Wolfskatze
19.02.2005, 17:53
[IMG]http://img.photobucket.com/albums/v663/Wolfskatze/31d2bb22.jpg[/IMG]
Hauptseite der Aktion existiert nicht mehr.
Heiden gegen Nazis
Ich habe hier 'ne Seite mit meiner persönlichen Meinungsäusserung gemacht, weil ich denke, es ist einfach nicht genug, sich den "Heiden gegen Nazis" - Banner vorn auf die Startseite zu pappen und damit sich distanziert zu haben, von Anfang an klingt das so wie das obligatorische "Ja dann distanziern' wer uns mal und denken nicht weiter drüber nach".
Ich pflege, nachzudenken und hier gibt es die Ergebnisse meiner Nachdenkerei.
Es wird keiner ernsthaft bestreiten, dass neues Heidentum, besonders das der germanischen Spielart, im deutschsprachigen Raum auf eine von Rassismus und Nationalismus geprägte Geschichte zurückblicken kann. Das ging im 19. Jahrhundert so richtig los, lustigerweise genauso die Indianertümelei, von der wir eine Quelle heute noch fast alle im Original gelesen haben: Karl-May. Karl May, du heimlicher Lehrer in Rassenkunde meiner Kindertage.. Karl May, der schreibt, dass die Deutschen und die Indianer am edelsten sind, dann kommen die restlichen Weissen, dann kommen die strohdumm, aber als harmlos karikierten Schwarzen, und am Ende die gerissenen, stets geldgierigen Juden.
Der "edle Wilde" war ein beliebtes Motiv damals, und die Ethnologen schwankten auch zwischen dem "edlen Wilden" und dem "primitiven Barbaren".
Nun, der edle Wilde lag leider so fern - oder etwa doch nicht? Nein, der edle Wilde steckte auch in Einem selber, und so schwärmten die Volkskundler aus, um jenseits der Städte die Bauern zu fotografieren. Und nach den "Germanen" zu suchen.
Eigentlich ist die Geschichte viel länger, aber für alles hab ich hier keinen Platz. Stellt euch dieses Paradigma vor: Der städtische, moderne Mensch, der "Masse", die Anonymität, das Chaos, die Kriminalität, die grosse "Maschine" steht dem "edlen Wilden" gegenüber, der Landbevölkerung, die freie Natur, die Menschen im Einklang mit ihr, gemischt mit der Würze von germanischen Bräuchen..
Wie kommt nun da der Rassismus rein? Nunja.. man kanns anhand von Quellen nachvollziehen, wozu dieses Bild, das man sich da erschaffen hat, von den "germanischen Deutschen", damals gut war. Wir befinden uns noch im 19. Jahrhundert, der Erbfeind Frankreich direkt nebenan.. damals wurde die Germanentümelei vor allem dazu benutzt, um aus dem bisher nicht so klaren Bild von Deutschland, und den Deutschen etwas zu machen, was man irgendwie als homogenes Volk bezeichnen könnte, um auch eine Linie ziehen zu können, warum "wir" nun so anders sind, als zb die Franzosen. Es waren also nicht bloss ein paar Rassentümler, die am Rad drehten, sondern das zog schon weitere Kreise. Turnvadder Jahn und ein paar Kumpels von demselben erfanden die "deutsche Tradition" und zogen auf Tingeltour durchs Land, und erzogen die Deutschen zum Deutschsein.. und ermunterten die Leute, Trachtengruppen, Turnvereine, und Brauchtumspflegegruppen zu gründen. Ok, das wäre eher Nationalismus gewesen, aber wie kamen die Jungs damals auf die Idee, dass zb. Juden gar nicht so dazugehören? Wieso in aller Welt waren die nun, wo die Religion als Unterscheidungsmerkmal out war, trotzdem noch aussen vor?
