaltschaft hatte die Ermittlungen gegen die "Terroristen mit E-Gitarre", wie sich das "Landser"-Trio gerne selbst bezeichnete, vor fast vier Jahren eingeleitet. Damals waren in der mecklenburgischen Kleinstadt Eggesin zwei Vietnamesen von jugendlichen "Neonazis" fast totgeschlagen worden, und die Bundesanwaltschaft übernahm die Anklagevertretung. Die Angreifer sagten vor Gericht aus, sie hätten beim Zuschlagen den "Landser"-Text "Fidschi, Fidschi, gute Reise" gesungen.
"Landser" hatten da längst über die "neonazistische" Szene hinaus Kultstatus. Keine einzige der fünf "Landser"-CDs mit Titeln wie "Deutsche Wut - Rock gegen oben" oder "Ran an den Feind" kann legal im Plattenladen erworben werden. Experten schätzen, dass trotzdem in Deutschland rund 100.000 "Landser"-Tonträger im Umlauf sind - die Mehrheit davon Raubkopien, die bei Klassenfesten ebenso gespielt werden wie in städtischen Jugendklubs. Die Ursprungsbesetzung der Gruppe hatte sich 1992 aus der Berliner "Neonazirockergruppe" "Vandalen" gegründet. In einem Ostberliner Jugendklub hatte ein Sozialarbeiter sein Schlagzeug zur Verfügung gestellt - offensichtlich in der Hoffnung, seine Klienten mit "akzeptierender Sozialarbeit" auf den rechten Pfad zu bringen.
Es sind die Jahre 1992 und 1993: In Rostock-Lichtenhagen wird ein Heim vietnamesischer Vertragsarbeiter unter dem Beifall von tausenden von Zuschauern durch militante "Neonazis" und "Jungskins" in Brand gesetzt. Türkische Migranten sterben in Mölln und Solingen bei Brandanschlägen. Und "Landser" verbreiten auf einem Demotonträger Lieder wie "Berlin bleibt deutsch" und "Schlagt sie tot".
Im Februar 1999 verblutet der algerische Asylsuchende Faird Guendoul in Guben nach einer "rassistischen" Hetzjagd. Im Auto der "Naziskins" lief das "Afrika-Lied" von "Landser". Im Juni 2000 stirbt im Dessauer Stadtpark der Mosambikaner Alberto Adriano - zu Tode getreten von "Naziskins"; in deren Kassettenspieler: Das "Afrika-Lied" von "Landser".
Die Angeklagten seien "nicht frei von Verantwortung" für solche Gewalttaten, hielt Richter Weißbrodt den Angeklagten nun vor.
Von dem Urteil erhofft sich Bundesanwalt Lampe eine präventive Wirkung: Es werde "richtungsweisend sein in der Bekämpfung des Rechtsextremismus". Denn das Gericht hatte in seiner "Urteilsbegründung" die Schutzzwecke des Paragrafen 129 erstmals auch auf die "Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" bezogen.
Ich wollte euch fragen, was ihr über die Rechtsgruppe "Landser" denkt. Die sind nämlich seit Dezember 2002 im Gefängnis. Die Gruppe hat mehrere CDs herausgegeben, z.B. "Das Reich kommt wieder", "Rock gegen Oben", "Republik der Strolche". Die Tonträger sind fast in allen Ländern verboten.
Findet ihr, dass solche Lieder nicht verboten sein sollten und dass sie jeder legal kaufen könnte oder seit ihr für den Verbot solcher Lieder? Ich bin eigentlich für die Legalisierung.
Jetzt kommt noch ein Bericht von Heike Kleffner, über den Strafprozess von "Landser".
Die drei Musiker der "Landser"-Musikgruppe werden zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt - als Mitglieder einer "kriminellen Vereinigung"...
