Phoebesangel
24.02.2003, 21:49
Ich schaute in das traurige Gesicht meiner kleinen Tochter Yara, die ich von der Schule abholte. Mein kleiner Engel war ziemlich fertig aus dem Schulgebäude gekommen, ihr hellblonder Pferdeschwanz war verrutscht, und ihre Augen sahen rot aus. Verweint. Ich nahm sie in den Arm und führte sie zum Auto.
Yara klammerte sich richtig an meine Hand. Ich blickte die Schul-Kindern, die auf den Bus warteten wütend an, da sie Yara hinterher lachten.
„Yara, du kannst mir alles sagen! Ist dir das klar, Schätzchen?“
Ich drückte meine Tochter an mich und ließ sie einsteigen.
„Ja, Mom!“
Sie hörte sich schon so groß an, dabei war sie gerade 7 Jahre alt.
„Was war denn heute los? Haben sie dich wieder geärgert? Ich mag es nicht, wenn sie dir das antun, ich sollte zu deinem Lehrer gehen und mich beschweren!“
„Bitte nicht Mommy, bitte nicht! Dann haben sie noch mehr Stoff um mich zu ärgern!“ meldete sich meine Tochter mit ängstlicher Stimme.
„Keine Angst, dir wird nie wieder jemand etwas zu leide tun, Yara! Als ich Schülerin war, wurde ich auch immer geärgert, aber ich habe mir geschworen, dass keins meiner Kinder so etwas noch mal erleiden muss!“
Yara gab keine Antwort. Sie schwelgte anscheinend ebenso wie ich in Gedanken.
Meine Gedanken führten mich wieder in das Jahr, als ich 14 Jahre alt war.
Never win first place, I don't support the team
I can't take direction, and my socks are never clean
Teachers dated me, my parents hated me
I was always in a fight cuz I can't do nothin' right
Der Schulbus. Eines der meistgehassten Dinge in meiner Jugend. Wie oft wurde ich von den anderen gehänselt, sei es wegen meines Aussehens, sei es wegen meiner Klamotten, sei es wegen meiner Aussprache. Das Gelächter höre ich noch heute. Es verfolgt mich in meinen Alpträumen. Eines Mittags fuhr ich nach Hause, als eines von den Mädchen mich fragte, ob ich ihm einen Stift leihen könne. Ich dachte, dass Susi, so hieß das Mädchen, mich mögen würde, wenn ich ihr etwas von mir geben würde.
Doch da hatte ich mich getäuscht. Susi benutzte den Stift, um auf einen Zettel „Ich bin doof“ zu schreiben. Ich bemerkte diesen Scherz erst als ich ausgestiegen war. Die verbleibenden Kinder lachten sich schlapp, als ich ausgestiegen war, ich konnte es durch die Fenster sehen. Hinter mir lief Prue, sie hatte einen späteren Bus genommen und holte mich schnell ein. „Piper, was haben sie wieder mit dir gemacht? Haben sie dich wieder geärgert, dass riecht nach Rache!“ Ich flehte sie an, sich nicht in meine Dinge einzumischen. Das würde nur noch mehr Ärger bringen. Wenn ich heute daran denke, merke ich, dass ich mich genauso wie meine kleine Tochter verhalten habe.
Yara und ich hörten Radio und sie erzählte mir, was passiert war.
„Mom, ich möchte so sein wie du!“
Meine Tochter sah mich mit großen Augen an.
„Schatz, du bist ein durchaus wundervoller Mensch, vergesse das nie! Jeder, der behauptet du seiest nicht so, ist ein Dummkopf!“
Ich hielt an der Ampel an und wurde wieder in die Vergangenheit gerissen, in meine Gedankenwelt aus der Vergangenheit, die immer noch existierte.
In der Grams und Prue eine wichtige Rolle in meinem Leben übernahm.
Damals fühlte ich mich unwohl wenn ich vor dem Spiegel stand, wenn ich mein Gesicht sah, dass mit Pickeln übersäht war. Und zu allem Übel trug ich ja noch diese grässliche Brille, mit der schwarzen Umrandung. Diese Brille war mein größtes Problem. Meine Grams hatte sich darum bemüht eine Brille für mich zu bekommen, die mir gefiel, doch leider hatte sie daneben gegriffen. Die Brille war billig, aber sie tat ihre Dienste, was man heute ja sieht.
Everyday I fight a war against the mirror
I can't take the person starin' back at me
I'm a hazard to myself
Obwohl es alles schon eine Weile her ist, kann ich mich noch gut an mein Tagebuch erinnern, dem ich alles anvertraute, meine Wünsche, meine Träume, meine Tränen, die ich über mein Leben vergoss.
Oft schrieb ich über Prue, über all ihre positiven Eigenschaften, die ich auch gerne haben wollte. Prue, meine große Schwester, die ich für ihren Charakter bewunderte, noch immer bewundere, obwohl sie schon lange nicht mehr bei mir ist. Eine andere wichtige Person war Phoebe, die süße kleine Phoebe, die alles machen konnte, egal ob richtig oder falsch, die nie Ärger bekam, wenn sie etwas fallen ließ.
Meine Schwestern waren genau das Gegenteil von mir, nach meiner damaligen Ansicht, war Prue die Hübsche und Phoebe, die Freche.
Ich passte nicht so ganz ins Bild, aber es gibt ja viele Familien in denen die mittleren Kinder, am Rande stehen und nicht beachtet werden wie die anderen.
Hin und wieder überlegte ich, ob ich vielleicht einmal etwas anderes ausprobieren sollte. Einmal gepierct in die Schule gehen, oder einmal mit einem Minirock ins Cafe gehen.
Mein größter Traum war es, anders zu sein, als ich es war. Mein Leben noch mal ganz von vorne beginnen zu können. Wenn das gegangen wäre, hätte ich alles anders gemacht.
