Nudelllll
02.08.2004, 23:23
Band-Bio
Herbst 1991: Vier Schulfreunde stehen auf einer Bühne in einem Haus irgendwo in Calabasas, Kalifornien. Mike Einziger (Gitarre), Jose Pasillas (Schlagzeug), Alex Katunich (Bass) und Brandon Boyd (Gesang) spielen ihren ersten Gig unter dem Bandnamen „Incubus“ auf der Party einer Freundin. Der Auftritt gerät zu einem Desaster. Das Publikum weiß nichts mit der dilettantisch anmutenden Darbietung aus Metallica-Covern und selbst geschriebenen Thrash-Metal Songs anzufangen und wendet sich von der Band ab.
Ein paar Tage später:
Der nächste Gig. Der erste Erfolg, diesmal keine Pannen, Band und Publikum sind zufrieden. Man ist nun fest entschlossen, weiter zu machen und die Band sich entwickeln zu lassen, aus Liebe zur Musik.
Die nachfolgende Zeit wird vor allem von einer Tätigkeit bestimmt: Live spielen. Incubus beschallen so ziemlich jedes Gemäuer in ihrer Umgebung, in dem es Strom und eine Bühne gibt.
Zwischendurch werden neue Songs geschrieben, das erste Demo „Closet Cultivation“ erscheint Mitte 1994, aufgenommen mit einem simplen Kassetenrecorder.
Kurz darauf erhalten die Vier über einen Bekannten die Möglichkeit, in einem Studio ein weiteres Demo aufzunehmen. Das Ergebnis heißt „Incubus“ und erblickt am 7. Januar ´95 das Licht der Musikwelt.
1. November 1995:„Fungus Amongus“. Zwei Worte, ein Album und die Erkenntnis, dass der Name eines Plattenlabels nicht unbedingt kurz und einprägsam sein muss. So taufen Incubus ihr eigenes denn auch „Stopuglynailfungus Music in Chillum“ und veröffentlichen darauf ihr Debüt-Album.
Es folgen wieder Liveauftritte.Auf einem ihrer Konzerte werden Incubus von einem gewissen DJ Lyfe angesprochen, der meint, dass ihren Songs ein paar Hip-Hop- und Elektronikelemente gut zu Gesicht stehen und er selbst gerne mit ihnen zusammenarbeiten würde. Nach anfänglicher Skepsis von Seiten der Bandmitglieder weiß Lyfe diese jedoch schnell zu überzeugen und steigt als festes Mitglied bei Incubus ein.
Wieder einige Gigs später haben Incubus einen Vertrag mit dem Sony-Label „Immortal Records“ in der Tasche und gehen 1996 erneut auf Tour. Inzwischen hat sich die Band eine beachtliche Fanbasis an der Westküste der USA erspielt, im Zuge des ansteigenden Erfolges veröffentlichen Incubus über „Immortal Records“ am 7. Januar 1997 „Enjoy Incubus“, eine EP mit vier alten und zwei neuen Stücken.
Der Umstand, mit „Immortal“ bei dem gleichen Label beheimatet zu sein wie Korn ermöglicht es Incubus im Frühjahr ´97 mit eben diesen auf Europa-Tour zu gehen und vor ihrem bis dato größten Publikum zu spielen.
Sommer 1997:Incubus haben ihre letzten Auftritte als Support von u. a. Snot und Far hinter sich gebracht. Zuvor ist man noch im Studio gewesen, um das nächste Album einzuspielen.
Incubus´ Major-Debüt-Album „S.C.I.E.N.C.E.“ erscheint am 9. September 1997 und (surprise, surprise) Incubus packen sich wieder ihre Instrumente unter die Achseln und touren, touren, touren. Diesmal mit 311 und Sugar Ray.
Februar 1998:Die Wege von Incubus und DJ Lyfe trennen sich. Mit ihm in der Band sei man keine produktive Familie mehr, so heißt es von den übrigen Mitgliedern. Ersetzt wird Lyfe durch Chris Kilmore, einen Freund der Band. Der Wechsel wird sowohl von der Band als auch den Fans sehr positiv aufgenommen. Das Tourleben ruft und Incubus sind wieder „on the road“.
Sommer 1999:Nach zwei weiteren Jahren ununterbrochenem Touren (u.a. mit Korn, Limp Bizkit & System of a Down) geht die Band ins Studio und nimmt das am 26. Oktober 1999 erscheinende Album „Make Yourself“ auf. Durch die zahlreichen Hits auf diesem Album gelingen der Band einige gute Positionen in den Single- als auch den Album-Charts.
