Supercoach
10.07.2003, 15:52
Das Leben 2010
Es ist Mittwoch, der 25. Juni 2010, 5 Uhr morgens. Der Radiowecker reißt
Günther S. (46) aus dem Schlaf. Der Oldie-Sender spielt Modern Talking. Herr
S. quält sich aus dem Bett. Gestern ist es etwas später geworden.
Bei der Arbeit. Dienst am Pfingstsonntag - mal wieder. Früher konnte er
danach wenigstens ausschlafen. "Ja ja, der Pfingstmontag", murmelt Herr
S.,"ist das wirklich schon sieben Jahre her?"
Es hat sich wirklich einiges getan seit damals. Nur nicht in seinem Haus.
Als 2005 die Eigenheimzulage plötzlich doch gestrichen wurde, mussten sie
eben Abstriche machen. Und inzwischen hat sich Familie S. an die frei
liegenden Leitungen, den Betonfußboden gewöhnt. Gut, denkt Herr S., dass
damals die Garage noch nicht fertig war. Denn der Wagen ist längst verkauft.
Zu teuer, seit es keine Kilometerpauschale mehr gibt. Und mit Bus und Bahn
dauert es in die City ja auch nur zwei Stunden. Und was man dabei für nette
Leute trifft. Zum Beispiel die Blondine, die Herrn S. immer so reizend
anlächelt. Zurücklächeln mag er nicht. Wegen seiner Zähne. Aber was will man
machen? 3000 Euro für zwei Kronen sind viel Geld. Und schon die Brille
musste er selbst bezahlen. Hat dabei aber 15 Euro gespart. Weil er nicht
gleich zum Augen-, sondern erst zum Hausarzt gegangen ist. Wegen der
Überweisung.
Trotzdem: Der Urlaub fällt flach. "Das könnte Ärger geben zu Hause", stöhnt
Herr S. vor sich hin.
Traurig erinnert er sich an letzte Weihnachten. Als es nichts gab. 2009
wurde nämlich auch in der freien Wirtschaft das Weihnachtsgeld gestrichen.
Im öffentlichen Dienst ist das ja schon länger her. "Und bis wann gab's
eigentlich Urlaubsgeld?", fragt sich Herr S.- er kommt nicht drauf. Damals
hatte man jedenfalls noch genügend Urlaub, um das Urlaubsgeld auszugeben.
Heute sinds ja gerade mal 15 Tage im Jahr. Pfingstmontag? 1.
Mai? Geschichte. Das stand nicht auf der Agenda 2010 - so hieß sie doch,
oder? Aber man soll nicht meckern. Die da oben, weiß Herr S., müssen noch
viel mehr ackern.
Darum kann Günther S. mit der 50-Stunden-Woche auch ganz gut leben. Er hat
auch keine Wahl. Seit der Kündigungsschutz auch in großen Betrieben
gelockert wurde, mag man es sich mit den Bossen nicht mehr verscherzen. Wer
will sich schon einreihen in das Heer von zwölf Millionen Arbeitslosen?
Aber den Feiertagszuschlag für den Dienst an Pfingsten vermisst er schon.
Was soll's, in 24 Jahren hat Herr S. es hinter sich. So üppig wird die Rente
zwar nicht ausfallen, wenn das mit den Nullrunden so weitergeht. Doch wer
weiß: Vielleicht bringt ihn das Rauchen vorher um. Obwohl er weniger qualmt,
seit die Schachtel neun Euro kostet. Aber heute, auf den letzten Metern zum
Büro, steckt Günther S. sich trotzdem eine an. "Mit der
50-Stunden-Woche kann man leben....man hat ja auch keine Wahl ..."
Es ist Mittwoch, der 25. Juni 2010, 5 Uhr morgens. Der Radiowecker reißt
Günther S. (46) aus dem Schlaf. Der Oldie-Sender spielt Modern Talking. Herr
S. quält sich aus dem Bett. Gestern ist es etwas später geworden.
Bei der Arbeit. Dienst am Pfingstsonntag - mal wieder. Früher konnte er
danach wenigstens ausschlafen. "Ja ja, der Pfingstmontag", murmelt Herr
S.,"ist das wirklich schon sieben Jahre her?"
Es hat sich wirklich einiges getan seit damals. Nur nicht in seinem Haus.
Als 2005 die Eigenheimzulage plötzlich doch gestrichen wurde, mussten sie
eben Abstriche machen. Und inzwischen hat sich Familie S. an die frei
liegenden Leitungen, den Betonfußboden gewöhnt. Gut, denkt Herr S., dass
damals die Garage noch nicht fertig war. Denn der Wagen ist längst verkauft.
Zu teuer, seit es keine Kilometerpauschale mehr gibt. Und mit Bus und Bahn
dauert es in die City ja auch nur zwei Stunden. Und was man dabei für nette
Leute trifft. Zum Beispiel die Blondine, die Herrn S. immer so reizend
anlächelt. Zurücklächeln mag er nicht. Wegen seiner Zähne. Aber was will man
machen? 3000 Euro für zwei Kronen sind viel Geld. Und schon die Brille
musste er selbst bezahlen. Hat dabei aber 15 Euro gespart. Weil er nicht
gleich zum Augen-, sondern erst zum Hausarzt gegangen ist. Wegen der
Überweisung.
Trotzdem: Der Urlaub fällt flach. "Das könnte Ärger geben zu Hause", stöhnt
Herr S. vor sich hin.
Traurig erinnert er sich an letzte Weihnachten. Als es nichts gab. 2009
wurde nämlich auch in der freien Wirtschaft das Weihnachtsgeld gestrichen.
Im öffentlichen Dienst ist das ja schon länger her. "Und bis wann gab's
eigentlich Urlaubsgeld?", fragt sich Herr S.- er kommt nicht drauf. Damals
hatte man jedenfalls noch genügend Urlaub, um das Urlaubsgeld auszugeben.
Heute sinds ja gerade mal 15 Tage im Jahr. Pfingstmontag? 1.
Mai? Geschichte. Das stand nicht auf der Agenda 2010 - so hieß sie doch,
oder? Aber man soll nicht meckern. Die da oben, weiß Herr S., müssen noch
viel mehr ackern.
Darum kann Günther S. mit der 50-Stunden-Woche auch ganz gut leben. Er hat
auch keine Wahl. Seit der Kündigungsschutz auch in großen Betrieben
gelockert wurde, mag man es sich mit den Bossen nicht mehr verscherzen. Wer
will sich schon einreihen in das Heer von zwölf Millionen Arbeitslosen?
Aber den Feiertagszuschlag für den Dienst an Pfingsten vermisst er schon.
Was soll's, in 24 Jahren hat Herr S. es hinter sich. So üppig wird die Rente
zwar nicht ausfallen, wenn das mit den Nullrunden so weitergeht. Doch wer
weiß: Vielleicht bringt ihn das Rauchen vorher um. Obwohl er weniger qualmt,
seit die Schachtel neun Euro kostet. Aber heute, auf den letzten Metern zum
Büro, steckt Günther S. sich trotzdem eine an. "Mit der
50-Stunden-Woche kann man leben....man hat ja auch keine Wahl ..."