14 Jahre ungeschehen machen, ist leider nicht zu bewältigen.
Die Ampel schaltete wieder auf Grün um und ich fuhr an.
Yara biss auf einem Apfel, den ich ihr mitgebracht hatte.
„Mommy, müssen wir zum Ballettunterricht fahren?“ fragte sie mich.
„Schätzchen du hast so ein großes Talent! Warum willst du nie zum Ballett?“
Ich drehte mich für eine Sekunde zu meiner Tochter um.
„Die Kinder lachen da über mich!“
„Sie sind nur eifersüchtig!“
Diese Aussage hatte ich schon tausende Male gegenüber meiner Tochter benutzt.
Yara glaubte mir nicht. Sie griff nach meiner Hand.
„Yara, ich muss jetzt Autofahren! Später, mein Schatz!“ wehrte ich mich.
Aber Yara ließ meine Hand nicht los.
„Mommy, bitte fahr nach Hause! Ich möchte mit dir alleine sein!“
„Wir sind doch alleine!“
Mir war ihre Bitte unverständlich. Yara bettelte noch ein Weilchen bis das sie mich rumgekriegt hatte.
„Das nächste Mal gehst du aber zum Ballett!“
Ich wusste, dass Yara das nächste Mal wieder das gleiche Theater veranstalten würde.
Jedes mal schaffte sie es das Ballett ausfallen zu lassen.
Meine kleine Tochter war wirklich gerissen, von wem hatte sie das bloß?
Als wir zu Hause ankamen, verschwand ich nach oben in Leos und mein Schlafzimmer.
Dieser Raum war tabu für Yara. Meine Gedanken drehten sich immer noch um meine Schulzeit.
Mein erster Schultag! Wie ich den Tag herbeigesehnt hatte!
Grams hatte mir ein neues Kleid gekauft, das ich an meinem ersten Schultag das erste Mal tragen durfte. Es war selten das Grams uns Schwestern neue Kleider kaufte, da sie das Geld auch für Essen und Trinken ausgeben musste. Meine Schwester Prue hatte mich auf die Schule vorbereitet, sie hatte mich gewarnt, dass die Schule nicht so toll war, wie ich es mir vorstellte, doch ich wollte ihr nicht glauben.
Die Schule war etwas neues, etwas Unbegreifliches. Ich war endlich so weit in die Geheimnisse der Großen eingeweiht zu werden, genau so ein großes Mädchen wie meine große Schwester. Ich war der Welt einen Schritt näher gekommen.
Es klopfte an der Schlafzimmertür und Yara trat ein. „Mommy mir ist so langweilig, erzähl mir was von früher!“
Ihr Gesicht sah müde aus.
Ich winkte meine Tochter ins Schlafzimmer und vorsichtig tastete sich Yara zu meinem Bett. Sie kuschelte sich in meinen Arm.
Als Yara es sich so richtig bequem gemacht hatte, griff ich unter das Bett und holte eine kleine Kiste hoch.
„Was ist das denn?“ fragte sie ehrfürchtig.
„Das ist mein Geheimnis!“
Ich öffnete die Kiste und holte ein kleines Büchlein raus.
„Ein Buch?“
Yara blickte mich verständnislos an.
„Ja, es ist mein Buch, ich habe in das Buch alle meine Sorgen und Geheimnisse geschrieben, mein Schatz! Jetzt darfst du es haben! Wenn du Fragen zu irgendetwas hast, Yara, dann kannst du zu mir kommen!“
Ich lächelte Yara an.
„Mommy kannst du mir nicht daraus vorlesen?“
Yara schaute mich mit ihren süßen Augen an.
„Yara., ich möchte, dass du das Buch an dich nimmst, du musst es ja noch nicht jetzt lesen, du kannst es später lesen, wenn du größer bist! Sollte mir was passieren, besitzt du einen kleinen Teil meines Lebens!“
Ich drückte meinen kleinen Engel an mich und schob sie von mir.
„So Yara, jetzt möchte ich ein wenig allein sein!“
Yara schüttelte den Kopf.
„Bitte Mommy, lass mich bei dir sein! Ich bin so einsam, außer dir hat mich niemand lieb!“
Yara lächelte mich an und ich konnte wieder mal nicht nein sagen.
„Okay Süße, du kannst hier bleiben!“
Yara krabbelte wieder auf mein Bett und öffnete das Buch.
Ich hatte es seit 15 Jahren nicht mehr geöffnet. Meine kleine Tochter blätterte weiter und weiter. Ich saß hinter ihr und gab hin und wieder einen Kommentar dazu ab.
Die Seite, die Yara gerade ansah, schmerzte mich sehr.
„Mommy, wer ist das?“ fragte sie und zeigte auf ein Bild meiner Mutter.
„Das ist meine Mom!“ meine Stimme klang leicht brüchig.
„Deine Mom?“
Yara nahm meine Hand in ihre Hand. Yara nahm meine Hand in ihre. Ihre kleine Hand war so federleicht in meiner großen hand. Wie gern ich damals die Hand meiner Mutter gehalten hätte. hunderte Male habe ich mir das gewünscht.
Ich hatte ihr noch nie was von meiner Mom erzählt.
Ich hätte nie gedacht, dass ich mit meiner Tochter über den Tod meiner Mutter reden könnte. Es tat mir immer noch weh, dass meine Mom mich so früh verlassen hatte, mir so früh genommen wurde. Ich werde es wohl nie verkraften können.
Yara streichelte über meine Hand und ich nahm sie wieder in meinen Arm. Ich war ihr was schuldig, sie sollte wissen wie es war ohne Mom aufzuwachsen. Nur das Buch reichte nicht.
„Meine Grams hat Phoebe, Prue und mich groß gezogen! Wir hatten es gut bei ihr, sie war wie eine Mutter zu uns!“ fing ich an.
