Vollständige Version anzeigen: Herbstlieder- und Gedichte - Tipps für Freizeit & Brauchtum - Quizfighter - City



Rike
11.10.2005, 08:31
[ZENTRIEREN]Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.

Flinke Träger springen,
Und die Mädchen singen
Alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
Zwischen hohen Reben
Auf dem Hut von Stroh!

Sieh! Wie hier die Dirne
Emsig Pflaum' und Birne
In ihr Körbchen legt;
Dort, mit leichten Schritten,
Jene goldne Quitten
In den Landhof trägt.

Wie die volle Traube
Aus dem Rebenlaube
Purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
Rot und weiß bemalt.

Geige tönt und Flöte
Bei der Abendröte
Und im Mondenglanz;
Junge Winzerinnen
Winken und beginnen
ihren Erntetanz.

[size=small]Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834)[/size][/ZENTRIEREN]
YaraStar
12.10.2005, 07:36
*

[color=#ff0000][B]Herbsttag[/color]

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

*

DAAS kennen wir ja sicher alle - aber es ist wunderschön ...

Das einfache Grab von Rilke ist übrigens in der Schweiz - im Kanton Wallis (Raron) ...

Ich habs schon gesehen

*
Ruth
13.10.2005, 09:48

*

[ZENTRIEREN]
[B][I]

.

.

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!

Die Luft ist still, als atmete man kaum,

Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,

Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!

Dies ist die Lese, die sie selber hält,

Denn heute löst sich von den Zweigen nur,

Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

.
[/B][/I]

Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)[/ZENTRIEREN]

.

*

Ruth
16.10.2005, 09:46

*

[ZENTRIEREN]
.

[B][I][size=big]

Im Herbst bei kaltem Wetter
fallen vom Baum die Blätter
Donnerwetter,
im Frühjahr dann,
sind sie wieder dran -
sieh mal an.

.

Heinz Ehrhardt

.

[/B][/I][/size][/ZENTRIEREN]

*

guliwa
16.10.2005, 17:53
hier ist mein lieblings-herbstgedicht aus der schulzeit.
in den vorgärten blühen wieder die blauen asternbüsche.
und immer muss ich an die blassen kinder denken....

Verfall

Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart , gleich frommen Pilgerzügen ,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,

Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern ,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.

(Georg Trakl)
- Modified by Octane Software Development | More vB Archives