Vollständige Version anzeigen: Westjordanland und Siedlungen - Siedlungen - Nahost Israel Group (NIG)



Emil Peisker
03.12.2002, 15:03
[u]Westjordanland[/u]

Das Westjordanland zählt wie der Gaza-Streifen zu den von Israel im Sechstagekrieg 1967 besetzten Gebieten. Es umfasst eine Fläche von 5633 Quadratkilometern und grenzt an das Königreich Jordanien, zu dem es seit 1948 gehört hatte. Derzeit leben knapp 1,7 Millionen Palästinenser (ohne Ost-Jerusalem) und 166.000 jüdische Siedler im Westjordanland. Gemäß dem ersten und zweiten Oslo-Abkommen zogen sich die israelischen Truppen im Dezember 1995 aus den großen palästinensischen Städten des Gebietes zurück. Seither gilt die Teilautonomie auch für das Westjordanland. Danach gibt es drei Zonen. In der Zone A, die vor allem aus den bevölkerungsreichen Städten besteht, herrscht die Palästinensische Autonomiebehörde Jassir Arafats. In der Zone B ließ Israel eine Teilautonomie zu, behielt sich aber die Verantwortung für die umfassende Sicherheit vor. Die Zone C untersteht weiter vollständig israelischer Kontrolle und beinhaltet vor allem die jüdischen Siedlungen.

Das Westjordanland ist heute bei der Frage des israelischen Rückzuges weitaus umstrittener als der Gaza-Streifen. Denn das Gebiet gilt in den Augen vor allem orthodoxer Juden als die Heimstätte des Volkes Israel, als das biblische Judäa und Samaria. Seit der Besetzung im Sechstagekrieg 1967 betrieben israelische Regierungen deshalb hier besonders gezielt Siedlungspolitik. Gab es Mitte der siebziger Jahre erst ein paar Hunderte Juden im fruchtbaren Westjordanland, so waren es 1981 schon 16.000, 1986 60.000 und bis 1993 stieg ihre Zahl auf 130.000 an. Ziel war es, durch die Errichtung vieler einzelner Siedlungen eine Rückgabe an Jordanien, beziehungsweise nach dessen Verzicht auf das Land im Jahre 1988 die Errichtung eines Palästinenserstaates zur erschweren oder unmöglich zu machen. Um Juden und Palästinenser zu trennen, wurden zahlreiche Umgehungsstraßen gebaut, die von den Siedlungen nach Jerusalem und Tel-Aviv führen.

Im Zuge der Al-Aksa-Intifada kam es besonders an den Grenzen zwischen den israelischen Siedlungen und palästinensischen Städten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. In die Schlagzeilen gerieten hierbei immer wieder Ramallah, der Sitz der Palästinensischen Autonomiebehörde, und Hebron, wo radikale Juden ihre Siedlung Kirjat Arba im Stadtzentrum errichtet haben und von mehr 100.000 als Palästinensern umgeben sind.

Das Westjordanland beinhaltet das Gebiet westlich des Grenzflusses Jordan. Der früher oft verwendete, aus dem Englischen kommende Begriff Westbank ist auch heute noch gebräuchlich. Die deutsche Bezeichnung Westjordanland geht auf den langjährigen Israel-Korrespondeten der ARD, Friedrich Schreiber, zurück.

Stand: 15.Mai 2002

So steht's in deutschen Lehrbüchern.

Emil


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