Wicky
14.01.2003, 23:09
Für manche muss sie schon wirklich ziemlich grausam sein, unsere Deutsche Eishockeywelt. Und undankbar. Vor allem in der westfälischen Eishockeyprovinz. Da setzt sich ein mehr oder weniger betagter Lehrkörper, nennen wir ihn mal Peter R., für den erhalt dieses Sports in einer Fussballhochburg ein, nur damit irgendwelche dahergelaufenen Fans dieser Sportart nach sieben Jahren der Diktatur seine Ablösung fordern. Undankbares Pack! Selbstverständlich ist es undankbar diesen Edelmann zu kritisieren und nur echte Eishockeybanausen können sich diese Frechheit erlauben, denn alle anderen wissen, dass Peter R. so was ist wie der Pontifex Maximus des Eishockeysports in seiner Stadt.
Sieht man sich die Erfolge dieses „Mr. Hockey“ an, so erscheinen diese Ablösungsforderungen wie ein Höchstmaß an Undankbarkeit. Denn zumindest im ökonomischen Bereich hat er dann wohl doch seine Hausaufgaben allem Anschein nach gemacht: Der Verein ist nach der Pleite des Vorgängerclubs nahezu vollständig konsolidiert und die Jugendmannschaften gehören größtenteils zu den besten in NRW. Stellt man dem ganzen dann allerdings die Misserfolge, vor allem im sportlichen Bereich der sog. "ersten Mannschaft" gegenüber, so verblasst der Glanz der "grauen Eminenz": Erinnern wir uns zum Beispiel an die Saison 1999/2000, als man durch eine "unglückliche" und wie „von oben aufdiktiert wirkende“ 5:9-Niederlage gegen den damaligen Tabellenvorletzten aus Dinslaken die Teilnahme an der Aufstiegsrunde geradezu leichtfertig verspielte. Erinnern wir uns noch ein Jahr weiter zurück in eine Zeit, als man noch den sportlichen Erfolg mit der ersten Mannschaft suchte und ein Jahr nach dem Aufstieg in die Regionalliga NRW und das Finale des NRW-Pokals erreichte, dann aber kläglich an der unterklassigen ESG Herne scheiterte. Doch was nutzt der ach so sentimentale Blick in die junge EHC-Vergangenheit, wo uns das Hier und Jetzt zum einen an noch ruhmreichere Zeiten erinnert, zum anderen aber auch vor Augen führt, dass einstige "Querulanten" und "Miesmacher" mit ihren düsteren und leider schon drei Jahre alten Prognosen recht behalten haben.
Zum einen erinnert uns der Besuch des Herrn Dr. Esken an die glorreichen Zeiten von Deutscher Meisterschaft (1995) und den trauerbefleckten DEB-Pokalsieg (1996) mit Spielern wie Kurt Wickenheiser, Martin Bergeron, Dave O'Brian oder Olaf Busch, zum anderen zeigt uns die aktuelle Tabelle, dass der EHC in dieser Saison so schlecht spielt, wie in keiner Liga-Saison zuvor. Man fühlt sich erinnert an die Zeiten, als man im Gründungsjahr in diversen Freundschaftsspielen gegen den VERC Lauterbach oder den Herforder EC mit 23:1 oder 33:0 verlor. Diese Zeiten glaubte man überwunden zu haben, nicht zuletzt auch Dank einiger Identifikationsfiguren im Kader. Doch wo sind sie hin? Jens Esche spielt in Hamm und Namen wie Pokorny, Kettig, Grillo, Brüggenschmidt, Voss, Pläsken, Borrissov oder Lang sind nur noch im Archiv oder den Erinnerungen einiger Fans zu finden. Wer erinnert sich denn noch an Janusz Janikowski? Lediglich der "einsame Häuptling" Igor Cillik ist noch da. Naja, und Thomas Branz, der aber seit der letzten Saison mehr in der Kühlbox sitzt als sonst jemand. Man munkelt, er habe inzwischen eine eigene Sitzkuhle in die Strafbank gesessen. Deshalb sei es für ihn da bequemer als auf der Spielerbank. Neue Namen prägen das Gesicht der Mannschaft, Namen wie Achhammer, Ulrich (nein, leider nicht Martin Ulrich) oder Klaas, Namen wie Sekera, Abrman oder Udvardy.