Auf jeden Fall hat das Paradigma vom "deutschen edlen Bauern" ganz schön Folgen gehabt.. wenn wir uns mal vorstellen, daß zb. die Juden im Mittelalter und der früen Neuzeit deswegen verfolgt wurden, weil sie eben keine Christen waren, sondern eine religiöse Minderheit in einer ansonsten religiös homogenen Gesellschaft, so gab es jetzt mehr und mehr einen anderen Grund.. nicht weil sie keine Christen waren, sondern weil sie keine Deutschen waren. Wieso eigentlich nicht? Weil dieses Bild vom "Deutschen", welches gerade erfunden wurde, als Abgrenzung zu Anderen immer mehr sowas wie 'ne deutsche Essenz entwickelte, irgendwo hatten die Deutschen plötzlich was "im Blut". Die deutsche Ehrlichkeit, Einfachheit, Tüchtigkeit, das schwamm den Deutschen plötzlich im Blut herum und stieg ihnen ins Gehirn.
Nun hatten sie zwei Grenzen, die Deutschen: Eine da am Rhein, wo die Franzosen waren, die lebenslustigen, liederlichen, emotionalen, jähzornigen, verschlagenen Franzosen, während sie selbst ernst waren, und eine "tiefe Seele" hatten, eher ruhig und grundehrlich und beharrlich (auch hier kriegt man's mit Karl May ganz gut rüber, was die Deutschen damals von sich selber hielten), und im eigenen Land hatten sie die Grenze zwischen Stadt und Land, und auf dem Land - da blühte die deutsche Seele, und in der Stadt hockte die Industrie, die Massenmenschen, der Kapitalismus, und da wurden die Juden einsortiert.
Zwei Grenzen.. wir befinden uns noch im 19. Jahrhundert. Aber das Interessante daran ist eben die Grenze, wo verläuft sie denn, zwischen wem, wo ist das "Eigene" und wo ist das "Fremde"? Ich will mal gar nicht abstreiten, dass es das Eigene und das Fremde immer geben wird. Ich denke es wird auch immer Grenzen geben, gedachte Grenzen und reale Grenzen. Am Beispiel vom eigenen Land und dem fremden Land kann man ganz gut zeigen, wie Grenzen im Kopf entstehen. Heutzutage wächst Europa zusammen und Frankreich ist nicht mehr der "Erbfeind" - es kommt uns sogar komisch vor, wenn man liest, was den Franzosen damals alles so angedichtet wurde. Die Grenze zwischen Stadt und Land ist auch nicht mehr dieselbe wie damals im 19. Jahrhundert. Heute wird das Urbane, moderne, die Globalisierung eher mit den USA und MacDonalds symbolisiert.
Die erste Grenze - Kultur
Der Knackpunkt für mich ist aber, dass es die Grenze zwischen Nationen und die Grenze zwischen der Natur und der Konsumkultur noch immer ganz stark in den Köpfen vieler moderner Neuheiden gibt. Und gerade die Grenze zwischen "Völkern" wird von den eher rechtskonservativ eingestellten Menschen mit verschiedenen feststehenden Eigenschaften festzementiert. Die einen sind halt so, die anderen sind halt so. Und das vertrage sich nicht. Komischerweise wird es immer moderner, diese Eigenschaften mit "Kultur" zu umschreiben. "Das ist halt eine andere Kultur". Dabei wird aber "Kultur" als ein so feststehender Begriff benutzt, als wäre man in einer unwandelbaren Kultur geboren und diese würde an einem kleben, die würde einem in den Knochen stecken, unter der Haut und auf der Haut. Die Kultur wird in die Haut geritzt. Am Ende sieht man an der Haut die Kultur. Dann sieht man am Körper die angebliche Kultur, und plötzlich ist es so, man sagt "Kultur" und man meint aber "Rasse", so sehr hat man sich vorgestellt, dass die Kultur auf der Haut eingebrannt ist. Man sagt "Jedes Volk hat eine eigene Kultur und wir auch, und wir werden überfremdet" und meint "Wir sind hier blonde mit weisser Haut, auf dunkle Haut kann man unsere Kultur nicht draufkleben."