Am 22. August 2000 veröffentlichen Incubus ihre EP „When Incubus Attacks Vol. 1“ Mit live-eingespielten Akustik-Versionen von beispielsweise „Pardon Me“. Enthalten ist zudem noch der Track „Crowded Elevator“, die B-Side von „Pardon me“. Dieser Song hat auch auf dem „Scream 3“ Soundtrack seinen Platz gefunden.
7. November 2000:„Fungus Amongus“ findet aufgrund der großen Nachfrage dank „Navigator“ Sony erneut den Weg in die Plattenläden.
21. Juni 2001:Mikes 25. Geburtstag. Incubus haben einen ihrer ersten großen TV-Auftritte in Deutschland bei Select MTV. „Drive“ ist vor drei Tagen als Single erschienen, das dazugehörige Video flimmert ständig über die Bildschirme.
Seit den ersten Tagen in Calabasas ist definitiv Einiges passiert. Incubus sind zur Zeit auf Headliner-Tour in Europa. „Make Yourself“, das im Oktober ´99 veröffentlichte, zweite Major-Album, hat Incubus den kommerziellen Durchbruch in den Staaten beschert. Man ist in den letzten anderthalb Jahren fast ununterbrochen auf Tour gewesen. Und auch hier in Europa sind Incubus vor allem dank „Drive“ in aller Ohren.
Die nur in Europa erhältliche Tour Edition von „Make Yourself“ kommt am 25. Juni raus. Diese Wiederveröffentlichung wird dann hier in Europa erst richtig ernst genommen und steigt nun unter kräftiger Mithilfe des besagten Songs „Drive“ sogar in die Top100 der deutschen Albumcharts ein.
Doch Incubus nehmen wie gesagt schon wieder ein Album auf, das „Morning View“ lautet und am 22. Oktober erscheint. Allerdings kursieren schon im August die ersten MP3s des kommenden Albums im Internet, so dass man sich schon frühzeitig von den neuen Incubus überzeugen kann.
Danach folgen weitere Headliner-Touren durch Australien, Japan und Amerika.
Januar 2002: Incubus sind wieder mal auf Europa-Tour, diesmal mit ihrem im Oktober letzen Jahres erschienenen Album „Morning View“ im Rücken. Das Album, aufgenommen in einem Anwesen am Strand von Malibu, ist von der Presse wie sein Vorgänger in höchsten Tönen gelobt worden und steht diesem auch in Bezug auf den kommerziellen Erfolg in nichts nach. Die Band bespielt nun überall die großen Hallen, wie auch heute im ausverkauften Kölner Palladium vor über 5000 Menschen.
Im April folgt der Release der ersten DVD mit dem Titel „When Incubus Attacks Vol.2“.
Ende Juni wird Incubus´ erstes Album „Fungus Amongus“ auch in Deutschland offiziell veröffentlicht.
Währenddessen sind Incubus ausnahmsweise mal wieder auf Tour (...) und ziehen im Rahmen der „Civic Tour“ quer durch die USA und füllen hier und da schon mal die 20.000er Arenen.
Incubus sind jetzt das, was man gemeinhin als „groß“ bezeichnet. In den Staaten ist bereits eine zweite DVD erschienen. „Morning View Sessions“ bestieg dort auf Anhieb Platz 1 der DVD-Charts. In Deutschland übt man sich währenddessen in Geduld und Vorfreude. Auf die DVD und die nächsten Konzerte.
Das Jahr 2003 begann nicht sehr verheissungsvoll: Bassist Dirk Lance verließ die Band überraschend vor einigen Monaten, Ben Kenny (Ex-The Roots) nimmt seinen Platz ein. Dennoch ließ sich Incubus dadurch nicht zurückwerfen, es wurden kurz danach einige neue Songs in Angriff genommen.
Das neue Album „A Crow Left Of The Murder” wird Anfang 2004 auf den Markt gebracht.Bereits die erste Single-Auskopplung „Megalomaniac“ bestätigt die ungebrochene Affinität zu harter, kompromissloser Rockmusik - seit jeher der Schlüssel zum Incubus-Sound. Nach virtuosem Aufbau instrumentaler Spannung entfesselt der Song ein Riff-Monster, das aus den Tiefen des Meeres emporsteigt, Feuer speit und ganz Tokyo in Schutt und Asche legt. Von Zeit zu Zeit wird der Soundorkan von sparsam instrumentierten Strophen unterbrochen, bevor wieder wütenden Zornestiraden aus Sänger Brandon Boyd hervorbrechen: “Hey megalomaniac, you’re no Jesus/ Yeah, you’re no fucking Elvis/ Wash your hands clean of yourself baby/ And step down, step down, step down.”