Junioren und teilweise eingebürgerte Spieler tschechischer oder slowakischer Abstammung bilden das Gerüst einer Mannschaft, die in dieser Form niemals das ausgegebene Saisonziel hätte erreichen können - und das von Anfang an. Wie in den Jahren zuvor bemüht Peter R. auch in diesem die Ausrede einer „sub-optimalen“ Vorbereitung, geprägt von wenig Trainingseiszeit und Personalquerelen, um die enttäuschende Saison zu entschuldigen.
Doch in diesem Jahr ist alles anders. In diesem Jahr sind auch die anderen Fans aufgewacht, nicht nur die, die seit Jahren vor einer negativen Entwicklung gewarnt haben. In diesem Jahr stellen die Fans unangenehme Fragen: „Warum mietet man nicht Eis in Herne, Duisburg, Unna oder Essen, um eher Eistraining absolvieren zu können?“ „Warum kommt man nicht vorher auf die Idee, zu überprüfen, ob der verpflichtete Trainer auch eine gültige Lizenz besitzt?“ Wie können es diese Banausen von Fans nur wagen, ihn, den Messias der gepflegten Puckjagd, in Frage zu stellen oder gar hinter vorgehaltener Hand nach möglichen Nachfolgern zu suchen?
Jaja, die bösen, bösen Fans! Nicht nur, dass sie sich über Eintrittspreise, die von 12 DM auf 7 Euro gestiegen sind beklagen, nein sie erdreisten sich auch noch, reihenweise dem Stadion fernzubleiben oder gar kritisch zu werden. Dabei ist das doch verständlich, fühlen sie sich doch ausgenommen wie die sprichwörtliche Weihnachtsgans: Sie möchten doch bitteschön brav alle Eintritt zahlen und Woche für Woche zu den Heimspielen kommen, aber Kritik bitteschön ist nicht erwünscht. Dabei sind die Methoden des Melkens der „Goldesels Fan“ abenteuerlich: Da vergisst ein armer Student, der Woche für Woche aus Essen nach angereist kommt, einmal seine Dauerkarte. An der Kasse verweigert man ihm eine kostenfreie Ersatzkarte, obwohl in der Kasse eine Liste aller Dauerkartenbesitzer liegt und es ein leichtes wäre, anhand des vorliegenden Personalausweises festzustellen, dass der Student tatsächlich im Besitz einer Dauerkarte ist. Doch das interessiert die Kassierer nicht, und da der Student keine Lust hat, 7 € für etwas zu bezahlen, was er eigentlich schon bezahlt hat, stellt er sich an den Zaun, wartet, bis es nach wenigen Minuten 0:4 steht und macht sich auf den Rückweg nach Essen. Wieso er nicht zu den Moskitos geht, die weniger Eintritt nehmen und trotzdem erfolgreich Eishockey spielen, ist fraglich.
Aber zurück zu Peter R. und seinem Problem mit den fragenden und meuternden Fans. Wurde nicht zu diesem Zweck eigentlich zu Saisonbeginn ein Fanbeauftragter mitsamt Fanrat installiert, um die undankbaren, grausamen und kritischen Fans zu besänftigen und ihnen das Gefühl zu geben, man kümmere sich um ihre Anliegen? Ja, doch der arme Holger Sitter wurde als Schutzschild missbraucht. Wann immer Fragen an den Vorstand gerichtet wurden, verwies man auf ihn: „Fragt euren Fanbeauftragten!“ So hatte Peter R. sich wohl erhofft, das „Fanproblem“ zu lösen. Aber hat er nicht zu seiner misslichen Lage selbst beigetragen, indem er einem damals 19jährigen Schüler das Präsidentenamt anbot, nachdem dieser die Finanz- und Wirtschaftspolitik des Vereins wiederholt als zu jugendlastig kritisiert hatte? Das ist der absolute Gipfel der Undankbarkeit! Die Jugendarbeit ist das Aushängeschild des Vereins – und zugleich sein Reizthema.