Die zweite Grenze - Natur/Zivilisation
Wir sortieren uns als Heiden natürlich auf die Seite der Natur ein. Wir sind die edlen Wilden. Und die Zivilisation und die Wurzel allen Übels, die kam natürlich vom Christentum. Und später kam dann noch die Industrialisierung, die Naturzerstörung, der Ausverkauf, die Globalisierung. Und die edlen Wilden sind natürlich Eingeborene, und dann gehen manche daher und sagen, wir wären als weisse Europäer Eingeborene, die bedroht wären, von Immigration. Wo sie uns doch gemeinerweise schon unsere heidnische Religion weggenommen haben. Wenn man manche eher rechtsgerichteten Leut so reden hört - äh, schreiben liest - kann man das Gefühl kriegen, dass die Europäer ganz oben auf die Liste bedrohter Völker gehören. Ich frage mich halt, sitzen die etwa nicht vorm Computer, sind sie etwa nicht selber Teil der Zivilisation, die sie so verabscheuen? Nein, nein, sie doch nicht. Sie sind aufrechte eingeborene Heiden, die die alten Götter wieder verehren wie es ihre Vorfahren taten, und wie es ihrer Rasse gemäss im Blut liegt, und die in Leuten, die von einem Land ins andere umziehen, eine Art Invasion sehen. Jeder soll doch bitte da wohnen wo seine "Kultur" (im Sinne von Rasse) herstammt, und jeder soll dort gefälligst die eigenen Götter verehren, und es soll ja kein Europäer eine Kali in Europa verehren und es soll auch bitteschön kein Afrikaner in Odins Hoheitsgebiet einreisen - so ungefähr.
Alle in einen Topf?
Natürlich nicht!
Es ist schon wahr, dass viele denken, alle Asatru (Anhänger germanischen Neuheidentums) zb. wären rechts unterwegs. Das nimmt aber immer mehr ab, nicht zuletzt weil sich immer mehr Leute damit beschäftigen und eben nicht nur die traditionellen Gruppen die irgendwann in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts entstanden, sich durch die Nazi-Zeit durchdümpelten und nach dem 2. Weltkrieg fröhlich weiter-vereinsmeierten.
Durch die rechtsgerichtete Tradition und die Tatsache, dass eben extrem viele "Erstlingswerke" auf dem Gebiet aus der "Ariosophie" (den Begriff mal bitte in Suchmaschinen nachschlagen) gewachsen sind, kam halt eine ziemliche Vermischung von rechtem Gedankengut und "unschuldigem" Neuheidentum zustande, zumindest bei denjenigen die solche Dinge gerne unreflektiert nachlabern. Vielleicht wars in der Vergangenheit wirklich so, dass Menschen die eben diese Natursehnsucht hatten und sich gerne mit der vorchristlichen Religion ihres Landstrichs befassen wollten, durch das rechte Übergewicht ungewollt anpolitisiert wurden. Aber letztlich kann's dafür kein Mitleid geben; der Mensch hat zum Denken ein Gehirn, oder nicht?
Alles in Allem plädiere ich NICHT dafür, zu sagen "Och Heidentum ist per se unpolitisch" weil genau diese Weggucker-Mentalität es erlaubt, blind in die Fallen von unterschwellig rechtem Gedankengut zu tappen. Nur wer die politische Wirkung von öffentlichen Äusserungen, Weltbildern und Utopien nicht ableugnet, kann sie überhaupt erst erkennen.
Was ich genauso affig finde, ist die "Kontaktschuldmethode" - "der hat mit dem Kontakt und ist deswegen ein Rechter" - sondern wenn, muss man sich schon inhaltlich damit auseinandersetzen, und dann urteilen.
Letztendlich kann so ein "Heiden gegen Nazis" - Banner auf der eigenen Homepage überhaupt keine Garantie dafür sein, dass inhaltlich kein Mist geschrieben wird. Letztendlich ist dieses Banner vielleicht sogar eine oberflächliche Irreführung. *gg* Ich habe es trotzdem auf meiner Seite, auch wenn ich die Erklärung der Urheber der Aktion nicht besonders mittrage, da auch dort mit der generellen Politikferne des Heidentums argumentiert wird. Ich habe es trotzdem auf der Seite weil ich einfach damit platt formuliert diese Öffentlichkeitsarbeit für "kleine Geister" mitmache, die nur oberflächlich hinglotzen. Und weil es für mich eine Art "Mini-Demo" im Internet ist, und auf Demonstrationsplakate kann man halt keine wissenschaftlichen Abhandlungen schreiben sondern muss sich kurz und knapp halten, zu Lasten der "Zwischentöne".