Yara schwieg und hörte mir zu.
„Besser hätten wir es nicht haben können! Ich hätte es bestimmt nicht toll gefunden im Heim aufzuwachsen und getrennt zu werden, getrennt von meinen Schwestern!“ redete ich weiter.
„Tante Phoebe und Tante Prue?“ rätselte Yara .
„Ja, Prue war meine große Schwester, sie ist gestorben, Tante Paige ist wo anders aufgewachsen, sie hat bei ihrem Adoptiveltern gelebt!“ sagte ich.
„Was sind Adoptiveltern, Mommy?“
Yaras Kinderstimme war neugierig.
„Adoptiveltern sind Eltern, die keine Kinder bekommen können, sie nehmen Kinder von anderen Eltern auf!“
„Von anderen Eltern?“
Misstrauisch meldete sich wieder Yara.
„Den Eltern fällt es oft schwer ihre Kinder abzugeben, aber sie wissen, dass ihre Kinder es in anderen Familien besser haben, Kleines!“ Paige hatte das Glück andere Eltern zu bekommen, sie kam auch nicht ins Heim genauso wie wir!“
Ich war stolz auf meine Tochter, dass sie sich so für die Vergangenheit ihrer Tanten und mir interessierte.
„Gut, dass du mich nicht abgegeben hast, Mommy!“
Yara schloss die Augen für einen Moment, sie sah so süß aus.
„Mommy, Prue ist tot!“ bemerkte Yara mit ernster Stimme.
„Ja, sie ist gestorben, aber das ist schon lange her!“
Ich fühlte dieses Loch in mir, dass Prue hinterlassen hatte. Meine große Schwester Prue wäre bestimmt eine fabelhafte Tante gewesen.
Ich genoss diese Zeit mit Yara zusammen.
„Wie ist das wenn jemand stirbt, Mommy? Wo kommt er dann hin?“
Diese Frage hatte ich schon befürchtet. Was sollte ich meiner Tochter darauf bloß antworten?
Ich seufzte und antwortete meiner Tochter mit ruhiger Stimme.
„Prue ist jetzt im Himmel, sie schaut auf uns runter, Yara!“
„Aber, Mommy, den Himmel gibt es doch gar nicht!“ antwortete Yara mir mit fester Stimme.
„Weißt du, Yara, Prues Seele ist erlöst worden!“
„Was ist das erlöst?“
Das Yara so einen Wissensdurst besaß wusste ich gar nicht.
„Dann ist man für immer glücklich!“
Ich schluckte.
„Mommy, dann will ich auch tot sein!“
Bestürzt sah ich meine 7jährige Tochter an.
„Ich hoffe, dass du mir noch eine Weile erhalten bleibst, Schätzchen!“
Ich drückte sie an mich, weil ich Angst hatte, sie würde mir entfliehen.
Diese Angst schnürte mir die Kehle zu. Ich wollte nicht, dass meine kleine Tochter Todeswünsche aussprach.
Sie war noch so klein und wusste gar nicht so genau, was sie da sprach.
„Aber, Mommy, du hast doch selbst gesagt, dass man dann glücklich ist, dass man da nicht mehr streitet oder weint, warum willst du denn nicht, dass ich da hingehe?“
"Weil du dann nicht mehr bei mir bist!"
Nach diesem Satz küsste ich meine Tochter und kitzelte sie durch bis das sie wieder lachte.
„Mommy, hör auf!“
Sie lachte und lachte.
Es freute mich sie so zu sehen.
Meine kleine Tochter sollte so viel lachen wie sie wollte.
„Ich hör ja schon auf!“
Ich ließ von ihr ab und drückte sie noch mal an mich.
„Ich bin so froh, dass ich dich habe, Baby!“
Sie antwortete mir wie immer:
„Und ich erst, Mommy!“
Das war so eine Art Ritual bei uns beiden, nur das wir es immer durchspielten wenn Yara ins Bett ging.
„Mommy, wie sehr hast du deine Mommy vermisst als sie gestorben ist?“
Yara schaute mich ernst an.
„Ich habe sie sehr vermisst, sie fehlt mir noch immer! Aber ich hatte ja Grams und Prue, die auf mich acht gaben, trotzdem war es etwas anderes als eine Mommy zu haben!“
„Ich könnte nicht ohne dich leben, Mommy!“
Mein Engelchen kuckte bedrückt auf den Boden.
„Das musst du ja auch nicht, Yara!“
Ich umarmte sie wieder, aber sie schien genug umarmt gewesen zu sein, denn sie machte sich sofort wieder los.
„Versprich es mir Mommy, dass ich nie ohne dich leben muss!“
Ich seufzte. Was sollte ich meiner Tochter darauf antworten?
„Yara, ich sterbe erst wenn ich alt bin und du schon selber Kinder hast, dann brauchst du mich nicht mehr so sehr wie jetzt!“
Ich strich meiner Tochter die Strähne hinter das Ohr.
„Ich will aber, dass du nie gehst!“
Yara machte es mir wirklich nicht einfach. Ich kniete mich vor sie und sah in ihre wunderschönen Kinderaugen.
„Ach mein Schatz. Ich wünsche mir auch, dass wir sehr lang zusammenbleiben können, aber irgendwann muss jeder mal sterben, damit neue Menschen leben können!“
Ich lächelte sie an und hoffte, dass sie mich verstand.
„Mommy, du darfst mich nie verlassen, Eltern müssen für ihre Kinder immer da sein, egal ob die Kinder groß oder klein sind!“ erklärte mir meine Tochter.
"JA mein Schatz." lächelte ich.
Ich drückte sie an mich. Und gab ihr einen Kuss in ihre weichen Haare hinein. Nein. Ich würde sie niemals verlassen.