Auch die Fans werden von dieser Thematik gespalten. Da gibt es die Fans, welche die Eingangs beschriebenen Erfolge Mitte der Neunziger Jahre noch erlebt haben und auch wieder Dauerhaft in diese sportlichen Regionen vordringen wollen, und dann gibt es die Fans, denen sportlicher Erfolg und eine positive wirtschaftliche Entwicklung weitestgehend gleichgültig sind. Hauptsache, der Puck schlittert übers Eis, egal ob es nun die Bambinis sind, die da auf dem Eis stehen, eine Hobbymannschaft oder die NHL-All Stars. Während diese Fangruppe sich hinter jede Vorstandentscheidung stellt ohne auch nur einen Buchstaben zu hinterfragen, ist es die andere, die Peter R. und den übrigen Oberen ein Dorn im Auge sein dürfte. Diese Vertreten die Auffassung, dass die in die Jugendarbeit investierten Mittel in keinem Verhältnis zu den Ergebnissen stehen und meinen gar, dass der sportliche Erfolg der „Ersten“ seit dem Verpassen der Aufstiegsrunde 99/00 unter diesem, zwar löblichen, aber weit übertriebenen Jugendengagement leidet. Zumal die Investitionen in die Jugend sich nur in den allerwenigsten Fällen für die „Erste“ auszahlen, denn nur wenige Nachwuchsspieler haben wirklich das Potenzial in der Regionalliga NRW zu spielen, die anderen sind einfach zu schlecht. Die, die dann aber doch Potential haben, verlassen den Verein, wenn sie in das Senioren-Alter kommen. Entweder, weil sie sich beruflich orientieren und die Schlittschuhe an den Nagel hängen, oder weil sie bei diesem Verein keine sportliche Perspektive sehen. Wie denn auch, wenn sich die Seniorenmannschaft aufgrund übermäßiger Jugendinvestitionen in einer sportlichen Talfahrt befindet, deren Ende die „graue Eminenz“ Peter R. anscheinend nicht herbeiführen kann oder gar will. Daher sind diese Fan-Einwände durchaus nachvollziehbar und verständlich.
Immer wieder wurde von Seiten des Vorstands betont, dass die Jugendarbeit sich selbst finanziere und nicht zu lasten der Seniorenmannschaft ginge. Doch dann folgte in diesem Winter der Schlag ins Gesicht der Fans, als in der Fachzeitschrift „Eishockey News“ folgender Passus in einem Artikel erschien: „Der nicht zuletzt durch das Spielen der U21 in der Förderliga durch den Wirtschaftsrat des Clubs erzwungene Sparkurs forderte in der laufenden Saison in der Regionalliga seinen Preis. Das Aufsteigen von Dortmund zum Leistungszentrum und die Erfolge der Nachwuchsabteilung sorgen nun dafür, dass etwas größere finanzielle Sprünge wieder möglich werden.” Moment! Hat der Vorstand nicht jahrelang das genaue Gegenteil gepredigt? Von den kritischen Fans darauf angesprochen erklärte der Pressesprecher, dies sei zu keinem Zeitpunkt von irgendeinem Vorstands- oder Wirtschaftsratsmitglied so gesagt worden. Allerdings erscheint es fraglich, ob es sich eine kleine, relativ unbedeutende Randsportart-Fachzeitschrift einen BILD-Ähnlichen Schmieren-Journalismus erlauben kann. Grausame Journalisten sind das, die einfach so etwas Schreiben, was wohl jemand so gesagt hat, aber niemand so gesagt haben will.
Was ist also die Quintessenz des ganzen? Erstens: Der Lack ist ab. Peter Rieger und seine Kameraden an der Spitze des Eishockey-Regionalligisten EHC Dortmund haben jeden Kredit, den sie sich einst dadurch gewonnen haben, dass sie sich für den erhalt dieses schönen Sports in Dortmund einsetzten, verspielt. Es wird ein frischer wind gebraucht, der an der Strobelallee mal ordentlich durchlüftet. Zweitens: Mit dem EHC geht es bergab. Leider. Drittens: Alle, die das so sehen und den Vorstand und seine Finanz- und Jugendpolitik dafür verantwortlich machen, sind undankbar und haben alle keine Ahnung. Und viertens: Für manche muss sie schon wirklich ziemlich grausam sein, unsere Deutsche Eishockeywelt. Und undankbar. Vor allem in der westfälischen Eishockeyprovinz.