Originaltext von hier entnommen:
http://www.spiritvoices.de/knistern/gegenrechts.html
Hauptseite der Aktion existiert nicht mehr.
Heiden gegen Nazis
Ich habe hier 'ne Seite mit meiner persönlichen Meinungsäusserung gemacht, weil ich denke, es ist einfach nicht genug, sich den "Heiden gegen Nazis" - Banner vorn auf die Startseite zu pappen und damit sich distanziert zu haben, von Anfang an klingt das so wie das obligatorische "Ja dann distanziern' wer uns mal und denken nicht weiter drüber nach".
Ich pflege, nachzudenken und hier gibt es die Ergebnisse meiner Nachdenkerei.
Es wird keiner ernsthaft bestreiten, dass neues Heidentum, besonders das der germanischen Spielart, im deutschsprachigen Raum auf eine von Rassismus und Nationalismus geprägte Geschichte zurückblicken kann. Das ging im 19. Jahrhundert so richtig los, lustigerweise genauso die Indianertümelei, von der wir eine Quelle heute noch fast alle im Original gelesen haben: Karl-May. Karl May, du heimlicher Lehrer in Rassenkunde meiner Kindertage.. Karl May, der schreibt, dass die Deutschen und die Indianer am edelsten sind, dann kommen die restlichen Weissen, dann kommen die strohdumm, aber als harmlos karikierten Schwarzen, und am Ende die gerissenen, stets geldgierigen Juden.
Der "edle Wilde" war ein beliebtes Motiv damals, und die Ethnologen schwankten auch zwischen dem "edlen Wilden" und dem "primitiven Barbaren".
Nun, der edle Wilde lag leider so fern - oder etwa doch nicht? Nein, der edle Wilde steckte auch in Einem selber, und so schwärmten die Volkskundler aus, um jenseits der Städte die Bauern zu fotografieren. Und nach den "Germanen" zu suchen.
Eigentlich ist die Geschichte viel länger, aber für alles hab ich hier keinen Platz. Stellt euch dieses Paradigma vor: Der städtische, moderne Mensch, der "Masse", die Anonymität, das Chaos, die Kriminalität, die grosse "Maschine" steht dem "edlen Wilden" gegenüber, der Landbevölkerung, die freie Natur, die Menschen im Einklang mit ihr, gemischt mit der Würze von germanischen Bräuchen..
Wie kommt nun da der Rassismus rein? Nunja.. man kanns anhand von Quellen nachvollziehen, wozu dieses Bild, das man sich da erschaffen hat, von den "germanischen Deutschen", damals gut war. Wir befinden uns noch im 19. Jahrhundert, der Erbfeind Frankreich direkt nebenan.. damals wurde die Germanentümelei vor allem dazu benutzt, um aus dem bisher nicht so klaren Bild von Deutschland, und den Deutschen etwas zu machen, was man irgendwie als homogenes Volk bezeichnen könnte, um auch eine Linie ziehen zu können, warum "wir" nun so anders sind, als zb die Franzosen. Es waren also nicht bloss ein paar Rassentümler, die am Rad drehten, sondern das zog schon weitere Kreise. Turnvadder Jahn und ein paar Kumpels von demselben erfanden die "deutsche Tradition" und zogen auf Tingeltour durchs Land, und erzogen die Deutschen zum Deutschsein.. und ermunterten die Leute, Trachtengruppen, Turnvereine, und Brauchtumspflegegruppen zu gründen. Ok, das wäre eher Nationalismus gewesen, aber wie kamen die Jungs damals auf die Idee, dass zb. Juden gar nicht so dazugehören? Wieso in aller Welt waren die nun, wo die Religion als Unterscheidungsmerkmal out war, trotzdem noch aussen vor?
