Vollständige Version anzeigen: Himmelsscheibe von Nebra durchleuchtet - Grenzwissenschaften & Forschung - Axl`s Forum



axl
29.06.2005, 10:14
[B][U]Himmelsscheibe von Nebra durchleuchtet[/U][/B]
[B]Erstmals haben Forscher einen Blick ins Innere der Himmelsscheibe von Nebra geworfen. Ein Computertomograf hat das berühmteste archäologische Fundstück Deutschlands durchleuchtet. Eine echte Überraschung brachte aber erst die Untersuchung zweier Schwerter, die mit der Scheibe gefunden worden waren.[/B]

[img]http://www.spiegel.de/img/0,1020,213697,00.jpg[/img]

Halle - Erstmals haben Experten die 3600 Jahre Himmelsscheibe von Nebra, bei der es sich um die älteste konkrete Darstellung des Firmaments überhaupt handelt, mit einem industriellen Computertomografen durchleuchtet. Der Blick unter die Goldauflagen zeigte, dass die Himmelsscheibe "eine absolute Meisterleistung" ist, schwärmt Rüdiger Bähr, Professor für Gießereitechnik an der Uni Magdeburg. Die Handwerker aus der Bronzezeit hätten ein enormes Wissen über Gusstechnik und Oberflächenbearbeitung besessen.

Die Aufnahmen hätten ferner bewiesen, dass die Scheibe erst gegossen und anschließend geschmiedet worden sei, sagte der Chemiker Christian-Heinrich Wunderlich vom Landesamt für Archäologie in Sachsen-Anhalt. Trotz hoher Kunstfertigkeit seien den bronzezeitlichen Schmieden Fehler unterlaufen. Die Goldauflagen - die ein Schiff, Sonne, Mond, Sterne und die Plejaden als sieben Punkte zeigen - seien auf ihren Rückseiten von Spannungsrissen durchzogen.

Wären Himmelsscheiben in Serie gefertigt worden, sei so etwas wahrscheinlich nicht vorgekommen, so Wunderlich. Die Scheibe sei deshalb mit einiger Sicherheit ein Einzelstück.

[B]"Archäologen auf falscher Fährte"[/B]

Eine echte archäologische Überraschung stellte sich bei der Untersuchung zweier Schwerter ein, die gemeinsam mit der Himmelsscheibe gefunden worden waren. "Die Archäologen waren bisher auf der falschen Fährte", sagte Wunderlich im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die perfekte Oberfläche der Klingen habe manche Experten zu der falschen Vermutung verleitet, die Schwerter seien mit Hilfe irgendeines geheimen Gussverfahrens hergestellt worden.

"Die Klingen sind äußerlich perfekt gearbeitet, aber innerlich völlig durchlöchert", erklärt Wunderlich. Bei den Löchern handele es sich um Gaseinschlüsse, die auf Gussfehler zurückzuführen seien. "Die bronzezeitlichen Schmiede verfügten nicht über moderne Techniken wie den Schleuder- oder den Vakuumguss, sondern waren auf den reinen Schwerkraftguss angewiesen."

Für den Kampf seien die Schwerter deshalb kaum geeignet gewesen. "Das waren reine Prunkschwerter", so Wunderlich. "Im Kampf wären die Klingen sofort zerbrochen." Die Oberfläche sei dagegen enorm aufwändig bearbeitet worden. Tausende Schläge mit winzigen Meißeln hätten Linien ins Metall getrieben, so fein wie die Rillen auf einer Vinyl-Schallplatte - ein Mikro-Schmiedeverfahren, das im Prinzip noch heute Verwendung findet.

[B]CT-Scan widerlegt Fälschungsthese[/B]

Die Untersuchung mit dem Tomografen dürfte nebenbei die umstrittene These widerlegen, die Himmelsscheibe sei eine Fälschung. Im aktuellen Prozess gegen die Raubgräber, die die Himmelsscheibe 1999 auf dem Mittelberg bei Nebra entdeckten, hatte der Regensburger Archäologie-Professor Peter Schauer das Fundstück als dilettantische Fälschung bezeichnet - ohne die Scheibe jemals in den Händen gehalten zu haben.

"Der Scan mit dem Computertomografen hätte Hinweise auf eine Fälschung ergeben können", sagte Wunderlich. "Aber kein ernst zu nehmender Experte hatte überhaupt fundierte Zweifeln an der Echtheit der Scheibe geäußert." Die Fälschungsthese sei nichts weiter als "Spinnerei".

Für die Echtheit der Scheibe sprechen dagegen zahlreiche Gutachten. Archäologen und nicht weniger als 18 Naturwissenschaftler haben die Scheibe im vergangenen Jahr eingehend untersucht. Chemische und mineralogische Analysen, Untersuchungen mit dem Rasterelektronenmikroskop sowie Protonen- und Röntgenstrahlenbeschuss ergaben keine Hinweise, dass die Scheibe in der Neuzeit hergestellt worden sein könnte.
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