Das Video zu „Megalomaniac” wurde von der gefeierten Regisseurin Floria Sigismondi (u.a. Björk, Sigur Ros, Marylin Manson, David Bowie) inszeniert und unterstreicht das politische Protestpotenzial des Songs. Doch dabei lässt sich auf „A Crow Left Of The Murder“ - wie überall - das Politische kaum vom Persönlichen trennen. Bei „Pistola“ z.B., einem weiteren heftigen Stück (und „Lollapalooza“-Live-Favorit), erklärt Boyd freimütig: “My pen is a pistola … a patriot’s weapon of choice“. Auch „Talk Shows On Mute”, das George Orwells Schreckensvision des Klassikers „1984” heraufbeschwört, als auch „Made For T.V. Movie”, ein musikalischer Flirt der Beatles mit Alice In Chains, sparen nicht mit bissigen Kommentaren zur aktuellen Lage der Gesellschaft. Songs wie „Agoraphobia”, das in einem großartigen Pop-Refrain gipfelt, und das treibende „Leech“ sind dagegen Boyds vertraute Grübeleien zum Thema „Zwischenmenschliches“.
Angesichts des zornigen Gesamteindrucks bzw. –sounds von „A Crow Left Of The Murder“ besteht kein Zweifel, dass Boyd - ansonsten ein gern genommenes Vorbild an Positivität - ganz schön angefressen ist. Und es ist beileibe nicht nur der Krieg, die allgemeine Ungerechtigkeit in der Welt und die Unmenschlichkeit zwischen den Menschen, die ihm schlechte Laune machen. So gibt der Duktus von „Priceless“, eine Hookline-schwere Anklage des Materialismus (hierin „Zee Deveel“ genannt), einen Hinweis über den Ursprung seiner Erbitterung: Sechs Jahre Musikbusiness sind für eine Band wie Incubus schließlich lang genug, um eine ordentliche Portion Ernüchterung und Frust abbekommen zu haben.
Man kann davon auszugehen, dass Boyd, Einziger, Schlagzeuger Jose Pasillas und Ur-Bassist Dirk Lance (Ben Kennedy stieß 2003 hinzu, als Lance ging) bei der Bandgründung 1991 an der Highschool im „San Fernando Valley“-Ausläufer Calabasas die allgemeinen Begehrlichkeiten des Rockstartums noch als durchaus erstrebenswert empfanden. Doch nun, nachdem die Band ausreichend in den Genuss aller Vorzüge gekommen ist, scheint sich ein erhöhtes Ich-Bewusstsein der eigenen Position – und deren Gefahren – zu manifestieren.
Immerhin wurden Boyd und Kollegen mit Doppel-Platin-Platten für ihr 1999er-Album „Make Yourself” (von dem u.a. der ihr Top-Ten-Breakthrough-Hit „Pardon Me“, der Airplay-Favourit „Stellar“ und das eingangs erwähnte „Drive“ stammen) und das 2001er-Album „Morning View“ (das auf Platz zwei der „Billboard 200“ chartete und Radio-Singles wie „I Wish You Were Here“ (Platz 2), „Warning“ (Platz 3) und „Nice To Know You“ (Platz 9) enthielt) ausgezeichnet. Außerdem ist Incubus einer der wenigen Acts, der von sich behaupten kann, sowohl mit dem „Ozzfest“ als auch mit „Family Values“ und Mobys „Area One“ durch die USA getourt zu sein – auf Du und Du mit dem einen oder anderen geschätzten Kollegen und einer Handvoll von Jugendidolen. Darüber hinaus hat es die Band geschafft, mehr als ein Jahrzehnt lang interessant zu bleiben und von Kritikern für ihre unzähmbare Experimentierfreude gefeiert zu werden, die neben den melodischen Crowd-Pleasern stets ihren Platz im Incubus-Oeuvre behauptet. Und dennoch ist die Welt nach wie vor ein verdammt lausiger Ort: Diejenigen, die sich einst „keep it real“ auf die Fahnen schrieben, halten sich am wenigsten daran.
