Vollständige Version anzeigen: Wahlen in Israel - Radio Ovadia antwortet...Hier kann alles rein! Alles was Euch bewegt! - Nahost Israel Group (NIG)



Hexose
04.02.2003, 22:56
Servus Ovadia,

wir haben im SpOn gerade eine Diskussion, wieweit uns der Text aus der Jüdischen Allgemeinen von Martin Buber im jetzigen Konflikt im NO weiterhelfen kann.

Wärst Du bitte so nett, und würdest vielleicht aus Deiner Sicht dazu Stellung nehmen?

Wer hat als erster angegriffen?
Martin Buber über den jüdisch-arabischen Konflikt

Martin Buber, dessen Geburtstag sich am 8. Februar zum 125. Mal jährt, war nicht nur einer der bedeutendsten Religionsphilosophen des zwanzigsten Jahrhunderts und, zusammen mit Franz Rosenzweig, der kongeniale Übersetzer des Tanach ins Deutsche. Er war auch ein politischer Kopf. Innerhalb der zionistischen Bewegung, in der er seit 1898 aktiv war, vertrat Buber den "kulturzionistischen" Standpunkt, der vor der politischen, die geistige Erneuerung des Judentums forderte. In Eretz Israel, wo er seit 1938 als Professor für Sozialphilosophie an der Hebräischen Universität Jerusalem lehrte, gehörte Buber zu den Führern des Brit Schalom ("Friedensbund"), der sich für einen Ausgleich mit den Palästinensern und einen binationalen jüdisch-arabischen Staat einsetzte. Buber kritisierte immer wieder den Nationalismus der Jischuwführung, so auch in dem nachfolgenden Text, der 1948 während des Unabhängigkeitskrieges entstand und sich bis, ja gerade heute wieder hochaktuell liest.

[I]Es ist bezeichnend für den totalen Krieg, daß jede kämpfende Seite innerlich davon überzeugt ist, daß sie einen Verteidigungskrieg führe. Seitdem die Volksmassen an den Kriegshandlungen teilnehmen, ist es unmöglich, die Bereitschaft des Volkes zu erhalten, an Front und in der Heimat kämpfend auszuharren, wenn es nicht von der Gewißheit durchdrungen ist, es selbst sei der Angegriffene, der um sein Leben ringt. Es ist offensichtlich, daß diese Gewißheit leicht entsteht und ebenso leicht gefestigt werden kann: gibt es doch keinen wirklichen Streit zwischen zwei Nachbarn ohne das starke Gefühl im Innern eines jeden, daß ihm Unrecht geschah; um so mehr auf dem Gebiete der kollektiven Psychologie, das heißt innerhalb der Grenzen der atmosphärischen Suggestion. Nicht Gründe und Beweise, Niederlagen (strategischer oder politischer Natur) allein sind in der Lage, diese lebenswichtige Gewißheit zu erschüttern.

Tag für Tag lesen wir in unseren Zeitungen, wir befänden uns in einem Verteidigungskrieg, weil wir doch angegriffen seien. Die Tatsachen sind ziemlich einfach. Vor zweitausend Jahren bewohnte dieses Land ein Volk, das große Dinge bewirkt hatte und welches danach, auf dem ganzen Weltkreis verstreut, die innere Verbindung mit ihm bewahrte. Zu unserer Zeit bewohnte dieses Land ein anderes Volk, das hier nichts besonderes geschaffen hatte, sondern hier eben nur einfach lebte, seine Äcker bestellte, als gäbe es keine moderne Technik, alte Gebräuche übte, als sei keine moderne Zivilisation vorhanden, und seine Massen sprachen ihre volkstümliche Sprache, als existiere keine Literatursprache. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts begannen kleine, später immer größer wer- dende Gruppen des ersten Volkes in das Land einzudringen mit der Absicht, dort eine Grundlage für seine Sammlung aufzubauen. Im gleichen Maße, wie sich zu dieser Aktion politische Forderungen gesellten, sah man bei dem anderen Volk Zeichen des Unwillens, der Gegnerschaft und des Hasses. Im Anfang akzeptierte dieses Volk das Eindringen mit Duldung, zum Teil sogar mit gutem Willen aus dem instinktiven Gefühl für das gemeinsame Interesse an der Entwicklung des Landes, obwohl von Zeit zu Zeit die Befürchtung aufkam, es könnte ihm ein ihrer Lebensweise fremder Rhythmus aufgezwungen werden. Jetzt aber entsteht eine viel realere Befürchtung, man wolle ihm die Lebensgrundlagen entziehen, und wenn nicht ihm selbst, so doch den Nachkommen. Als nun das erste Volk von Worten zu Taten schritt und die internationalen Instanzen dazu bewegte, ihm politische Rechte über den besseren Teil des Landes zu gewähren, brach ein offener Konflikt aus.