"Ich bin immer bei dir mein schatz. Ich bin immer da wenn du nur an mich denkst, egal wo ich bin."
Yara lächelte wieder und ich fühlte mich gleich ein wenig wohler, obwohl ich wusste, dass ich sie ein kleinwenig belogen hatte.
„Mommy, können wir zwei nicht etwas unternehmen?“ fragte mich mein kleiner Feger.
Ihr war also langweilig. Normalerweise hätte sie schon viel früher angefangen zu quengeln.
Ich grinste und schlug vor mit ihr runter zu gehen und etwas zum Mittagessen zu kochen.
Yara war sofort dabei, wir fanden im Kühlschrank noch Nudeln von gestern und brieten uns diese.
„Mommy?“ fragte meine kleine Tochter jetzt vorsichtig.
„Ja?“ fragte ich im selbem Ton zurück.
„Ich muss dir etwas sagen!“
Was wollte sie mir wohl sagen? Hatte sie etwas angestellt? Yara war bisher immer ein sehr braves Mädchen gewesen, aber ich hatte schon darauf gewartet, dass sie auch mal etwas anstellen würde.
„Was denn?“
Ich schaute in ihr Gesicht und wartete auf ihr Geständnis.
„Aber versprich mir nicht böse zu werden!“
Yara zögerte noch, ob sie mir ihr Geheimnis mitteilen sollte oder nicht.
„Nun sag schon, ich werde dich schon nicht auffressen!“
„Heute hab heute nicht an Daddy gedacht!“
Nicht an Daddy gedacht?
Ich blickte sie verständnisvoll an.
"Du hast doch gesagt, wenn ich an dich denke, bist du da egal wo du bist. Ist das nicht genauso wie bei Daddy?"
Ich lächelte sie an. „Yara, du hast bestimmt an deinen Daddy gedacht, dass passiert ganz von alleine, du merkst es gar nicht mehr! Daddy ist bei dir, wenn du an ihn denkst, das stimmt, genauso wie ich bei dir bin, wenn du an mich denkst, oder wenn du in Schwierigkeiten steckst! Ich kann fühlen wenn es dir nicht gut geht, Yara!“
Die vielen Glitzerlichter, die plötzlich in der Küche erschienen, lenkten uns von unserem Gespräch ab.
„Daddy!“
Yara ging auf die Glitzerlichter zu und wartete bis das Leo sich materialisiert hatte.
„Wir haben gerade von dir gesprochen!“
Yara umarmte ihren Daddy und strahlte wie ein Honigkuchenpferd.
Leo nahm sein kleines Mädchen hoch und lächelte sie an.
„Wie schön das du da bist!“
Es war längere Zeit her, dass Yara und ich ihren Daddy gesehen hatten.
„Wir haben dich ganz schön vermisst!“ bemerkte ich und gab Leo einen Kuss auf die Backe.
„Ich euch auch! Yara ist ja so was von groß geworden!“
Yara bestätigte seine Aussage mit einem:
„Ganze 2 cm Daddy!“
Sie war richtig stolz auf sich.
„Und was habt ihr so die ganze Zeit getrieben? Und warum ist Yara nicht beim Ballett!“
Leo schaute gespielt böse Yara und mich an.
„Es ist meine schuld, ich habe gesagt sie müsse heute nicht hin!!“
Er sagte nichts sondern umarmte seine zwei Lieblingsfrauen. Und da kam seine dritte. Brooke stürzte die Treppe hinunter.
„Dad!!!!!“
Meine ältere Tochter umarmte ebenfalls ihren Vater und er fragte sie was die Schule so mache.
„Die Schule ist wie immer, anstrengend und langweilig!“
Brooke ist 12 Jahre alt. Ich hatte sie das letzte Mal heute Morgen beim Frühstück gesehen.
„Ich habe es ohne dich gar nicht ausgehalten Dad, hier mit all den Frauen!“
Brooke schmiegte sich an ihren Dad.
„Meine Lieblingstocher hat es zwischen ihren Tanten, ihrer Schwester und ihrer Mom nicht ausgehalten?“
Er schüttelte den Kopf und grinste.
Yara begrüßte ihre Schwester nicht.
Was war denn jetzt los? Sonst hing Yara immer an ihrer Schwester aber sobald ihr Daddy wieder da war, waren die beiden Todfeindinnen.
Komischerweise sagte Yara noch nicht einmal etwas. Sie setzte sich an den Tisch und as die Nudeln, die ich vor sie abstellte.
"Ich hab dich so vermisst Daddy!" flüsterte Brooke.
Er umarmte sie fest.
"ICh dich auch." lächelte er.
Und schon saß sie neben Yara und hatte ihre Gabel in der hand. Yara konnte gar nichts tun. Sie stand einfach auf und verließ das Zimmer
„Yara!“
Ich rannte hinter meiner kleinen Tochter her.
„Was ist denn los?“
„Daddy liebt nur Brooke!“
Anklagend blickte mich Yara an.
„Aber das ist doch Unsinn, Schätzchen! Ich weiss noch, wie sehr sich Daddy gefreut hat, als er dich das erste Mal in seinen Händen hielt!“
Yara schluckte und zwinkerte.
„Echt? Daddy hat mich lieb? Er hat mich angeschaut und in den Armen gehalten?“
Fassungslos blickte mich Yara an.
Ich nickte.
„Dein Daddy hat dich so sehr lieb, dass du es nicht einmal mal fühlen kannst!“
„Daddy hat mich lieb!“
Yara freute sich über diese Erkenntnis und rannte zu ihrem Daddy.
Leo hatte gemerkt, dass Yara etwas an ihm nicht gefallen hatte, darum war er uns nachgegangen.