Incubus waren nie eine musikalisch eindimensionale Band, und Boyd war nie ein Songschreiber, der sich damit zufrieden gab, lediglich eine einzige Stimmungslage zu vermitteln. Trotz aller Wut ist „A Crow Left Of The Murder“ durchwirkt von einem Gefühl der Katharsis und des Triumphs. „Yeah, I’m down, but not out/ And far from done”, verspricht Boyd in „Beware! Criminal”. Und das Album hat auch seine zarten Momente. „Here In My Room“ ist eine hübsche, gedämpfte Ballade, auf der Boyd uns anvertraut: “If the world were to fall apart/ In a fiction-worthy wind/ I wouldn’t change a thing/ Now that you’re here/ Love is a verb/ Here in my room”; auf „Smile Lines” schimpft er, „High school never ends”; und „Southern Girl” vermittelt die Unbekümmertheit junger Liebe - der Sänger erklärt dem Objekt seiner Zuneigung: “Look no further/ I am yours.”
Mit „A Crow Left Of The Murder“ erreicht Brandon Boyd ungeahnte Sphären gesanglicher Fertigkeit. Natürlich gibt es auch hier wieder die charakteristische, synkopierte Phrasierung – denn ganz offensichtlich schlägt nach wie vor das Herz eines „Beatpoeten“ in ihm – doch findet sich auf „Crow“ weit weniger Sprechgesang als zuvor. Anstatt dessen setzt Boyd zu Falsett-Höhenflügen an und unterstreicht mit entwaffnend virtuosen Exkursionen geschickt seine beeindruckende Gesangsperformance.
Bassist Ben Kennedy, der sich während seiner langjährigen Mitgliedschaft bei den Roots immer danach sehnte zu rocken, ist auf „Crow“ endlich in seinem Element. Das donnernde „Megalomaniac“ trägt am deutlichsten seine Handschrift, aber auch „Pistola“, „Smile Lines“ und das epische Thrash-o-Rama „Sick, Sad Little World“ - auf dem auch Einziger virtuos glänzt und mit einem langen, ausführlichen Solo Hendrix zur Ehre gereicht. Dieser Track versinnbildlicht die furchtlose kreative Energie, den beneidenswerten Sinn für Dynamik und den Eklektizismus, der Incubus während der ganzen 58-und-ein-paar-Zerquetschte Minuten von „A Crow Left Of The Murder“ auszeichnet: Es gibt einen Dub-Breakdown, eine Wah-Wah-Gitarre, die durch einen Leslie-Lautsprecher-Kabinett gespielt wird, ein Jungle-Interlude, bei dem die Snare und das Hi-Hat grooven wie ganz Memphis; vertracktes Jazz-Drumming und schließlich noch Einzigers fantastisch abgedrehte Gitarrenarbeit.
Auf den rechten Weg gebracht wurde die ungezügelte Kreativität der Band von Produzent Brendan O’Brien (Pearl Jam, Springsteen, Thorns u.a.), der die Faszination der Musiker für Distortion, Beeps, Boinks und andere ausgewählte Roboter-Geräusche, endgültig auf „elf“ hochschraubte. Das bedeutet natürlich nicht, dass „Crow“ klingt, als sei es in der Fabrik entstanden, in der Roboter hergestellt werden, immerhin mindert der Cello-Part auf „Here In My Room“, der von Incubus-Kollege Suzy Katayama instrumentiert wurde, diesen Eindruck, unterstützt von einigen organischen Elementen auf der gesamten Platte, wie Tambourine und Handclaps, diesen Eindruck. Der Klangstrukturteppich ist durchsetzt von einem scheinbar endlosen Aufgebot an aufwallenden Gitarren, explosivem Schlagzeug, fetten Basslines, solidem, gemeinschaftlichem Songhandwerk und Boyds eindringlichem Gesang. Es ist ganz eindeutig Incubus - nur noch viel mehr davon.
Manch einer wird die Intensität von „A Crow Left Of The Murder” als eine musikalische Antwort zu dem milden Vibe von „Drive” interpretieren. Andere werden die neuerliche Härte der Band in Betracht ziehen, die eine Reaktion auf das gemischte Allerlei namens „Rockstardasein“ ist. Aber die eingeschworenen Fans wird das alles kaum jucken; sie werden ganz einfach glücklich sein, dass ihre Helden nach wir vor jene postmodernen Headbanger-Tunes ´raushauen, die sie ursprünglich vor all den Jahren zu eingeschworenen Fans machte.