Auf jeden Fall hat das Paradigma vom "deutschen edlen Bauern" ganz schön Folgen gehabt.. wenn wir uns mal vorstellen, daß zb. die Juden im Mittelalter und der früen Neuzeit deswegen verfolgt wurden, weil sie eben keine Christen waren, sondern eine religiöse Minderheit in einer ansonsten religiös homogenen Gesellschaft, so gab es jetzt mehr und mehr einen anderen Grund.. nicht weil sie keine Christen waren, sondern weil sie keine Deutschen waren. Wieso eigentlich nicht? Weil dieses Bild vom "Deutschen", welches gerade erfunden wurde, als Abgrenzung zu Anderen immer mehr sowas wie 'ne deutsche Essenz entwickelte, irgendwo hatten die Deutschen plötzlich was "im Blut". Die deutsche Ehrlichkeit, Einfachheit, Tüchtigkeit, das schwamm den Deutschen plötzlich im Blut herum und stieg ihnen ins Gehirn.
Nun hatten sie zwei Grenzen, die Deutschen: Eine da am Rhein, wo die Franzosen waren, die lebenslustigen, liederlichen, emotionalen, jähzornigen, verschlagenen Franzosen, während sie selbst ernst waren, und eine "tiefe Seele" hatten, eher ruhig und grundehrlich und beharrlich (auch hier kriegt man's mit Karl May ganz gut rüber, was die Deutschen damals von sich selber hielten), und im eigenen Land hatten sie die Grenze zwischen Stadt und Land, und auf dem Land - da blühte die deutsche Seele, und in der Stadt hockte die Industrie, die Massenmenschen, der Kapitalismus, und da wurden die Juden einsortiert.
Zwei Grenzen.. wir befinden uns noch im 19. Jahrhundert. Aber das Interessante daran ist eben die Grenze, wo verläuft sie denn, zwischen wem, wo ist das "Eigene" und wo ist das "Fremde"? Ich will mal gar nicht abstreiten, dass es das Eigene und das Fremde immer geben wird. Ich denke es wird auch immer Grenzen geben, gedachte Grenzen und reale Grenzen. Am Beispiel vom eigenen Land und dem fremden Land kann man ganz gut zeigen, wie Grenzen im Kopf entstehen. Heutzutage wächst Europa zusammen und Frankreich ist nicht mehr der "Erbfeind" - es kommt uns sogar komisch vor, wenn man liest, was den Franzosen damals alles so angedichtet wurde. Die Grenze zwischen Stadt und Land ist auch nicht mehr dieselbe wie damals im 19. Jahrhundert. Heute wird das Urbane, moderne, die Globalisierung eher mit den USA und MacDonalds symbolisiert.
Die erste Grenze - Kultur
Der Knackpunkt für mich ist aber, dass es die Grenze zwischen Nationen und die Grenze zwischen der Natur und der Konsumkultur noch immer ganz stark in den Köpfen vieler moderner Neuheiden gibt. Und gerade die Grenze zwischen "Völkern" wird von den eher rechtskonservativ eingestellten Menschen mit verschiedenen feststehenden Eigenschaften festzementiert. Die einen sind halt so, die anderen sind halt so. Und das vertrage sich nicht. Komischerweise wird es immer moderner, diese Eigenschaften mit "Kultur" zu umschreiben. "Das ist halt eine andere Kultur". Dabei wird aber "Kultur" als ein so feststehender Begriff benutzt, als wäre man in einer unwandelbaren Kultur geboren und diese würde an einem kleben, die würde einem in den Knochen stecken, unter der Haut und auf der Haut. Die Kultur wird in die Haut geritzt. Am Ende sieht man an der Haut die Kultur. Dann sieht man am Körper die angebliche Kultur, und plötzlich ist es so, man sagt "Kultur" und man meint aber "Rasse", so sehr hat man sich vorgestellt, dass die Kultur auf der Haut eingebrannt ist. Man sagt "Jedes Volk hat eine eigene Kultur und wir auch, und wir werden überfremdet" und meint "Wir sind hier blonde mit weisser Haut, auf dunkle Haut kann man unsere Kultur nicht draufkleben."