Sicher, dieser Ausbruch wurde dadurch ermöglicht, daß die Regierungen wie üblich den Geisteszustand des Volkes ausnutzten; sonst hätten sie nichts in die Tat umsetzen können. Und jetzt "sind wir angegriffen worden". Wer hat uns denn angegriffen? Doch diejenigen, welche sich im Grunde von uns angegriffen fühlten, das heißt, durch unsere friedlichen Eroberungen. Sie klagen uns an: "Ihr seid Räuber ... ." Und was antworten wir? "Dies ist unser Land, in welchem wir vor zweitausend Jahren große Dinge geschaffen haben." Sollten wir wirklich erwarten, daß sie dies unverzüglich anerkennen würden? Täten auch wir dieses an ihrer Stelle?

Genug davon! Machen wir doch endlich Schluß mit leeren Worten! Die Wahrheit ist, daß wir den Angriff "friedlich" begonnen hatten, als wir in das Land eindrangen. Wir taten dies, weil wir dazu gezwungen waren, für unser Volk ein selbständiges, produktives, ihm angemessenes Leben zu erreichen. Da dies auf die Dauer nur in Übereinkunft mit dem zweiten Volk gelingen kann, hängt alles davon ab, ob wir das zweite Volk - mit Taten natürlich und nicht nur mit leeren Worten - davon überzeugen können, daß unser Angriff schließlich kein Angriff sei, das heißt, daß auf diese Weise das Gefühl für eine Interessengemeinschaft entstünde.

Welcher Art sollten die Taten sein, die diesen Weg vorbereiteten? Dies wäre in positiver Hinsicht die Entwicklung wirklicher Interessengemeinschaft durch die Eingliederung des zweiten Volkes in unsere Wirtschaftstätigkeit hier im Lande. In negativer Hinsicht sollten wir alle Deklarationen und einseitigen politischen Aktionen vermeiden. Dies bedeutete, alle politischen Entscheidungen aufzuschieben, bis diese Interessengemeinschaft ihren genügenden Ausdruck findet. Jeder, der weiß, was Verantwortung ist, sollte aufgrund dieser Tatsachen unser Tun und Lassen gewissenhaft überprüfen.[/I]

http://www.juedische-allgemeine.de/tools/lese.php?ssl_fehler=index.html&ssl_index=/index.html&weit=/start/kultur-05437.html

Liebe Grüße

Hexose

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[Editiert durch Hexose ein Dienstag, Februar 4, 2003 @ ][/size]
Ovadia
04.02.2003, 23:26
Danke, Hexose, für Deinen Beitrag!

Zur Beantwortung bedarf ich einer ruhigeren Überlegung als ich sie hier in Jerusalem bei Daniel und seinen Töchtern habe.

Nur so viel vorweg: 1948 waren die Araber im Land Israel noch stolz darauf Araber zu sein. Die Palästinenser waren zu der Zeit in den Augen der Araber noch die Juden.