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[Editiert durch Nudelllll ein Montag, Oktober 25, 2004 @ 13:44][/size]
Herbst 1991: Vier Schulfreunde stehen auf einer Bühne in einem Haus irgendwo in Calabasas, Kalifornien. Mike Einziger (Gitarre), Jose Pasillas (Schlagzeug), Alex Katunich (Bass) und Brandon Boyd (Gesang) spielen ihren ersten Gig unter dem Bandnamen „Incubus“ auf der Party einer Freundin. Der Auftritt gerät zu einem Desaster. Das Publikum weiß nichts mit der dilettantisch anmutenden Darbietung aus Metallica-Covern und selbst geschriebenen Thrash-Metal Songs anzufangen und wendet sich von der Band ab.
Ein paar Tage später:
Der nächste Gig. Der erste Erfolg, diesmal keine Pannen, Band und Publikum sind zufrieden. Man ist nun fest entschlossen, weiter zu machen und die Band sich entwickeln zu lassen, aus Liebe zur Musik.
Die nachfolgende Zeit wird vor allem von einer Tätigkeit bestimmt: Live spielen. Incubus beschallen so ziemlich jedes Gemäuer in ihrer Umgebung, in dem es Strom und eine Bühne gibt.
Zwischendurch werden neue Songs geschrieben, das erste Demo „Closet Cultivation“ erscheint Mitte 1994, aufgenommen mit einem simplen Kassetenrecorder.
Kurz darauf erhalten die Vier über einen Bekannten die Möglichkeit, in einem Studio ein weiteres Demo aufzunehmen. Das Ergebnis heißt „Incubus“ und erblickt am 7. Januar ´95 das Licht der Musikwelt.
1. November 1995:„Fungus Amongus“. Zwei Worte, ein Album und die Erkenntnis, dass der Name eines Plattenlabels nicht unbedingt kurz und einprägsam sein muss. So taufen Incubus ihr eigenes denn auch „Stopuglynailfungus Music in Chillum“ und veröffentlichen darauf ihr Debüt-Album.
Es folgen wieder Liveauftritte.Auf einem ihrer Konzerte werden Incubus von einem gewissen DJ Lyfe angesprochen, der meint, dass ihren Songs ein paar Hip-Hop- und Elektronikelemente gut zu Gesicht stehen und er selbst gerne mit ihnen zusammenarbeiten würde. Nach anfänglicher Skepsis von Seiten der Bandmitglieder weiß Lyfe diese jedoch schnell zu überzeugen und steigt als festes Mitglied bei Incubus ein.
Wieder einige Gigs später haben Incubus einen Vertrag mit dem Sony-Label „Immortal Records“ in der Tasche und gehen 1996 erneut auf Tour. Inzwischen hat sich die Band eine beachtliche Fanbasis an der Westküste der USA erspielt, im Zuge des ansteigenden Erfolges veröffentlichen Incubus über „Immortal Records“ am 7. Januar 1997 „Enjoy Incubus“, eine EP mit vier alten und zwei neuen Stücken.
Der Umstand, mit „Immortal“ bei dem gleichen Label beheimatet zu sein wie Korn ermöglicht es Incubus im Frühjahr ´97 mit eben diesen auf Europa-Tour zu gehen und vor ihrem bis dato größten Publikum zu spielen.
Sommer 1997:Incubus haben ihre letzten Auftritte als Support von u. a. Snot und Far hinter sich gebracht. Zuvor ist man noch im Studio gewesen, um das nächste Album einzuspielen.
Incubus´ Major-Debüt-Album „S.C.I.E.N.C.E.“ erscheint am 9. September 1997 und (surprise, surprise) Incubus packen sich wieder ihre Instrumente unter die Achseln und touren, touren, touren. Diesmal mit 311 und Sugar Ray.
Februar 1998:Die Wege von Incubus und DJ Lyfe trennen sich. Mit ihm in der Band sei man keine produktive Familie mehr, so heißt es von den übrigen Mitgliedern. Ersetzt wird Lyfe durch Chris Kilmore, einen Freund der Band. Der Wechsel wird sowohl von der Band als auch den Fans sehr positiv aufgenommen. Das Tourleben ruft und Incubus sind wieder „on the road“.
Sommer 1999:Nach zwei weiteren Jahren ununterbrochenem Touren (u.a. mit Korn, Limp Bizkit & System of a Down) geht die Band ins Studio und nimmt das am 26. Oktober 1999 erscheinende Album „Make Yourself“ auf. Durch die zahlreichen Hits auf diesem Album gelingen der Band einige gute Positionen in den Single- als auch den Album-Charts.