Heike Kleffner:
Überraschend verurteilte gestern der Erste Strafsenat des Kammergerichts Berlin die "Neonazigruppe" "Landser" als "kriminelle Vereinigung". Damit wurde erstmals in Deutschland eine "rechtsextreme" Musikgruppe nach Paragraf 129 des Strafgesetzbuches und nicht lediglich wegen Propagandadelikten verurteilt. Drei Jahre und vier Monate Haft verkündete der Vorsitzende Richter Wolfgang Weißbrodt für den Hauptangeklagten und "Rädelsführer", den 38-jährigen Michael R. Mit Bewährungsstrafen kamen R.s Mitangeklagte davon: Der 37-jährige Tischler Andre M. und der 28-jährige Christian W. wurden zu 21 und 22 Monaten Freiheitsstrafe mit vierjähriger Bewährung verurteilt. Das Gericht verkündete, W. und M. müssten zusätzlich 90 Stunden gemeinnützige Arbeit in jüdischen und migrantischen Vereinen. Das Gericht ordnete zudem die Beschlagnahme von jeweils rund 5.000 Euro (10000 Mark) bei allen drei Angeklagten an - Profite aus den letzten beiden CD-Projekten.
Erst durch die sinnliche Wahrnehmung der Musik und der Zuschauer, die beim Abspielen der "Landser"-Lieder im Gerichtssaal stumm mitgesungen hätten, sei dem Senat - der die Paragraf-129-Anklage zunächst abgewiesen hatte - die aufpeitschende Wirkung der Musik deutlich geworden, betonte Richter Weißbrodt. Ziel der Gruppe sei es gewesen, "rechtsradikal propagandistisch auf die Jugend Deutschlands einzuwirken, um Hass und Emotionen zu verbreiten".
Die Bundesanwaltschaft hatte die Ermittlungen gegen die "Terroristen mit E-Gitarre", wie sich das "Landser"-Trio gerne selbst bezeichnete, vor fast vier Jahren eingeleitet. Damals waren in der mecklenburgischen Kleinstadt Eggesin zwei Vietnamesen von jugendlichen "Neonazis" fast totgeschlagen worden, und die Bundesanwaltschaft übernahm die Anklagevertretung. Die Angreifer sagten vor Gericht aus, sie hätten beim Zuschlagen den "Landser"-Text "Fidschi, Fidschi, gute Reise" gesungen.
"Landser" hatten da längst über die "neonazistische" Szene hinaus Kultstatus. Keine einzige der fünf "Landser"-CDs mit Titeln wie "Deutsche Wut - Rock gegen oben" oder "Ran an den Feind" kann legal im Plattenladen erworben werden. Experten schätzen, dass trotzdem in Deutschland rund 100.000 "Landser"-Tonträger im Umlauf sind - die Mehrheit davon Raubkopien, die bei Klassenfesten ebenso gespielt werden wie in städtischen Jugendklubs. Die Ursprungsbesetzung der Gruppe hatte sich 1992 aus der Berliner "Neonazirockergruppe" "Vandalen" gegründet. In einem Ostberliner Jugendklub hatte ein Sozialarbeiter sein Schlagzeug zur Verfügung gestellt - offensichtlich in der Hoffnung, seine Klienten mit "akzeptierender Sozialarbeit" auf den rechten Pfad zu bringen.
Es sind die Jahre 1992 und 1993: In Rostock-Lichtenhagen wird ein Heim vietnamesischer Vertragsarbeiter unter dem Beifall von tausenden von Zuschauern durch militante "Neonazis" und "Jungskins" in Brand gesetzt. Türkische Migranten sterben in Mölln und Solingen bei Brandanschlägen. Und "Landser" verbreiten auf einem Demotonträger Lieder wie "Berlin bleibt deutsch" und "Schlagt sie tot".
Im Februar 1999 verblutet der algerische Asylsuchende Faird Guendoul in Guben nach einer "rassistischen" Hetzjagd. Im Auto der "Naziskins" lief das "Afrika-Lied" von "Landser". Im Juni 2000 stirbt im Dessauer Stadtpark der Mosambikaner Alberto Adriano - zu Tode getreten von "Naziskins"; in deren Kassettenspieler: Das "Afrika-Lied" von "Landser".
Die Angeklagten seien "nicht frei von Verantwortung" für solche Gewalttaten, hielt Richter Weißbrodt den Angeklagten nun vor.
Von dem Urteil erhofft sich Bundesanwalt Lampe eine präventive Wirkung: Es werde "richtungsweisend sein in der Bekämpfung des Rechtsextremismus". Denn das Gericht hatte in seiner "Urteilsbegründung" die Schutzzwecke des Paragrafen 129 erstmals auch auf die "Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" bezogen.