"Massen" von Arabern befanden sich 1948 noch nicht im Land Israel, weil die Juden dazu noch nicht die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen hatten. Das Land Israel war damals noch ein reichlich unwirtliches Land von Fels und Sumpf. Erst durch Tief-Plügen und Entwässern wurde die Sümpfe nutzbar gemacht.

Mehr sobalb ich einen ruhigeren Fleck finde. Das kann aber noch dauern!

Liebe Grüße - Ovadia
Hexose
04.02.2003, 23:45
Danke Ovadia, es ist mir auch lieber eine gut überlegte Antwort zu bekommen.

Die geschichtlichen Voraussetzung sind mir ganz gut bekannt. Von der "technischen" Seite her, habe ich mich, so glaube ich zumindest, ziemlich gut eingearbeitet.

Mir stellt sich nur die Frage, ob der Kulturzionismus wie Buber ihn vertreten hat, heute überhaupt noch eine Rolle in Israel spielt und wie Du die psychologische Sicht Bubers zum jetzigen Zeitpunkt, also in der derzeitigen Krise, bewertest.

Als ich den Text zum ersten Mal gelesen habe, hatte ich beschlossen ihn nicht ins Forum zu stellen, weil er in der heutigen Situation sehr schnell mißbraucht werden kann. In vielen Diskussion ist mir von sogenannten "Antizionisten" immer genau diese Ansicht Bubers vorgehalten worden, die besagt, die Juden wären "Eindringle", die kein Recht auf einen eigenen Staat in Palästina hätten.

Ich bin da ganz anderer Meinung, obwohl ich natürlich weiß, daß auch z. B. Hannah Arendt große Zweifel hatte, aber letzendlich doch eine Staatsgründung befürwortete.

Liebe Grüße aus Salzburg

Hexose

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[Editiert durch Hexose ein Dienstag, Februar 4, 2003 @ ][/size]
René Fries
05.02.2003, 13:13
Die Luxemburger sind AUCH "Eindringlinge".

Möchte nur wissen, so ganz nebenher, welches Volk - die Inuit vielleicht ausgenommen - KEIN "Eindringling" wäre...

Danke
Ovadia
05.02.2003, 20:56
René, Dein Beitrag hier vom 05. Februar 2003 geht mir ´runter wie Honig. Ich stimme Dir begeistert zu: Wir sind alle Eindringlinge, der eine früher, der andere zu einem späteren Zeitpunkt.

Bitte, gern geschehen!
René Fries
05.02.2003, 21:53
ich rieche - immer SEHR willkommene - Ironie, vermute aber, dass wir [I] wieder mal[/I] völlig einer Meinung sind. WENN Geschichte überhaupt einen Sinn hat, dann den, durch "gewaltsame" Einflüsse/Umwälzungen jenen Bevölkerungs-mix-up zu bewerkstelligen, ohne den jede Kultur zur Versteinerung verdammt wäre.

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[Editiert durch René Fries ein Mittwoch, Februar 5, 2003 @ ][/size]
Hannes
06.02.2003, 03:33
Hallo Rene - na ja - Ironie?

Dieses "Eindringling"-Problem war doch immer schon ein Problem auch dort auf Spon - Du erinnerst Dich doch? Wie oft musste man sich gegen die unterschiedlichsten, übelsten und oft sehr unterschwelligen Anwürfe dort verteidigen - wie oft war man gezwungen zu erklären was doch selbstverständlich sein sollte - schau mal, paar Beispiele:

http://forum.spiegel.de/cgi-bin/WebX?14@100.73kRaC05AkD^3@.ee70862/8035

Kleiner Hinweis in Bezug auf 8024:
Israel war schon immer die Heimat der Juden! Der Holocaust war Anlass, die Welt den Atem anhalten zu lassen und den Juden endlich das Recht zuzugestehen, in ihre Heimat zurückzukehren!

http://forum.spiegel.de/cgi-bin/WebX?14@100.73kRaC05AkD^4@.ee70862/8050

Die Juden sind ein Volk, ganz ohne Zweifel!