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[Editiert durch Wicky ein Mittwoch, Januar 22, 2003 @ ][/size]
Sieht man sich die Erfolge dieses „Mr. Hockey“ an, so erscheinen diese Ablösungsforderungen wie ein Höchstmaß an Undankbarkeit. Denn zumindest im ökonomischen Bereich hat er dann wohl doch seine Hausaufgaben allem Anschein nach gemacht: Der Verein ist nach der Pleite des Vorgängerclubs nahezu vollständig konsolidiert und die Jugendmannschaften gehören größtenteils zu den besten in NRW. Stellt man dem ganzen dann allerdings die Misserfolge, vor allem im sportlichen Bereich der sog. "ersten Mannschaft" gegenüber, so verblasst der Glanz der "grauen Eminenz": Erinnern wir uns zum Beispiel an die Saison 1999/2000, als man durch eine "unglückliche" und wie „von oben aufdiktiert wirkende“ 5:9-Niederlage gegen den damaligen Tabellenvorletzten aus Dinslaken die Teilnahme an der Aufstiegsrunde geradezu leichtfertig verspielte. Erinnern wir uns noch ein Jahr weiter zurück in eine Zeit, als man noch den sportlichen Erfolg mit der ersten Mannschaft suchte und ein Jahr nach dem Aufstieg in die Regionalliga NRW und das Finale des NRW-Pokals erreichte, dann aber kläglich an der unterklassigen ESG Herne scheiterte. Doch was nutzt der ach so sentimentale Blick in die junge EHC-Vergangenheit, wo uns das Hier und Jetzt zum einen an noch ruhmreichere Zeiten erinnert, zum anderen aber auch vor Augen führt, dass einstige "Querulanten" und "Miesmacher" mit ihren düsteren und leider schon drei Jahre alten Prognosen recht behalten haben.
Zum einen erinnert uns der Besuch des Herrn Dr. Esken an die glorreichen Zeiten von Deutscher Meisterschaft (1995) und den trauerbefleckten DEB-Pokalsieg (1996) mit Spielern wie Kurt Wickenheiser, Martin Bergeron, Dave O'Brian oder Olaf Busch, zum anderen zeigt uns die aktuelle Tabelle, dass der EHC in dieser Saison so schlecht spielt, wie in keiner Liga-Saison zuvor. Man fühlt sich erinnert an die Zeiten, als man im Gründungsjahr in diversen Freundschaftsspielen gegen den VERC Lauterbach oder den Herforder EC mit 23:1 oder 33:0 verlor. Diese Zeiten glaubte man überwunden zu haben, nicht zuletzt auch Dank einiger Identifikationsfiguren im Kader. Doch wo sind sie hin? Jens Esche spielt in Hamm und Namen wie Pokorny, Kettig, Grillo, Brüggenschmidt, Voss, Pläsken, Borrissov oder Lang sind nur noch im Archiv oder den Erinnerungen einiger Fans zu finden. Wer erinnert sich denn noch an Janusz Janikowski? Lediglich der "einsame Häuptling" Igor Cillik ist noch da. Naja, und Thomas Branz, der aber seit der letzten Saison mehr in der Kühlbox sitzt als sonst jemand. Man munkelt, er habe inzwischen eine eigene Sitzkuhle in die Strafbank gesessen. Deshalb sei es für ihn da bequemer als auf der Spielerbank. Neue Namen prägen das Gesicht der Mannschaft, Namen wie Achhammer, Ulrich (nein, leider nicht Martin Ulrich) oder Klaas, Namen wie Sekera, Abrman oder Udvardy.