Die zweite Grenze - Natur/Zivilisation
Wir sortieren uns als Heiden natürlich auf die Seite der Natur ein. Wir sind die edlen Wilden. Und die Zivilisation und die Wurzel allen Übels, die kam natürlich vom Christentum. Und später kam dann noch die Industrialisierung, die Naturzerstörung, der Ausverkauf, die Globalisierung. Und die edlen Wilden sind natürlich Eingeborene, und dann gehen manche daher und sagen, wir wären als weisse Europäer Eingeborene, die bedroht wären, von Immigration. Wo sie uns doch gemeinerweise schon unsere heidnische Religion weggenommen haben. Wenn man manche eher rechtsgerichteten Leut so reden hört - äh, schreiben liest - kann man das Gefühl kriegen, dass die Europäer ganz oben auf die Liste bedrohter Völker gehören. Ich frage mich halt, sitzen die etwa nicht vorm Computer, sind sie etwa nicht selber Teil der Zivilisation, die sie so verabscheuen? Nein, nein, sie doch nicht. Sie sind aufrechte eingeborene Heiden, die die alten Götter wieder verehren wie es ihre Vorfahren taten, und wie es ihrer Rasse gemäss im Blut liegt, und die in Leuten, die von einem Land ins andere umziehen, eine Art Invasion sehen. Jeder soll doch bitte da wohnen wo seine "Kultur" (im Sinne von Rasse) herstammt, und jeder soll dort gefälligst die eigenen Götter verehren, und es soll ja kein Europäer eine Kali in Europa verehren und es soll auch bitteschön kein Afrikaner in Odins Hoheitsgebiet einreisen - so ungefähr.
Alle in einen Topf?
Natürlich nicht!
Es ist schon wahr, dass viele denken, alle Asatru (Anhänger germanischen Neuheidentums) zb. wären rechts unterwegs. Das nimmt aber immer mehr ab, nicht zuletzt weil sich immer mehr Leute damit beschäftigen und eben nicht nur die traditionellen Gruppen die irgendwann in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts entstanden, sich durch die Nazi-Zeit durchdümpelten und nach dem 2. Weltkrieg fröhlich weiter-vereinsmeierten.
Durch die rechtsgerichtete Tradition und die Tatsache, dass eben extrem viele "Erstlingswerke" auf dem Gebiet aus der "Ariosophie" (den Begriff mal bitte in Suchmaschinen nachschlagen) gewachsen sind, kam halt eine ziemliche Vermischung von rechtem Gedankengut und "unschuldigem" Neuheidentum zustande, zumindest bei denjenigen die solche Dinge gerne unreflektiert nachlabern. Vielleicht wars in der Vergangenheit wirklich so, dass Menschen die eben diese Natursehnsucht hatten und sich gerne mit der vorchristlichen Religion ihres Landstrichs befassen wollten, durch das rechte Übergewicht ungewollt anpolitisiert wurden. Aber letztlich kann's dafür kein Mitleid geben; der Mensch hat zum Denken ein Gehirn, oder nicht?
Alles in Allem plädiere ich NICHT dafür, zu sagen "Och Heidentum ist per se unpolitisch" weil genau diese Weggucker-Mentalität es erlaubt, blind in die Fallen von unterschwellig rechtem Gedankengut zu tappen. Nur wer die politische Wirkung von öffentlichen Äusserungen, Weltbildern und Utopien nicht ableugnet, kann sie überhaupt erst erkennen.
Was ich genauso affig finde, ist die "Kontaktschuldmethode" - "der hat mit dem Kontakt und ist deswegen ein Rechter" - sondern wenn, muss man sich schon inhaltlich damit auseinandersetzen, und dann urteilen.
Letztendlich kann so ein "Heiden gegen Nazis" - Banner auf der eigenen Homepage überhaupt keine Garantie dafür sein, dass inhaltlich kein Mist geschrieben wird. Letztendlich ist dieses Banner vielleicht sogar eine oberflächliche Irreführung. *gg* Ich habe es trotzdem auf meiner Seite, auch wenn ich die Erklärung der Urheber der Aktion nicht besonders mittrage, da auch dort mit der generellen Politikferne des Heidentums argumentiert wird. Ich habe es trotzdem auf der Seite weil ich einfach damit platt formuliert diese Öffentlichkeitsarbeit für "kleine Geister" mitmache, die nur oberflächlich hinglotzen. Und weil es für mich eine Art "Mini-Demo" im Internet ist, und auf Demonstrationsplakate kann man halt keine wissenschaftlichen Abhandlungen schreiben sondern muss sich kurz und knapp halten, zu Lasten der "Zwischentöne".
Originaltext von hier entnommen:
http://www.spiritvoices.de/knistern/gegenrechts.html