Am 22. August 2000 veröffentlichen Incubus ihre EP „When Incubus Attacks Vol. 1“ Mit live-eingespielten Akustik-Versionen von beispielsweise „Pardon Me“. Enthalten ist zudem noch der Track „Crowded Elevator“, die B-Side von „Pardon me“. Dieser Song hat auch auf dem „Scream 3“ Soundtrack seinen Platz gefunden.
7. November 2000:„Fungus Amongus“ findet aufgrund der großen Nachfrage dank „Navigator“ Sony erneut den Weg in die Plattenläden.
21. Juni 2001:Mikes 25. Geburtstag. Incubus haben einen ihrer ersten großen TV-Auftritte in Deutschland bei Select MTV. „Drive“ ist vor drei Tagen als Single erschienen, das dazugehörige Video flimmert ständig über die Bildschirme.
Seit den ersten Tagen in Calabasas ist definitiv Einiges passiert. Incubus sind zur Zeit auf Headliner-Tour in Europa. „Make Yourself“, das im Oktober ´99 veröffentlichte, zweite Major-Album, hat Incubus den kommerziellen Durchbruch in den Staaten beschert. Man ist in den letzten anderthalb Jahren fast ununterbrochen auf Tour gewesen. Und auch hier in Europa sind Incubus vor allem dank „Drive“ in aller Ohren.
Die nur in Europa erhältliche Tour Edition von „Make Yourself“ kommt am 25. Juni raus. Diese Wiederveröffentlichung wird dann hier in Europa erst richtig ernst genommen und steigt nun unter kräftiger Mithilfe des besagten Songs „Drive“ sogar in die Top100 der deutschen Albumcharts ein.
Doch Incubus nehmen wie gesagt schon wieder ein Album auf, das „Morning View“ lautet und am 22. Oktober erscheint. Allerdings kursieren schon im August die ersten MP3s des kommenden Albums im Internet, so dass man sich schon frühzeitig von den neuen Incubus überzeugen kann.
Danach folgen weitere Headliner-Touren durch Australien, Japan und Amerika.
Januar 2002: Incubus sind wieder mal auf Europa-Tour, diesmal mit ihrem im Oktober letzen Jahres erschienenen Album „Morning View“ im Rücken. Das Album, aufgenommen in einem Anwesen am Strand von Malibu, ist von der Presse wie sein Vorgänger in höchsten Tönen gelobt worden und steht diesem auch in Bezug auf den kommerziellen Erfolg in nichts nach. Die Band bespielt nun überall die großen Hallen, wie auch heute im ausverkauften Kölner Palladium vor über 5000 Menschen.
Im April folgt der Release der ersten DVD mit dem Titel „When Incubus Attacks Vol.2“.
Ende Juni wird Incubus´ erstes Album „Fungus Amongus“ auch in Deutschland offiziell veröffentlicht.
Währenddessen sind Incubus ausnahmsweise mal wieder auf Tour (...) und ziehen im Rahmen der „Civic Tour“ quer durch die USA und füllen hier und da schon mal die 20.000er Arenen.
Incubus sind jetzt das, was man gemeinhin als „groß“ bezeichnet. In den Staaten ist bereits eine zweite DVD erschienen. „Morning View Sessions“ bestieg dort auf Anhieb Platz 1 der DVD-Charts. In Deutschland übt man sich währenddessen in Geduld und Vorfreude. Auf die DVD und die nächsten Konzerte.
Das Jahr 2003 begann nicht sehr verheissungsvoll: Bassist Dirk Lance verließ die Band überraschend vor einigen Monaten, Ben Kenny (Ex-The Roots) nimmt seinen Platz ein. Dennoch ließ sich Incubus dadurch nicht zurückwerfen, es wurden kurz danach einige neue Songs in Angriff genommen.
Das neue Album „A Crow Left Of The Murder” wird Anfang 2004 auf den Markt gebracht.Bereits die erste Single-Auskopplung „Megalomaniac“ bestätigt die ungebrochene Affinität zu harter, kompromissloser Rockmusik - seit jeher der Schlüssel zum Incubus-Sound. Nach virtuosem Aufbau instrumentaler Spannung entfesselt der Song ein Riff-Monster, das aus den Tiefen des Meeres emporsteigt, Feuer speit und ganz Tokyo in Schutt und Asche legt. Von Zeit zu Zeit wird der Soundorkan von sparsam instrumentierten Strophen unterbrochen, bevor wieder wütenden Zornestiraden aus Sänger Brandon Boyd hervorbrechen: “Hey megalomaniac, you’re no Jesus/ Yeah, you’re no fucking Elvis/ Wash your hands clean of yourself baby/ And step down, step down, step down.”