Sie umarmte ihn und flüsterte:
„Daddy, ich habe dich lieb!“
Ich sah meine kleine Familie an. Leo, Yara und Brooke. Und da wusste ich, dass all das Leiden nicht umsonst gewesen ist.
Sonst wäre vielleicht alles ganz anders gekommen
Yara klammerte sich richtig an meine Hand. Ich blickte die Schul-Kindern, die auf den Bus warteten wütend an, da sie Yara hinterher lachten.
„Yara, du kannst mir alles sagen! Ist dir das klar, Schätzchen?“
Ich drückte meine Tochter an mich und ließ sie einsteigen.
„Ja, Mom!“
Sie hörte sich schon so groß an, dabei war sie gerade 7 Jahre alt.
„Was war denn heute los? Haben sie dich wieder geärgert? Ich mag es nicht, wenn sie dir das antun, ich sollte zu deinem Lehrer gehen und mich beschweren!“
„Bitte nicht Mommy, bitte nicht! Dann haben sie noch mehr Stoff um mich zu ärgern!“ meldete sich meine Tochter mit ängstlicher Stimme.
„Keine Angst, dir wird nie wieder jemand etwas zu leide tun, Yara! Als ich Schülerin war, wurde ich auch immer geärgert, aber ich habe mir geschworen, dass keins meiner Kinder so etwas noch mal erleiden muss!“
Yara gab keine Antwort. Sie schwelgte anscheinend ebenso wie ich in Gedanken.
Meine Gedanken führten mich wieder in das Jahr, als ich 14 Jahre alt war.
Never win first place, I don't support the team
I can't take direction, and my socks are never clean
Teachers dated me, my parents hated me
I was always in a fight cuz I can't do nothin' right
Der Schulbus. Eines der meistgehassten Dinge in meiner Jugend. Wie oft wurde ich von den anderen gehänselt, sei es wegen meines Aussehens, sei es wegen meiner Klamotten, sei es wegen meiner Aussprache. Das Gelächter höre ich noch heute. Es verfolgt mich in meinen Alpträumen. Eines Mittags fuhr ich nach Hause, als eines von den Mädchen mich fragte, ob ich ihm einen Stift leihen könne. Ich dachte, dass Susi, so hieß das Mädchen, mich mögen würde, wenn ich ihr etwas von mir geben würde.
Doch da hatte ich mich getäuscht. Susi benutzte den Stift, um auf einen Zettel „Ich bin doof“ zu schreiben. Ich bemerkte diesen Scherz erst als ich ausgestiegen war. Die verbleibenden Kinder lachten sich schlapp, als ich ausgestiegen war, ich konnte es durch die Fenster sehen. Hinter mir lief Prue, sie hatte einen späteren Bus genommen und holte mich schnell ein. „Piper, was haben sie wieder mit dir gemacht? Haben sie dich wieder geärgert, dass riecht nach Rache!“ Ich flehte sie an, sich nicht in meine Dinge einzumischen. Das würde nur noch mehr Ärger bringen. Wenn ich heute daran denke, merke ich, dass ich mich genauso wie meine kleine Tochter verhalten habe.
Yara und ich hörten Radio und sie erzählte mir, was passiert war.
„Mom, ich möchte so sein wie du!“
Meine Tochter sah mich mit großen Augen an.
„Schatz, du bist ein durchaus wundervoller Mensch, vergesse das nie! Jeder, der behauptet du seiest nicht so, ist ein Dummkopf!“
Ich hielt an der Ampel an und wurde wieder in die Vergangenheit gerissen, in meine Gedankenwelt aus der Vergangenheit, die immer noch existierte.
In der Grams und Prue eine wichtige Rolle in meinem Leben übernahm.
Damals fühlte ich mich unwohl wenn ich vor dem Spiegel stand, wenn ich mein Gesicht sah, dass mit Pickeln übersäht war. Und zu allem Übel trug ich ja noch diese grässliche Brille, mit der schwarzen Umrandung. Diese Brille war mein größtes Problem. Meine Grams hatte sich darum bemüht eine Brille für mich zu bekommen, die mir gefiel, doch leider hatte sie daneben gegriffen. Die Brille war billig, aber sie tat ihre Dienste, was man heute ja sieht.
Everyday I fight a war against the mirror
I can't take the person starin' back at me
I'm a hazard to myself
Obwohl es alles schon eine Weile her ist, kann ich mich noch gut an mein Tagebuch erinnern, dem ich alles anvertraute, meine Wünsche, meine Träume, meine Tränen, die ich über mein Leben vergoss.
Oft schrieb ich über Prue, über all ihre positiven Eigenschaften, die ich auch gerne haben wollte. Prue, meine große Schwester, die ich für ihren Charakter bewunderte, noch immer bewundere, obwohl sie schon lange nicht mehr bei mir ist. Eine andere wichtige Person war Phoebe, die süße kleine Phoebe, die alles machen konnte, egal ob richtig oder falsch, die nie Ärger bekam, wenn sie etwas fallen ließ.
Meine Schwestern waren genau das Gegenteil von mir, nach meiner damaligen Ansicht, war Prue die Hübsche und Phoebe, die Freche.
Ich passte nicht so ganz ins Bild, aber es gibt ja viele Familien in denen die mittleren Kinder, am Rande stehen und nicht beachtet werden wie die anderen.
Hin und wieder überlegte ich, ob ich vielleicht einmal etwas anderes ausprobieren sollte. Einmal gepierct in die Schule gehen, oder einmal mit einem Minirock ins Cafe gehen.
Mein größter Traum war es, anders zu sein, als ich es war. Mein Leben noch mal ganz von vorne beginnen zu können. Wenn das gegangen wäre, hätte ich alles anders gemacht.
14 Jahre ungeschehen machen, ist leider nicht zu bewältigen.
Die Ampel schaltete wieder auf Grün um und ich fuhr an.