Die Juden lebten schon in Palästina, da war noch weit und breit keine Rede von Jesus Christus oder Mohammed!
Sie sind nur immer wieder vertrieben worden, lebten in der Diaspora und feierten Pesach: "Nächstes Jahr in Jerusalem!"
Und jetzt sind sie wieder in Israel und haben ihren eigenen Staat!
Die Existenz Israels ist ein Glück für die Menschheit, seine Existenzsicherung eine Katatsrophe für den Humanismus!

http://forum.spiegel.de/cgi-bin/WebX?14@100.73kRaC05AkD^8@.ee72179/12898

Wir alle haben eine Heimat, einen Zufluchtsort, wir können immer und von überall her darauf zurückgreifen, ist für uns so vollkommen normal und absolut natürlich, dass wir uns gar nichts anderes vorstellen können, ausserdem, na ja, mögen uns alle, haben nix gegen uns, gut.

Bei den Juden ist das ein klitzekleines Bisschen anders, denk ich und deshalb ist Jerusalem, ist Israel so wichtig, denke ich, für die Juden und zwar für alle Juden, egal ob diese nun dort leben wollen/können oder nicht. Es ist ihre Heimat, seit immer schon und da kann man dagegen polemisieren und Winkelzüge schlagen, diese laufen immer ins Leere, immer an die Wand.

http://forum.spiegel.de/cgi-bin/WebX?14@100.73kRaC05AkD^7@.ee6fdbe/703

Ich kann nur sehen, (...), das Antisemitismus, ja gerade Antisemitismus die Hauptursache für die heutige Situation darstellt!

Antisemitismus hat zum Auszug aus Ägypten geführt, moderner Antisemitismus hat die Juden zwei Jahrtausende durch die Diaspora begleitet und sozusagen postmoderner Antisemitismus ist es, der es vielen Menschen unmöglich macht, die Juden und ihr Verhältnis zu Jerusalem, zu Israel zu verstehen!

Pesach, Schawuot und Sukkot, drei Feste werden gefeiert und die Haggada wird vorgelesen. In der Haggada heisst es: "In jeder Generation betrachte sich jeder einzelne, als sei er aus Aegypten ausgezogen." (Pesachim 5)Jedes Jahr und immer und immer wieder und immer gesungen - „Nächstes Jahr in Jerusalem“, - in der Diaspora! Und zweitausend Jahre lang!

Zweitausend Jahre und keine Heimat, aber ein ausgesprochen starkes Zugehörigkeitsgefühl, getragen von Willen, Liebe zum Nächsten und dem Glauben an Gerechtigkeit, an Menschlichkeit, und an "Leshana haba'ah biruschalaim"

Es ist genau das, worum wir die Juden beneiden. Weil wir sie alle selbst gerne hätten, diese Geborgenheit, diese Sicherheit im Menschlichen, im Humanismus!
René Fries
06.02.2003, 12:05
Stimmt alles, was Du schreibst. Aber: gerade die Juden sind doch eins der schlagendsten Beispiele dafür, dass "Bevölkerungs-mix-up" im Endeffekt der Kultur immer nur zugute kommen kann. Erinnere Dich mal wie ich schrieb dass im kaiserlichen Deutschland die Juden, obwohl nur 1% der Bevölkerung, überproportional bei den "Kulturträgern" repräsentiert waren (und dass der Adolf den USA ein wunderschönes Geschenk machte, indem er Grossteile der dt-jüdischen Intelligentsia dorthin vertrieb).

Was fürs (nach-)kaiserliche Deutschland galt, das galt (gilt) für sehr viele andere Länder
René Fries
07.02.2003, 14:38
Erstmal: Gut Schabbes, bevor ich mich mal wieder 'ne Zeitlang in den Büchern vergrabe (hier im Computerzimmer ist's ziemlich kalt, brrrr... )
Daniel
21.06.2003, 22:56
Weltweit gett haut d’Fête de la Musiqe gefeiert. An Frankreich, wou des Initiative vrun 21 Joer op d’Idee hin vum Jack Lang lanceiert gouff, sin eng 12.000 Manifestatiounen annonceiert. Esouguer d’Amerikaner an d’Japaner hunn des Traditioun iwwerholl.
Ovadia
22.06.2003, 09:29
Servus Hexose,

Daniel hat mir mit seinem Beitrag vom 21. Juni 2003 das ungute Gefühl beigebogen, daß ich Deinen hiesigen Beitrag vom Februar 4, 2003 noch nicht ordentlich beantwortet habe.

