Vollständige Version anzeigen: Feldhamster im Bösfeld halten Arena-Planer auf Trab - Tierisches - MArena - Die inoffizielle Site zur Mannheim Arena



Admin
07.09.2003, 01:41
Landesanstalt für Umweltschutz arbeitet an Gesamtkonzept für den Artenschutz / Ausgleichszahlungen an Bauern werden teuer

Während die Feldhamster im Bösfeld Winterschlaf halten, können sich die Arena-Planer im Rathaus derzeit nicht auf die faule Haut legen. Jetzt hat sich die Landesanstalt für Umweltschutz (LfU) eingeschaltet, damit der kleine, von der europäischen "Flora und Fauna Habitat"-Richtlinie streng geschützte Nager nicht in letzter Minute das ehrgeizige Multifunktionshallen-Projekt noch untergräbt.

Vom Hallenbau sind drei Hamsterfamilien direkt betroffen, acht pelzige Clans haben sich dort eingegraben, wo bald Parkplätze entstehen sollen. Bevor allerdings die Bagger anrollen können, um für Investor Dietmar Hopp und seine Eishockey-Adler die Arena zu bauen, muss das Regierungspräsidium erst eine "naturschutzrechtliche Befreiung" für das Gelände erteilen. Doch mittlerweile sind auch in den Bereichen Heidelberg, Ladenburg und Heddesheim sowie auf dem geplanten Ikea-Areal bei Sandhofen Hamster-Behausungen entdeckt worden. Deshalb fordert die Europäische Union nun ein umfangreiches Artenschutzprogramm des Landes für das gesamte Verbreitungsgebiet in Nordbaden - sonst droht ein Veto aus Brüssel. Unter diesem Damoklesschwert arbeitet die Stadt seit Monaten an einem Konzept zum Hamsterschutz. Die EU fordert, dass Baden-Württemberg mit einsteigt und beauftragte die LfU. Die Landesanstalt will bis Ende 2002 Lösungsvorschläge erarbeiten.

Sowohl Josef Krah vom Fachbereich Umweltschutz in Mannheim wie auch der Biologe Dr. Michael Waitzmann von der LfU sehen in der Zusammenarbeit nichts Besonderes. Von der Stadt werden derzeit Verträge mit Landwirten abgeschlossen, die den Tieren ausreichend Futtermöglichkeiten garantieren sollen. "Wir müssen Bauern finden, die sich freiwillig für eine hamsterfreundlich Bewirtschaftung ihrer Felder zur Verfügung stellen", ergänzt Waitzmann. Konkret bedeute dies, dass Stoppeln nicht gleich nach der Ernte untergepflügt werden. So können Jungtiere ausreichend Nahrung finden. Artgerecht sei auch, wenn ein Ackerstreifen nicht abgeerntet werde. Außerdem sollen die Landwirte überzeugt werden, statt Mais oder Getreide besser Futterklee anzubauen. "Hauptsache für die Hamster gilt: Tischlein deck dich", witzelt Krah.

Sowohl der kommunale Naturschützer wie auch Waitzmann sind sich klar darüber, dass die Agronomen dies nicht allein aus Tierliebe tun werden. In einem internen Schreiben der Stadt an das Ministerium in Stuttgart heißt es: "Die Verträge mit den Bauern liegen zum Teil weit über den finanziellen Möglichkeiten der Landschaftspflegerichtlinien." Doch die Zeit dränge, man sehe sich zu Vorableistungen an die Landwirte gezwungen, weil der Investor der Multifunktionshalle auf eine rasche Realisierung dränge.

Obwohl Mannheim möglicherweise hier hohe Auszahlungen drohen, gibt sich Waitzmann gelassen: "Das kriegen wir hin." Auch Krah sagt dem "MM" offiziell, dass er in Sachen Feldhamster mit keinen finanziellen Mehrbelastungen rechne. Allein für die "naturschutzrechtlichen Belange" rund um die Arena sind in der städtischen Finanzplanung 2003 bis 2005 derzeit rund 1,02 Millionen Euro vorgesehen.

© Mannheimer Morgen – 09.11.2002
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