Yara biss auf einem Apfel, den ich ihr mitgebracht hatte.
„Mommy, müssen wir zum Ballettunterricht fahren?“ fragte sie mich.
„Schätzchen du hast so ein großes Talent! Warum willst du nie zum Ballett?“
Ich drehte mich für eine Sekunde zu meiner Tochter um.
„Die Kinder lachen da über mich!“
„Sie sind nur eifersüchtig!“
Diese Aussage hatte ich schon tausende Male gegenüber meiner Tochter benutzt.
Yara glaubte mir nicht. Sie griff nach meiner Hand.
„Yara, ich muss jetzt Autofahren! Später, mein Schatz!“ wehrte ich mich.
Aber Yara ließ meine Hand nicht los.
„Mommy, bitte fahr nach Hause! Ich möchte mit dir alleine sein!“
„Wir sind doch alleine!“
Mir war ihre Bitte unverständlich. Yara bettelte noch ein Weilchen bis das sie mich rumgekriegt hatte.
„Das nächste Mal gehst du aber zum Ballett!“
Ich wusste, dass Yara das nächste Mal wieder das gleiche Theater veranstalten würde.
Jedes mal schaffte sie es das Ballett ausfallen zu lassen.
Meine kleine Tochter war wirklich gerissen, von wem hatte sie das bloß?
Als wir zu Hause ankamen, verschwand ich nach oben in Leos und mein Schlafzimmer.
Dieser Raum war tabu für Yara. Meine Gedanken drehten sich immer noch um meine Schulzeit.
Mein erster Schultag! Wie ich den Tag herbeigesehnt hatte!
Grams hatte mir ein neues Kleid gekauft, das ich an meinem ersten Schultag das erste Mal tragen durfte. Es war selten das Grams uns Schwestern neue Kleider kaufte, da sie das Geld auch für Essen und Trinken ausgeben musste. Meine Schwester Prue hatte mich auf die Schule vorbereitet, sie hatte mich gewarnt, dass die Schule nicht so toll war, wie ich es mir vorstellte, doch ich wollte ihr nicht glauben.
Die Schule war etwas neues, etwas Unbegreifliches. Ich war endlich so weit in die Geheimnisse der Großen eingeweiht zu werden, genau so ein großes Mädchen wie meine große Schwester. Ich war der Welt einen Schritt näher gekommen.
Es klopfte an der Schlafzimmertür und Yara trat ein. „Mommy mir ist so langweilig, erzähl mir was von früher!“
Ihr Gesicht sah müde aus.
Ich winkte meine Tochter ins Schlafzimmer und vorsichtig tastete sich Yara zu meinem Bett. Sie kuschelte sich in meinen Arm.
Als Yara es sich so richtig bequem gemacht hatte, griff ich unter das Bett und holte eine kleine Kiste hoch.
„Was ist das denn?“ fragte sie ehrfürchtig.
„Das ist mein Geheimnis!“
Ich öffnete die Kiste und holte ein kleines Büchlein raus.
„Ein Buch?“
Yara blickte mich verständnislos an.
„Ja, es ist mein Buch, ich habe in das Buch alle meine Sorgen und Geheimnisse geschrieben, mein Schatz! Jetzt darfst du es haben! Wenn du Fragen zu irgendetwas hast, Yara, dann kannst du zu mir kommen!“
Ich lächelte Yara an.
„Mommy kannst du mir nicht daraus vorlesen?“
Yara schaute mich mit ihren süßen Augen an.
„Yara., ich möchte, dass du das Buch an dich nimmst, du musst es ja noch nicht jetzt lesen, du kannst es später lesen, wenn du größer bist! Sollte mir was passieren, besitzt du einen kleinen Teil meines Lebens!“
Ich drückte meinen kleinen Engel an mich und schob sie von mir.
„So Yara, jetzt möchte ich ein wenig allein sein!“
Yara schüttelte den Kopf.
„Bitte Mommy, lass mich bei dir sein! Ich bin so einsam, außer dir hat mich niemand lieb!“
Yara lächelte mich an und ich konnte wieder mal nicht nein sagen.
„Okay Süße, du kannst hier bleiben!“
Yara krabbelte wieder auf mein Bett und öffnete das Buch.
Ich hatte es seit 15 Jahren nicht mehr geöffnet. Meine kleine Tochter blätterte weiter und weiter. Ich saß hinter ihr und gab hin und wieder einen Kommentar dazu ab.
Die Seite, die Yara gerade ansah, schmerzte mich sehr.
„Mommy, wer ist das?“ fragte sie und zeigte auf ein Bild meiner Mutter.
„Das ist meine Mom!“ meine Stimme klang leicht brüchig.
„Deine Mom?“
Yara nahm meine Hand in ihre Hand. Yara nahm meine Hand in ihre. Ihre kleine Hand war so federleicht in meiner großen hand. Wie gern ich damals die Hand meiner Mutter gehalten hätte. hunderte Male habe ich mir das gewünscht.
Ich hatte ihr noch nie was von meiner Mom erzählt.
Ich hätte nie gedacht, dass ich mit meiner Tochter über den Tod meiner Mutter reden könnte. Es tat mir immer noch weh, dass meine Mom mich so früh verlassen hatte, mir so früh genommen wurde. Ich werde es wohl nie verkraften können.
Yara streichelte über meine Hand und ich nahm sie wieder in meinen Arm. Ich war ihr was schuldig, sie sollte wissen wie es war ohne Mom aufzuwachsen. Nur das Buch reichte nicht.
„Meine Grams hat Phoebe, Prue und mich groß gezogen! Wir hatten es gut bei ihr, sie war wie eine Mutter zu uns!“ fing ich an.
Yara schwieg und hörte mir zu.