Das Video zu „Megalomaniac” wurde von der gefeierten Regisseurin Floria Sigismondi (u.a. Björk, Sigur Ros, Marylin Manson, David Bowie) inszeniert und unterstreicht das politische Protestpotenzial des Songs. Doch dabei lässt sich auf „A Crow Left Of The Murder“ - wie überall - das Politische kaum vom Persönlichen trennen. Bei „Pistola“ z.B., einem weiteren heftigen Stück (und „Lollapalooza“-Live-Favorit), erklärt Boyd freimütig: “My pen is a pistola … a patriot’s weapon of choice“. Auch „Talk Shows On Mute”, das George Orwells Schreckensvision des Klassikers „1984” heraufbeschwört, als auch „Made For T.V. Movie”, ein musikalischer Flirt der Beatles mit Alice In Chains, sparen nicht mit bissigen Kommentaren zur aktuellen Lage der Gesellschaft. Songs wie „Agoraphobia”, das in einem großartigen Pop-Refrain gipfelt, und das treibende „Leech“ sind dagegen Boyds vertraute Grübeleien zum Thema „Zwischenmenschliches“.
Angesichts des zornigen Gesamteindrucks bzw. –sounds von „A Crow Left Of The Murder“ besteht kein Zweifel, dass Boyd - ansonsten ein gern genommenes Vorbild an Positivität - ganz schön angefressen ist. Und es ist beileibe nicht nur der Krieg, die allgemeine Ungerechtigkeit in der Welt und die Unmenschlichkeit zwischen den Menschen, die ihm schlechte Laune machen. So gibt der Duktus von „Priceless“, eine Hookline-schwere Anklage des Materialismus (hierin „Zee Deveel“ genannt), einen Hinweis über den Ursprung seiner Erbitterung: Sechs Jahre Musikbusiness sind für eine Band wie Incubus schließlich lang genug, um eine ordentliche Portion Ernüchterung und Frust abbekommen zu haben.
Man kann davon auszugehen, dass Boyd, Einziger, Schlagzeuger Jose Pasillas und Ur-Bassist Dirk Lance (Ben Kennedy stieß 2003 hinzu, als Lance ging) bei der Bandgründung 1991 an der Highschool im „San Fernando Valley“-Ausläufer Calabasas die allgemeinen Begehrlichkeiten des Rockstartums noch als durchaus erstrebenswert empfanden. Doch nun, nachdem die Band ausreichend in den Genuss aller Vorzüge gekommen ist, scheint sich ein erhöhtes Ich-Bewusstsein der eigenen Position – und deren Gefahren – zu manifestieren.
Immerhin wurden Boyd und Kollegen mit Doppel-Platin-Platten für ihr 1999er-Album „Make Yourself” (von dem u.a. der ihr Top-Ten-Breakthrough-Hit „Pardon Me“, der Airplay-Favourit „Stellar“ und das eingangs erwähnte „Drive“ stammen) und das 2001er-Album „Morning View“ (das auf Platz zwei der „Billboard 200“ chartete und Radio-Singles wie „I Wish You Were Here“ (Platz 2), „Warning“ (Platz 3) und „Nice To Know You“ (Platz 9) enthielt) ausgezeichnet. Außerdem ist Incubus einer der wenigen Acts, der von sich behaupten kann, sowohl mit dem „Ozzfest“ als auch mit „Family Values“ und Mobys „Area One“ durch die USA getourt zu sein – auf Du und Du mit dem einen oder anderen geschätzten Kollegen und einer Handvoll von Jugendidolen. Darüber hinaus hat es die Band geschafft, mehr als ein Jahrzehnt lang interessant zu bleiben und von Kritikern für ihre unzähmbare Experimentierfreude gefeiert zu werden, die neben den melodischen Crowd-Pleasern stets ihren Platz im Incubus-Oeuvre behauptet. Und dennoch ist die Welt nach wie vor ein verdammt lausiger Ort: Diejenigen, die sich einst „keep it real“ auf die Fahnen schrieben, halten sich am wenigsten daran.