Junioren und teilweise eingebürgerte Spieler tschechischer oder slowakischer Abstammung bilden das Gerüst einer Mannschaft, die in dieser Form niemals das ausgegebene Saisonziel hätte erreichen können - und das von Anfang an. Wie in den Jahren zuvor bemüht Peter R. auch in diesem die Ausrede einer „sub-optimalen“ Vorbereitung, geprägt von wenig Trainingseiszeit und Personalquerelen, um die enttäuschende Saison zu entschuldigen.
Doch in diesem Jahr ist alles anders. In diesem Jahr sind auch die anderen Fans aufgewacht, nicht nur die, die seit Jahren vor einer negativen Entwicklung gewarnt haben. In diesem Jahr stellen die Fans unangenehme Fragen: „Warum mietet man nicht Eis in Herne, Duisburg, Unna oder Essen, um eher Eistraining absolvieren zu können?“ „Warum kommt man nicht vorher auf die Idee, zu überprüfen, ob der verpflichtete Trainer auch eine gültige Lizenz besitzt?“ Wie können es diese Banausen von Fans nur wagen, ihn, den Messias der gepflegten Puckjagd, in Frage zu stellen oder gar hinter vorgehaltener Hand nach möglichen Nachfolgern zu suchen?
Jaja, die bösen, bösen Fans! Nicht nur, dass sie sich über Eintrittspreise, die von 12 DM auf 7 Euro gestiegen sind beklagen, nein sie erdreisten sich auch noch, reihenweise dem Stadion fernzubleiben oder gar kritisch zu werden. Dabei ist das doch verständlich, fühlen sie sich doch ausgenommen wie die sprichwörtliche Weihnachtsgans: Sie möchten doch bitteschön brav alle Eintritt zahlen und Woche für Woche zu den Heimspielen kommen, aber Kritik bitteschön ist nicht erwünscht. Dabei sind die Methoden des Melkens der „Goldesels Fan“ abenteuerlich: Da vergisst ein armer Student, der Woche für Woche aus Essen nach angereist kommt, einmal seine Dauerkarte. An der Kasse verweigert man ihm eine kostenfreie Ersatzkarte, obwohl in der Kasse eine Liste aller Dauerkartenbesitzer liegt und es ein leichtes wäre, anhand des vorliegenden Personalausweises festzustellen, dass der Student tatsächlich im Besitz einer Dauerkarte ist. Doch das interessiert die Kassierer nicht, und da der Student keine Lust hat, 7 € für etwas zu bezahlen, was er eigentlich schon bezahlt hat, stellt er sich an den Zaun, wartet, bis es nach wenigen Minuten 0:4 steht und macht sich auf den Rückweg nach Essen. Wieso er nicht zu den Moskitos geht, die weniger Eintritt nehmen und trotzdem erfolgreich Eishockey spielen, ist fraglich.
Aber zurück zu Peter R. und seinem Problem mit den fragenden und meuternden Fans. Wurde nicht zu diesem Zweck eigentlich zu Saisonbeginn ein Fanbeauftragter mitsamt Fanrat installiert, um die undankbaren, grausamen und kritischen Fans zu besänftigen und ihnen das Gefühl zu geben, man kümmere sich um ihre Anliegen? Ja, doch der arme Holger Sitter wurde als Schutzschild missbraucht. Wann immer Fragen an den Vorstand gerichtet wurden, verwies man auf ihn: „Fragt euren Fanbeauftragten!“ So hatte Peter R. sich wohl erhofft, das „Fanproblem“ zu lösen. Aber hat er nicht zu seiner misslichen Lage selbst beigetragen, indem er einem damals 19jährigen Schüler das Präsidentenamt anbot, nachdem dieser die Finanz- und Wirtschaftspolitik des Vereins wiederholt als zu jugendlastig kritisiert hatte? Das ist der absolute Gipfel der Undankbarkeit! Die Jugendarbeit ist das Aushängeschild des Vereins – und zugleich sein Reizthema.