Den von Dir zitierten Zeitungsartikel von Martin Buber kann man so stehen lassen, bis Buber von den Interessen der Araber zu spekulieren beginnt. Hier liegen selbst die Araber untereinander im Streit. Kaufleute und Facharbeiter wollen materiell weiter kommen; das einfache Volk möchte wie seit Jahrhunderten leben. Wie dieses "einfache" Leben aussieht, beschreibt Buber in seinem Zeitungsartikel genau.

Danach ergreift Buber Partei für das "einfache" Leben. Und schon sind wir wieder beim "Bundschuhkrieg" in Europa. Damals wurde gegen den Willen der "einfachen" Bevölkerung im deutschen Sprachraum durchgesetzt, daß Kauf nicht mehr mit Raub gleichgesetzt werden durfte. Der Aufbau einer Interessengemeinschaft zwischen der einfachen Bevölkerung und den Besitzenden hat dann bis in dieses Jahrhundert gedauert und wurde durch Verwischen der Grenzen zwischen Besitzenden und Habenichts-en erreicht.

Buber zeigt sich zutiefst von der absoluten Richtigkeit seiner Weltanschauung überzeugt. "...Eingliederung des zweiten Volkes in unsere Wirtschaftstätigkeit...", das ist aber genau das, was die einfachen Araber nicht wollen. Weiter macht Buber sich das Leben leicht, in dem er fordert "alle politischen Entscheidungen aufzuschieben". Kann irgend jemand so weiter kommen?

Der Unterschied zwischen Besitzenden und Habenichts-en wurde verwischt durch aktive politische Tätigkeit der europäischen Parlamente, nicht durch Untätigkeit und bloßes Zuwarten derselben.

Die "Straßenkarte für den Frieden" will eine Trennung der beiden Völker damit jeder nach seinen eigenen Vorstellungen leben kann. Zwei getrennte Staaten! Nicht binational, kein Friedensbund sondern - wenigstens - ein ideologischer Wettstreit, schon garnicht Kulturzionismus.

Anmerkung: Der innerarabische Streit wird durch die "Straßenkarte für den Frieden" nicht gelöst. Arabische Kaufleute und Facharbeiter befürchten einen Sieg der (besitzenden) Anführer des "einfachen" Lebens im arabischen Lager.

Herzliche Grüße - Ovadia
Daniel
23.06.2003, 14:39
Seit 25 Jahren Freundschaft: Städtepartnerschaft Gießen-Netanya

GIESSEN (inn) - Zahlreiche Gäste aus der israelischen Küstenstadt Netanya und der hessischen Universitätsstadt Gießen haben am Sonntagabend mit einem Festakt in der Gießener Kongreßhalle das 25jähriges Jubiläum der Städtepartnerschaft Gießen-Netanya begangen. Unter den Teilnehmern waren neben der Bürgermeisterin aus Netanya, Miriam Feierberg, und dem Gießener Bürgermeister Heinz-Peter Haumann auch der Pressesprecher der israelischen Botschaft in Berlin, Amit Gilad und der Frankfurter Rabbiner Shlomo Raskin.

Bürgermeisterin Feierberg (Likud) schilderte den Zuhörern den Alltag der Einwohner Netanyas, die in ständiger Bedrohung vor Terror und mit der alltägliche Angst vor neuen Anschlägen leben müßten. "Ich persönlich verlasse mein Haus immer ordentlich, weil ich nie weiß, ob ich zurückkomme", schilderte Bürgermeisterin Feierberg ihre Situation. Nach beinahe drei Jahren anhaltendem Terror der Palästinenser habe die israelische Bevölkerung die Hoffnung jedoch nicht aufgegeben.