Incubus waren nie eine musikalisch eindimensionale Band, und Boyd war nie ein Songschreiber, der sich damit zufrieden gab, lediglich eine einzige Stimmungslage zu vermitteln. Trotz aller Wut ist „A Crow Left Of The Murder“ durchwirkt von einem Gefühl der Katharsis und des Triumphs. „Yeah, I’m down, but not out/ And far from done”, verspricht Boyd in „Beware! Criminal”. Und das Album hat auch seine zarten Momente. „Here In My Room“ ist eine hübsche, gedämpfte Ballade, auf der Boyd uns anvertraut: “If the world were to fall apart/ In a fiction-worthy wind/ I wouldn’t change a thing/ Now that you’re here/ Love is a verb/ Here in my room”; auf „Smile Lines” schimpft er, „High school never ends”; und „Southern Girl” vermittelt die Unbekümmertheit junger Liebe - der Sänger erklärt dem Objekt seiner Zuneigung: “Look no further/ I am yours.”
Mit „A Crow Left Of The Murder“ erreicht Brandon Boyd ungeahnte Sphären gesanglicher Fertigkeit. Natürlich gibt es auch hier wieder die charakteristische, synkopierte Phrasierung – denn ganz offensichtlich schlägt nach wie vor das Herz eines „Beatpoeten“ in ihm – doch findet sich auf „Crow“ weit weniger Sprechgesang als zuvor. Anstatt dessen setzt Boyd zu Falsett-Höhenflügen an und unterstreicht mit entwaffnend virtuosen Exkursionen geschickt seine beeindruckende Gesangsperformance.
Bassist Ben Kennedy, der sich während seiner langjährigen Mitgliedschaft bei den Roots immer danach sehnte zu rocken, ist auf „Crow“ endlich in seinem Element. Das donnernde „Megalomaniac“ trägt am deutlichsten seine Handschrift, aber auch „Pistola“, „Smile Lines“ und das epische Thrash-o-Rama „Sick, Sad Little World“ - auf dem auch Einziger virtuos glänzt und mit einem langen, ausführlichen Solo Hendrix zur Ehre gereicht. Dieser Track versinnbildlicht die furchtlose kreative Energie, den beneidenswerten Sinn für Dynamik und den Eklektizismus, der Incubus während der ganzen 58-und-ein-paar-Zerquetschte Minuten von „A Crow Left Of The Murder“ auszeichnet: Es gibt einen Dub-Breakdown, eine Wah-Wah-Gitarre, die durch einen Leslie-Lautsprecher-Kabinett gespielt wird, ein Jungle-Interlude, bei dem die Snare und das Hi-Hat grooven wie ganz Memphis; vertracktes Jazz-Drumming und schließlich noch Einzigers fantastisch abgedrehte Gitarrenarbeit.
Auf den rechten Weg gebracht wurde die ungezügelte Kreativität der Band von Produzent Brendan O’Brien (Pearl Jam, Springsteen, Thorns u.a.), der die Faszination der Musiker für Distortion, Beeps, Boinks und andere ausgewählte Roboter-Geräusche, endgültig auf „elf“ hochschraubte. Das bedeutet natürlich nicht, dass „Crow“ klingt, als sei es in der Fabrik entstanden, in der Roboter hergestellt werden, immerhin mindert der Cello-Part auf „Here In My Room“, der von Incubus-Kollege Suzy Katayama instrumentiert wurde, diesen Eindruck, unterstützt von einigen organischen Elementen auf der gesamten Platte, wie Tambourine und Handclaps, diesen Eindruck. Der Klangstrukturteppich ist durchsetzt von einem scheinbar endlosen Aufgebot an aufwallenden Gitarren, explosivem Schlagzeug, fetten Basslines, solidem, gemeinschaftlichem Songhandwerk und Boyds eindringlichem Gesang. Es ist ganz eindeutig Incubus - nur noch viel mehr davon.
Manch einer wird die Intensität von „A Crow Left Of The Murder” als eine musikalische Antwort zu dem milden Vibe von „Drive” interpretieren. Andere werden die neuerliche Härte der Band in Betracht ziehen, die eine Reaktion auf das gemischte Allerlei namens „Rockstardasein“ ist. Aber die eingeschworenen Fans wird das alles kaum jucken; sie werden ganz einfach glücklich sein, dass ihre Helden nach wir vor jene postmodernen Headbanger-Tunes ´raushauen, die sie ursprünglich vor all den Jahren zu eingeschworenen Fans machte.
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[Editiert durch Nudelllll ein Montag, Oktober 25, 2004 @ 13:44][/size]