LionsChris
28.01.2003, 16:55
Frankfurter Rundschau vom 28.01.2003
Netherys Treue zu Roussel bröckelt
FRANKFURT A. M. Nein, Dominic Roussel fand das nicht witzig, als er nach knapp sechs Minuten in Schwenningen schon ausgewechselt wurde. Wütend rannte der Torhüter des Eishockey-Erstligisten Frankfurt Lions in die Kabine. "In Schwenningen ist's kalt, er wollte sich nur was anziehen", witzelte Lions-Trainer Lance Nethery auch noch.
Tatsächlich reagiert der Coach auf der sensiblen Torhüterposition in letzter Zeit oft schnell und drastisch. Zum einen, weil er gemerkt hat, dass er sich auf die Nummer zwei, Marc Pethke, absolut verlassen kann. Zum anderen dürfte dahinter auch eine gewisse eigene Fehleranalyse stecken. Denn noch bis weit in die zweite Hälfte der Saison baute Nethery grundsätzlich auf Roussel, selbst wenn der Franko-Kanadier, der den Lions so manchen Sieg gerettet hat, mal einen nicht so guten Tag erwischt hatte. Jetzt sagt Nethery: "Auswärts ist es schwer genug. Wenn dann der Torwart gleich einen Fehler macht, der zum Gegentor führt, muss ich rechtzeitig reagieren, bevor es zu spät ist." Ein unausgesprochenes Eingeständnis, diese schnelle Reaktion vielleicht zuvor versäumt zu haben.
Wobei - und das sollte nicht vergessen werden - das Problem der Lions nicht ihr Torhüter ist. Jemandem eine Denkpause zu gönnen, wäre bei zahlreichen Feldspielern der Lions in der jüngsten Vergangenheit eher angebracht gewesen. Das räumt Nethery auch ein, gibt aber zu bedenken: "Bei unseren vielen Verletzten habe ich kaum Optionen. Da spielen dann manchmal Leute, die eigentlich draußen bleiben müssten." Eine nicht ganz schlüssige Argumentation, denn Förderlizenzspieler Matthias Frenzel etwa saß so manches Mal selbst dann auf der Bank, wenn andere eine desolate Leistung ablieferten. Auch der nach Bad Nauheim ausgeliehene Jan Hemmes wurde nie angefordert, obwohl er zu Beginn der Saison bei den Lions keine schlechte Figur machte. Verständlich, dass mancher dies nicht so ganz nachvollziehen kann.
Allerdings ist diese Diskussion etwas aus dem Fokus geraten, denn nach drei Siegen hintereinander spielen die Lions zwar nicht berauschend, aber wenigstens sammeln sie Punkte. Ein bisschen spät, besonders auswärts, denn ein Blick auf diese Bilanz belegt das sportliche Dilemma der Lions: In der Heimtabelle mit 40 Punkten auf Platz sieben im Soll, sind zwölf Punkte auswärts die derzeit schlechteste Ausbeute in der Deutschen Eishockey Liga. Selbst Aufsteiger Ingolstadt ist in dieser Wertung den Lions um elf Punkte (23) voraus. Diese Punkte bei den Lions, und sie würden einen Playoff-Platz belegen. So aber müssen die Lions trotz des ersten Auswärtssieges seit sieben Wochen zusehen, nicht noch in den Strudel der Abstiegsrunde zu geraten. kit
Netherys Treue zu Roussel bröckelt
FRANKFURT A. M. Nein, Dominic Roussel fand das nicht witzig, als er nach knapp sechs Minuten in Schwenningen schon ausgewechselt wurde. Wütend rannte der Torhüter des Eishockey-Erstligisten Frankfurt Lions in die Kabine. "In Schwenningen ist's kalt, er wollte sich nur was anziehen", witzelte Lions-Trainer Lance Nethery auch noch.
Tatsächlich reagiert der Coach auf der sensiblen Torhüterposition in letzter Zeit oft schnell und drastisch. Zum einen, weil er gemerkt hat, dass er sich auf die Nummer zwei, Marc Pethke, absolut verlassen kann. Zum anderen dürfte dahinter auch eine gewisse eigene Fehleranalyse stecken. Denn noch bis weit in die zweite Hälfte der Saison baute Nethery grundsätzlich auf Roussel, selbst wenn der Franko-Kanadier, der den Lions so manchen Sieg gerettet hat, mal einen nicht so guten Tag erwischt hatte. Jetzt sagt Nethery: "Auswärts ist es schwer genug. Wenn dann der Torwart gleich einen Fehler macht, der zum Gegentor führt, muss ich rechtzeitig reagieren, bevor es zu spät ist." Ein unausgesprochenes Eingeständnis, diese schnelle Reaktion vielleicht zuvor versäumt zu haben.
Wobei - und das sollte nicht vergessen werden - das Problem der Lions nicht ihr Torhüter ist. Jemandem eine Denkpause zu gönnen, wäre bei zahlreichen Feldspielern der Lions in der jüngsten Vergangenheit eher angebracht gewesen. Das räumt Nethery auch ein, gibt aber zu bedenken: "Bei unseren vielen Verletzten habe ich kaum Optionen. Da spielen dann manchmal Leute, die eigentlich draußen bleiben müssten." Eine nicht ganz schlüssige Argumentation, denn Förderlizenzspieler Matthias Frenzel etwa saß so manches Mal selbst dann auf der Bank, wenn andere eine desolate Leistung ablieferten. Auch der nach Bad Nauheim ausgeliehene Jan Hemmes wurde nie angefordert, obwohl er zu Beginn der Saison bei den Lions keine schlechte Figur machte. Verständlich, dass mancher dies nicht so ganz nachvollziehen kann.
Allerdings ist diese Diskussion etwas aus dem Fokus geraten, denn nach drei Siegen hintereinander spielen die Lions zwar nicht berauschend, aber wenigstens sammeln sie Punkte. Ein bisschen spät, besonders auswärts, denn ein Blick auf diese Bilanz belegt das sportliche Dilemma der Lions: In der Heimtabelle mit 40 Punkten auf Platz sieben im Soll, sind zwölf Punkte auswärts die derzeit schlechteste Ausbeute in der Deutschen Eishockey Liga. Selbst Aufsteiger Ingolstadt ist in dieser Wertung den Lions um elf Punkte (23) voraus. Diese Punkte bei den Lions, und sie würden einen Playoff-Platz belegen. So aber müssen die Lions trotz des ersten Auswärtssieges seit sieben Wochen zusehen, nicht noch in den Strudel der Abstiegsrunde zu geraten. kit