"Nach jedem Anschlag haben wir einen neuen Baum gepflanzt, einen neuen Garten angelegt, eine neue Schule gegründet. Das ist unsere Lebenseinstellung, die kann uns niemand nehmen", sagte die Bürgermeisterin. Dazu trage auch die Partnerschaft mit der hessischen Stadt Gießen bei. "Die Gießener Bürger haben uns auf diesem langen Weg durch viele schwere Zeiten geholfen."

Bürgermeister Heinz-Peter Haumann (CDU) betonte, daß seine Stadt gerade in diesen schweren Zeiten an der Seite Netanyas stehe. "Mehr als ein Dutzend Mal sind Bürger unserer Partnerstadt Opfer von heimtückischem Mord geworden, der durch nichts zu rechtfertigen ist. Es gibt keine Begründung und keine Entschuldigung für Terrorismus", sagte Haumann.

Das Existenzrecht Netanyas und des Staates Israel sei unbestreitbar und dürfe niemals zur Diskussion stehen. "Sie dürfen wissen, daß Sie die Bürger dieser Stadt und die Bürger dieses Landes auf Ihrer Seite haben, wenn es um diese existenzielle Frage geht. Nicht zuletzt aufgrund unserer eigenen Geschichte wissen wir uns an der Seite Israels, der einzigen Demokratie im Nahen Osten", sagte der Gießener Bürgermeister zu den Gästen aus Israel.

Der Pressesprecher der israelischen Botschaft in Berlin, Gilad, unterstrich die Bedeutung der Parterschaft zwischen Israelis und Deutschen. "Dein bester Partner ist nur der, der die Dinge mit deinen Augen zu sehen vermag", so Gilad. In der Städtepartnerschaft zwischen Netanya und Gießen werde dieser Kernsatz der Freundschaft seit nunmehr 25 Jahren verwirklicht.

Neben der 25jährigen Städtepartnerschaft Gießen-Netanya gab es zwei weitere Anlässe zum Feiern: Auch die Jüdische Gemeinde Gießen kann auf nunmehr 25 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. Gleichzeitig beging die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar ihr 25jähriges Jubiläum.

Die Festveranstaltung wurde durch einen musikalischen Tanzbeitrag der "Briza Singers" aus Netanya und Beiträgen des Berliner Kabarettisten Hilmar Baumann abgerundet. Die Gruppe junger Israelis trug auch bekannte hebräische Lieder wie "Yerushalayim shel zahav" ("Jerusalem von Gold") oder den israelischen Grand-Prix-Song "Halleluyah" vor. (ad/eh)
René Fries
22.07.2003, 20:46
[I]Das Existenzrecht Netanyas und des Staates Israel sei unbestreitbar [/I]

...na, mit Platitüden kommt man schliesslich [I]auch [/I]weiter - das Existenzrecht jedes einzelnen Regenwurms ist nämlich - per definitionem - genauso unbestreitbar.

Weil aber das Existenzrecht des regenwurmfressenden Gockels ebenfalls unbestreitbar ist... -

- ...müssen wir das Weitere wohl der Gurretaube überlassen, die sich ja so recht eigentlich [I]niemals [/I]um Existenzrechte - und sei's ganzer Völker und Reiche - geschert hat.

PS Das schönste "Hallelujah" ist NICHT das aus Händels "Messias", sondern das aus... (na, woraus wohl?)[size=small]

[Editiert durch René Fries ein Dienstag, Juli 22, 2003 @ ][/size]
Ovadia
23.07.2003, 18:19
Hallo René,

mach es nicht so spannend. Nu, sag uns schon, welches Hallelujah das schönste ist.
René Fries
23.07.2003, 21:25
...das aus "Exsultate, jubilate" von Mozart (für mich natürlich nur :))
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