„Besser hätten wir es nicht haben können! Ich hätte es bestimmt nicht toll gefunden im Heim aufzuwachsen und getrennt zu werden, getrennt von meinen Schwestern!“ redete ich weiter.
„Tante Phoebe und Tante Prue?“ rätselte Yara .
„Ja, Prue war meine große Schwester, sie ist gestorben, Tante Paige ist wo anders aufgewachsen, sie hat bei ihrem Adoptiveltern gelebt!“ sagte ich.
„Was sind Adoptiveltern, Mommy?“
Yaras Kinderstimme war neugierig.
„Adoptiveltern sind Eltern, die keine Kinder bekommen können, sie nehmen Kinder von anderen Eltern auf!“
„Von anderen Eltern?“
Misstrauisch meldete sich wieder Yara.
„Den Eltern fällt es oft schwer ihre Kinder abzugeben, aber sie wissen, dass ihre Kinder es in anderen Familien besser haben, Kleines!“ Paige hatte das Glück andere Eltern zu bekommen, sie kam auch nicht ins Heim genauso wie wir!“
Ich war stolz auf meine Tochter, dass sie sich so für die Vergangenheit ihrer Tanten und mir interessierte.
„Gut, dass du mich nicht abgegeben hast, Mommy!“
Yara schloss die Augen für einen Moment, sie sah so süß aus.
„Mommy, Prue ist tot!“ bemerkte Yara mit ernster Stimme.
„Ja, sie ist gestorben, aber das ist schon lange her!“
Ich fühlte dieses Loch in mir, dass Prue hinterlassen hatte. Meine große Schwester Prue wäre bestimmt eine fabelhafte Tante gewesen.
Ich genoss diese Zeit mit Yara zusammen.
„Wie ist das wenn jemand stirbt, Mommy? Wo kommt er dann hin?“
Diese Frage hatte ich schon befürchtet. Was sollte ich meiner Tochter darauf bloß antworten?
Ich seufzte und antwortete meiner Tochter mit ruhiger Stimme.
„Prue ist jetzt im Himmel, sie schaut auf uns runter, Yara!“
„Aber, Mommy, den Himmel gibt es doch gar nicht!“ antwortete Yara mir mit fester Stimme.
„Weißt du, Yara, Prues Seele ist erlöst worden!“
„Was ist das erlöst?“
Das Yara so einen Wissensdurst besaß wusste ich gar nicht.
„Dann ist man für immer glücklich!“
Ich schluckte.
„Mommy, dann will ich auch tot sein!“
Bestürzt sah ich meine 7jährige Tochter an.
„Ich hoffe, dass du mir noch eine Weile erhalten bleibst, Schätzchen!“
Ich drückte sie an mich, weil ich Angst hatte, sie würde mir entfliehen.
Diese Angst schnürte mir die Kehle zu. Ich wollte nicht, dass meine kleine Tochter Todeswünsche aussprach.
Sie war noch so klein und wusste gar nicht so genau, was sie da sprach.
„Aber, Mommy, du hast doch selbst gesagt, dass man dann glücklich ist, dass man da nicht mehr streitet oder weint, warum willst du denn nicht, dass ich da hingehe?“
"Weil du dann nicht mehr bei mir bist!"
Nach diesem Satz küsste ich meine Tochter und kitzelte sie durch bis das sie wieder lachte.
„Mommy, hör auf!“
Sie lachte und lachte.
Es freute mich sie so zu sehen.
Meine kleine Tochter sollte so viel lachen wie sie wollte.
„Ich hör ja schon auf!“
Ich ließ von ihr ab und drückte sie noch mal an mich.
„Ich bin so froh, dass ich dich habe, Baby!“
Sie antwortete mir wie immer:
„Und ich erst, Mommy!“
Das war so eine Art Ritual bei uns beiden, nur das wir es immer durchspielten wenn Yara ins Bett ging.
„Mommy, wie sehr hast du deine Mommy vermisst als sie gestorben ist?“
Yara schaute mich ernst an.
„Ich habe sie sehr vermisst, sie fehlt mir noch immer! Aber ich hatte ja Grams und Prue, die auf mich acht gaben, trotzdem war es etwas anderes als eine Mommy zu haben!“
„Ich könnte nicht ohne dich leben, Mommy!“
Mein Engelchen kuckte bedrückt auf den Boden.
„Das musst du ja auch nicht, Yara!“
Ich umarmte sie wieder, aber sie schien genug umarmt gewesen zu sein, denn sie machte sich sofort wieder los.
„Versprich es mir Mommy, dass ich nie ohne dich leben muss!“
Ich seufzte. Was sollte ich meiner Tochter darauf antworten?
„Yara, ich sterbe erst wenn ich alt bin und du schon selber Kinder hast, dann brauchst du mich nicht mehr so sehr wie jetzt!“
Ich strich meiner Tochter die Strähne hinter das Ohr.
„Ich will aber, dass du nie gehst!“
Yara machte es mir wirklich nicht einfach. Ich kniete mich vor sie und sah in ihre wunderschönen Kinderaugen.
„Ach mein Schatz. Ich wünsche mir auch, dass wir sehr lang zusammenbleiben können, aber irgendwann muss jeder mal sterben, damit neue Menschen leben können!“
Ich lächelte sie an und hoffte, dass sie mich verstand.
„Mommy, du darfst mich nie verlassen, Eltern müssen für ihre Kinder immer da sein, egal ob die Kinder groß oder klein sind!“ erklärte mir meine Tochter.
"JA mein Schatz." lächelte ich.
Ich drückte sie an mich. Und gab ihr einen Kuss in ihre weichen Haare hinein. Nein. Ich würde sie niemals verlassen.
"Ich bin immer bei dir mein schatz. Ich bin immer da wenn du nur an mich denkst, egal wo ich bin."
