Vollständige Version anzeigen: "Monitor Familienfreundlichkeit" - April 2003 - Das Forum des Gesamtelternrates Leipziger Kindertageseinrichtungen



gerleipzig
14.05.2003, 09:12
Wirtschaft und Regierung starten Public-Private-Partnership-Projekt

"Familienfreundlichkeit ist nicht nur eine Schlüsselfrage für den
sozialen Zusammenhalt, sondern auch für die Entwicklung der
Produktivität", erläutert die Bundesministerin für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend, Renate Schmidt. "Wirtschaft und Politik sind sich
einig, dass eine gute Balance von Familie und Arbeitswelt zu den
großen gesellschaftlichen Aufgaben gehört. Dafür sind nicht nur mehr
und bessere Angebote an Kinderbetreuung notwendig, sondern auch
Unternehmen, die Eltern bei der Erfüllung ihrer Aufgaben
unterstützen. Wir benötigen in Deutschland eine familien- und
frauenfreundlichere Unternehmenskultur."

Erstmals wird es auf Initiative der Spitzenverbände der deutschen
Wirtschaft und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend eine repräsentative Befragung zur Balance von Familie und
Beruf in deutschen Unternehmen geben. Dieser "Monitor
Familienfreundlichkeit" wird vom Institut der deutschen Wirtschaft,
Köln, durchgeführt und gemeinsam von BDA, BDI, DIHK und ZDH sowie dem
Bundesministerium getragen und finanziert. Dieses Projekt
unterstreicht das gemeinsame Engagement der Spitzenverbände der
deutschen Wirtschaft und der Bundesregierung für mehr
Familienfreundlichkeit in den Unternehmen.

Etwa 10.000 Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen werden
für die Befragung angeschrieben, wobei es hauptsächlich um die Frage
geht, was die Unternehmen bereits für die Familien leisten und wo die
größten Hindernisse für den Ausbau des Unternehmensengagements
liegen. Die Studie wird verlässliche Daten darüber liefern, welche
Formen der betrieblichen Personalpolitik, welche gesellschaftlichen
Strukturen und welche sozialpolitischen Anreizsysteme und
Fördermaßnahmen Einfluss auf die Balance von Familie und Beruf haben.
Erste Ergebnisse des "Monitor Familienfreundlichkeit" werden im
Oktober 2003 vorliegen.

Von diesem Public-Private-Partnership-Projekt werden Politik und
Unternehmen profitieren. Unternehmen erfahren, mit welchen
Arbeitsbedingungen sie hochqualifizierte Mütter dauerhaft an sich
binden können und Vätern ermöglichen, ihren Wunsch nach mehr
Engagement in der Familie zu verwirklichen. Die Politik wird eine
verlässliche Datengrundlage haben, um die Rahmenbedingungen für mehr
Familienfreundlichkeit in der Arbeitswelt zielgenauer gestalten zu
können.

Wie groß der Handlungsbedarf für eine bessere Balance von Beruf und
Familie ist, zeigen die Zahlen zur Beschäftigungssituation von
Müttern und Vätern in Deutschland. So sind 91 Prozent der Väter
erwerbstätig, aber nur 64 Prozent der Mütter. Befragungen zeigen,
dass 70 Prozent der nicht erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter 12
Jahren aber gerne arbeiten würden. In der Vereinbarkeit von Familie
und Arbeitswelt steckt ein großes Potenzial, das es zu nutzen gilt.

"Ich begrüße sehr, dass durch die empirische Erhebung des Instituts
der Deutschen Wirtschaft erstmals eine repräsentative, bundesweite
Befragung zu dem wichtigen Thema der Balance von Familie und Beruf in
der deutschen Wirtschaft durchgeführt wird" sagt der Präsident der
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dr. Dieter
Hundt.

Dr. Michael Rogowski, Präsident des Bundesverbands der Deutschen
Industrie (BDI): "Um die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf zu verbessern, müssen Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft an einem Strang ziehen. Dabei ist es nicht nur wichtig
zu erfahren, wo es jetzt schon gut läuft, sondern auch zu fragen, wo
die Hindernisse für eine familienfreundliche Unternehmenspolitik
liegen."

Dieter Philipp, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen
Handwerks
(ZDH): "In Handwerksbetrieben ist die Mitarbeit von Frauen seit jeher
gang und gäbe. Über drei Viertel aller Unternehmen sind
Familienbetriebe, in denen die Meisterehefrauen Führungsaufgaben
übernehmen und als 'Mit-Chefin' beteiligt sind. Auch der Anteil der
weiblichen Lehrlinge, Gesellen und Meister steigt kontinuierlich.
Deshalb ist auch im Handwerk die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit
von entscheidender Bedeutung."

Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages (DIHK), fordert: "Nur eine Gesellschaft, die heute
in flexible und qualifizierte Betreuungsangebote für Kinder
investiert, wird morgen ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
behaupten können". Der DIHK-Präsident kritisiert, dass aufgrund
fehlender Betreuungseinrichtungen insbesondere Mütter den Wunsch
nicht realisieren können, ihre zumeist gute Qualifikation in die
Unternehmen einzubringen. In der Vereinbarkeit von Familienaufgaben
und Arbeitswelt sehe er noch ein großes Potenzial. "Hier bleibt
derzeit Humanvermögen ungenutzt - und damit werden Wachstumschancen
vertan."

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