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04.09.2003, 20:42
MANNHEIM, 08.01.2003
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Von Hans-Joachim Leyenberg
Die Adler sind die natürlichen Feinde der Feldhamster. Ein Verdrängungswettbewerb, den die Natur so eingerichtet hat. Was das alles mit Sport zu tun hat, zumal in einer Großstadt wie Mannheim? Dazu muß man wissen, daß am Dienstag Baubeginn hätte sein sollen. Baubeginn für die große Multifunktionshalle im Mannheimer Bösfeld. In zwei Jahren wird die "Arena Mannheim" die neue Heimstatt der Mannheimer Adler, einem der Spitzenteams der Deutschen Eishockey Liga, ein "Markenzeichen" für die Region sein. Oberbürgermeister Gerhard Widder hat die Arena voller Vorfreude so charakterisiert. Diese "Jahrhundertinvestition" wird das Eisstadion am Friedrichspark ablösen, das "am Ende seiner Reisezeit angekommen" sei, wie der OB in einem Anflug von Poesie sagte. Für die Erneuerung des Eisstadions fehlten die Mittel, für den Bau einer Multifunktionshalle, "ohne die "Großveranstaltungen an der Rhein-Neckar-Region vorbeigingen", erst recht. Da fügte es sich wunderbar, mit den 65 Millionen Euro, die die Familie Hopp vorschießt, einen Investor für das Arena-Projekt zu haben. Dietmar Hopp, der Mitbegründer des Softwareunternehmens SAP, und sein Sohn Daniel, Hauptgesellschafter der Adler Mannheim GmbH, verlangen das Kapital erst nach dreißig Jahren ohne Zins und Zinseszins zurück. Bis dahin tragen sie auch das Risiko der Betreibergesellschaft für die Arena.
Ein Finanzierungsmodell, um das andere Kommunen die Kurpfälzer beneiden dürften. Die sind dann mindestens in Augenhöhe mit Hamburg ("Color-Line-Arena), Köln ("KölnArena") und Hannover ("Preussag-Arena"). Mit der Baukultur entwickelt sich auch eine Sportkultur, wie die Beispiele mit den Eishockey-"Hometeams" wie Hamburg Freezers, Kölner Haie oder Hannover Scorpions zeigen. Sobald sie ihre Tore für andere Ballsportarten wie Basket- oder Handball öffnen, kommen Spieler wie Zuschauer nicht aus dem Schwärmen heraus. Auf die Kundschaft wirken die neuen Arenen wie ein Magnet.
Nur wer zuversichtlich in die Zukunft blickt, baut. Der Optimismus, die Visionen und die Möglichkeiten der Hopps haben Skeptikern des großen Mannheimer Wurfs nur wenig Angriffsflächen gelassen. Eine sieben Meter hohe Lärmschutzwand soll Anwohner der 15 000 Zuschauer fassenden Arena mit Autobahnanschluß und Anbindung an die Stadtbahn befrieden. Die Bürgerinitiative in der Größenordnung des Kaders eines erstligatauglichen Eishockeyklubs hat ein Normenkontrollverfahren gegen das Projekt eingereicht. Die Teilgenehmigung für Erdaushub und Fundament bleibt davon unberührt.
Bliebe noch die inzwischen im großen und ganzen ausgestandene Geschichte mit den Feldhamstern. Ihr Revier war ausgerechnet jener Standort, der als ideal für die Arena ausgemacht worden war. Die possierlichen Tierchen sind umgesiedelt, auf die andere Seite der A 656. Heimatverbunden, wie die Nager nun einmal sind, kehrten viele immer wieder in die alte Heimat zurück. Per Hand sind sie wieder eingesammelt und zurückgebracht worden. Es wird erzählt, daß die Aktion "Schöner Wohnen", einschließlich verlockender Futterplätze, 500 000 Euro gekostet hat.