Yara lächelte wieder und ich fühlte mich gleich ein wenig wohler, obwohl ich wusste, dass ich sie ein kleinwenig belogen hatte.
„Mommy, können wir zwei nicht etwas unternehmen?“ fragte mich mein kleiner Feger.
Ihr war also langweilig. Normalerweise hätte sie schon viel früher angefangen zu quengeln.
Ich grinste und schlug vor mit ihr runter zu gehen und etwas zum Mittagessen zu kochen.
Yara war sofort dabei, wir fanden im Kühlschrank noch Nudeln von gestern und brieten uns diese.
„Mommy?“ fragte meine kleine Tochter jetzt vorsichtig.
„Ja?“ fragte ich im selbem Ton zurück.
„Ich muss dir etwas sagen!“
Was wollte sie mir wohl sagen? Hatte sie etwas angestellt? Yara war bisher immer ein sehr braves Mädchen gewesen, aber ich hatte schon darauf gewartet, dass sie auch mal etwas anstellen würde.
„Was denn?“
Ich schaute in ihr Gesicht und wartete auf ihr Geständnis.
„Aber versprich mir nicht böse zu werden!“
Yara zögerte noch, ob sie mir ihr Geheimnis mitteilen sollte oder nicht.
„Nun sag schon, ich werde dich schon nicht auffressen!“
„Heute hab heute nicht an Daddy gedacht!“
Nicht an Daddy gedacht?
Ich blickte sie verständnisvoll an.
"Du hast doch gesagt, wenn ich an dich denke, bist du da egal wo du bist. Ist das nicht genauso wie bei Daddy?"
Ich lächelte sie an. „Yara, du hast bestimmt an deinen Daddy gedacht, dass passiert ganz von alleine, du merkst es gar nicht mehr! Daddy ist bei dir, wenn du an ihn denkst, das stimmt, genauso wie ich bei dir bin, wenn du an mich denkst, oder wenn du in Schwierigkeiten steckst! Ich kann fühlen wenn es dir nicht gut geht, Yara!“
Die vielen Glitzerlichter, die plötzlich in der Küche erschienen, lenkten uns von unserem Gespräch ab.
„Daddy!“
Yara ging auf die Glitzerlichter zu und wartete bis das Leo sich materialisiert hatte.
„Wir haben gerade von dir gesprochen!“
Yara umarmte ihren Daddy und strahlte wie ein Honigkuchenpferd.
Leo nahm sein kleines Mädchen hoch und lächelte sie an.
„Wie schön das du da bist!“
Es war längere Zeit her, dass Yara und ich ihren Daddy gesehen hatten.
„Wir haben dich ganz schön vermisst!“ bemerkte ich und gab Leo einen Kuss auf die Backe.
„Ich euch auch! Yara ist ja so was von groß geworden!“
Yara bestätigte seine Aussage mit einem:
„Ganze 2 cm Daddy!“
Sie war richtig stolz auf sich.
„Und was habt ihr so die ganze Zeit getrieben? Und warum ist Yara nicht beim Ballett!“
Leo schaute gespielt böse Yara und mich an.
„Es ist meine schuld, ich habe gesagt sie müsse heute nicht hin!!“
Er sagte nichts sondern umarmte seine zwei Lieblingsfrauen. Und da kam seine dritte. Brooke stürzte die Treppe hinunter.
„Dad!!!!!“
Meine ältere Tochter umarmte ebenfalls ihren Vater und er fragte sie was die Schule so mache.
„Die Schule ist wie immer, anstrengend und langweilig!“
Brooke ist 12 Jahre alt. Ich hatte sie das letzte Mal heute Morgen beim Frühstück gesehen.
„Ich habe es ohne dich gar nicht ausgehalten Dad, hier mit all den Frauen!“
Brooke schmiegte sich an ihren Dad.
„Meine Lieblingstocher hat es zwischen ihren Tanten, ihrer Schwester und ihrer Mom nicht ausgehalten?“
Er schüttelte den Kopf und grinste.
Yara begrüßte ihre Schwester nicht.
Was war denn jetzt los? Sonst hing Yara immer an ihrer Schwester aber sobald ihr Daddy wieder da war, waren die beiden Todfeindinnen.
Komischerweise sagte Yara noch nicht einmal etwas. Sie setzte sich an den Tisch und as die Nudeln, die ich vor sie abstellte.
"Ich hab dich so vermisst Daddy!" flüsterte Brooke.
Er umarmte sie fest.
"ICh dich auch." lächelte er.
Und schon saß sie neben Yara und hatte ihre Gabel in der hand. Yara konnte gar nichts tun. Sie stand einfach auf und verließ das Zimmer
„Yara!“
Ich rannte hinter meiner kleinen Tochter her.
„Was ist denn los?“
„Daddy liebt nur Brooke!“
Anklagend blickte mich Yara an.
„Aber das ist doch Unsinn, Schätzchen! Ich weiss noch, wie sehr sich Daddy gefreut hat, als er dich das erste Mal in seinen Händen hielt!“
Yara schluckte und zwinkerte.
„Echt? Daddy hat mich lieb? Er hat mich angeschaut und in den Armen gehalten?“
Fassungslos blickte mich Yara an.
Ich nickte.
„Dein Daddy hat dich so sehr lieb, dass du es nicht einmal mal fühlen kannst!“
„Daddy hat mich lieb!“
Yara freute sich über diese Erkenntnis und rannte zu ihrem Daddy.
Leo hatte gemerkt, dass Yara etwas an ihm nicht gefallen hatte, darum war er uns nachgegangen.
Sie umarmte ihn und flüsterte:
„Daddy, ich habe dich lieb!“
Ich sah meine kleine Familie an. Leo, Yara und Brooke. Und da wusste ich, dass all das Leiden nicht umsonst gewesen ist.
Sonst wäre vielleicht alles ganz anders gekommen