Auch die Fans werden von dieser Thematik gespalten. Da gibt es die Fans, welche die Eingangs beschriebenen Erfolge Mitte der Neunziger Jahre noch erlebt haben und auch wieder Dauerhaft in diese sportlichen Regionen vordringen wollen, und dann gibt es die Fans, denen sportlicher Erfolg und eine positive wirtschaftliche Entwicklung weitestgehend gleichgültig sind. Hauptsache, der Puck schlittert übers Eis, egal ob es nun die Bambinis sind, die da auf dem Eis stehen, eine Hobbymannschaft oder die NHL-All Stars. Während diese Fangruppe sich hinter jede Vorstandentscheidung stellt ohne auch nur einen Buchstaben zu hinterfragen, ist es die andere, die Peter R. und den übrigen Oberen ein Dorn im Auge sein dürfte. Diese Vertreten die Auffassung, dass die in die Jugendarbeit investierten Mittel in keinem Verhältnis zu den Ergebnissen stehen und meinen gar, dass der sportliche Erfolg der „Ersten“ seit dem Verpassen der Aufstiegsrunde 99/00 unter diesem, zwar löblichen, aber weit übertriebenen Jugendengagement leidet. Zumal die Investitionen in die Jugend sich nur in den allerwenigsten Fällen für die „Erste“ auszahlen, denn nur wenige Nachwuchsspieler haben wirklich das Potenzial in der Regionalliga NRW zu spielen, die anderen sind einfach zu schlecht. Die, die dann aber doch Potential haben, verlassen den Verein, wenn sie in das Senioren-Alter kommen. Entweder, weil sie sich beruflich orientieren und die Schlittschuhe an den Nagel hängen, oder weil sie bei diesem Verein keine sportliche Perspektive sehen. Wie denn auch, wenn sich die Seniorenmannschaft aufgrund übermäßiger Jugendinvestitionen in einer sportlichen Talfahrt befindet, deren Ende die „graue Eminenz“ Peter R. anscheinend nicht herbeiführen kann oder gar will. Daher sind diese Fan-Einwände durchaus nachvollziehbar und verständlich.
Immer wieder wurde von Seiten des Vorstands betont, dass die Jugendarbeit sich selbst finanziere und nicht zu lasten der Seniorenmannschaft ginge. Doch dann folgte in diesem Winter der Schlag ins Gesicht der Fans, als in der Fachzeitschrift „Eishockey News“ folgender Passus in einem Artikel erschien: „Der nicht zuletzt durch das Spielen der U21 in der Förderliga durch den Wirtschaftsrat des Clubs erzwungene Sparkurs forderte in der laufenden Saison in der Regionalliga seinen Preis. Das Aufsteigen von Dortmund zum Leistungszentrum und die Erfolge der Nachwuchsabteilung sorgen nun dafür, dass etwas größere finanzielle Sprünge wieder möglich werden.” Moment! Hat der Vorstand nicht jahrelang das genaue Gegenteil gepredigt? Von den kritischen Fans darauf angesprochen erklärte der Pressesprecher, dies sei zu keinem Zeitpunkt von irgendeinem Vorstands- oder Wirtschaftsratsmitglied so gesagt worden. Allerdings erscheint es fraglich, ob es sich eine kleine, relativ unbedeutende Randsportart-Fachzeitschrift einen BILD-Ähnlichen Schmieren-Journalismus erlauben kann. Grausame Journalisten sind das, die einfach so etwas Schreiben, was wohl jemand so gesagt hat, aber niemand so gesagt haben will.
Was ist also die Quintessenz des ganzen? Erstens: Der Lack ist ab. Peter Rieger und seine Kameraden an der Spitze des Eishockey-Regionalligisten EHC Dortmund haben jeden Kredit, den sie sich einst dadurch gewonnen haben, dass sie sich für den erhalt dieses schönen Sports in Dortmund einsetzten, verspielt. Es wird ein frischer wind gebraucht, der an der Strobelallee mal ordentlich durchlüftet. Zweitens: Mit dem EHC geht es bergab. Leider. Drittens: Alle, die das so sehen und den Vorstand und seine Finanz- und Jugendpolitik dafür verantwortlich machen, sind undankbar und haben alle keine Ahnung. Und viertens: Für manche muss sie schon wirklich ziemlich grausam sein, unsere Deutsche Eishockeywelt. Und undankbar. Vor allem in der westfälischen Eishockeyprovinz.
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[Editiert durch Wicky ein Mittwoch, Januar 22, 2003 @ ][/size]