Eines gar nicht mehr so fernen Tages werden die Feldhamster nur noch eine Episode aus der Vorzeit der Mannheimer Arena sein, in der - falls Stuttgart den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele erhalten sollte - 2012 auch Handballspiele über das Parkett gehen sollen. Schon heute schmückt sich Mannheim mit dem kommenden Nonplusultra an Multifunktionshalle. Der Frost hat den pünktlichen Baubeginn am Dienstag verhindert. Aber das Tauwetter für den neuen Tempel des Sports hat längst eingesetzt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2003, Nr. 6 / Seite 31
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Von Hans-Joachim Leyenberg
Die Adler sind die natürlichen Feinde der Feldhamster. Ein Verdrängungswettbewerb, den die Natur so eingerichtet hat. Was das alles mit Sport zu tun hat, zumal in einer Großstadt wie Mannheim? Dazu muß man wissen, daß am Dienstag Baubeginn hätte sein sollen. Baubeginn für die große Multifunktionshalle im Mannheimer Bösfeld. In zwei Jahren wird die "Arena Mannheim" die neue Heimstatt der Mannheimer Adler, einem der Spitzenteams der Deutschen Eishockey Liga, ein "Markenzeichen" für die Region sein. Oberbürgermeister Gerhard Widder hat die Arena voller Vorfreude so charakterisiert. Diese "Jahrhundertinvestition" wird das Eisstadion am Friedrichspark ablösen, das "am Ende seiner Reisezeit angekommen" sei, wie der OB in einem Anflug von Poesie sagte. Für die Erneuerung des Eisstadions fehlten die Mittel, für den Bau einer Multifunktionshalle, "ohne die "Großveranstaltungen an der Rhein-Neckar-Region vorbeigingen", erst recht. Da fügte es sich wunderbar, mit den 65 Millionen Euro, die die Familie Hopp vorschießt, einen Investor für das Arena-Projekt zu haben. Dietmar Hopp, der Mitbegründer des Softwareunternehmens SAP, und sein Sohn Daniel, Hauptgesellschafter der Adler Mannheim GmbH, verlangen das Kapital erst nach dreißig Jahren ohne Zins und Zinseszins zurück. Bis dahin tragen sie auch das Risiko der Betreibergesellschaft für die Arena.
Ein Finanzierungsmodell, um das andere Kommunen die Kurpfälzer beneiden dürften. Die sind dann mindestens in Augenhöhe mit Hamburg ("Color-Line-Arena), Köln ("KölnArena") und Hannover ("Preussag-Arena"). Mit der Baukultur entwickelt sich auch eine Sportkultur, wie die Beispiele mit den Eishockey-"Hometeams" wie Hamburg Freezers, Kölner Haie oder Hannover Scorpions zeigen. Sobald sie ihre Tore für andere Ballsportarten wie Basket- oder Handball öffnen, kommen Spieler wie Zuschauer nicht aus dem Schwärmen heraus. Auf die Kundschaft wirken die neuen Arenen wie ein Magnet.
Nur wer zuversichtlich in die Zukunft blickt, baut. Der Optimismus, die Visionen und die Möglichkeiten der Hopps haben Skeptikern des großen Mannheimer Wurfs nur wenig Angriffsflächen gelassen. Eine sieben Meter hohe Lärmschutzwand soll Anwohner der 15 000 Zuschauer fassenden Arena mit Autobahnanschluß und Anbindung an die Stadtbahn befrieden. Die Bürgerinitiative in der Größenordnung des Kaders eines erstligatauglichen Eishockeyklubs hat ein Normenkontrollverfahren gegen das Projekt eingereicht. Die Teilgenehmigung für Erdaushub und Fundament bleibt davon unberührt.
Bliebe noch die inzwischen im großen und ganzen ausgestandene Geschichte mit den Feldhamstern. Ihr Revier war ausgerechnet jener Standort, der als ideal für die Arena ausgemacht worden war. Die possierlichen Tierchen sind umgesiedelt, auf die andere Seite der A 656. Heimatverbunden, wie die Nager nun einmal sind, kehrten viele immer wieder in die alte Heimat zurück. Per Hand sind sie wieder eingesammelt und zurückgebracht worden. Es wird erzählt, daß die Aktion "Schöner Wohnen", einschließlich verlockender Futterplätze, 500 000 Euro gekostet hat.
Eines gar nicht mehr so fernen Tages werden die Feldhamster nur noch eine Episode aus der Vorzeit der Mannheimer Arena sein, in der - falls Stuttgart den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele erhalten sollte - 2012 auch Handballspiele über das Parkett gehen sollen. Schon heute schmückt sich Mannheim mit dem kommenden Nonplusultra an Multifunktionshalle. Der Frost hat den pünktlichen Baubeginn am Dienstag verhindert. Aber das Tauwetter für den neuen Tempel des Sports hat längst eingesetzt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2003, Nr. 6 / Seite 31